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Es ist Love Is Dead, wir sind gefickt, was kommt als Nächstes?

LP kaufen iTunes Vö: 25.05.2018 Universal

Äh. Ja. Promotexte. Lieblings-Hassballen Linus Volkmann hat auf seiner gerade zu Ende gegangenen Lesereise schon hervorragend aufgelistet, welche Sätze in Bandbios und Promotexte einfach gar nicht gehen dürfen.

Sie verehren uneingeschränkt den beschriebenen Wind-in-den-Haaren-Sound. Und sie spielen alle drei in einer Band.“ Hach. Da ist genug Stoff drin für drei zusätzliche Listenplätze. Aber wir wollen mal nicht unfair sein. Weil, was schreibt man über eine Platte, eine Band, die irgendwie Radio, irgendwie edgy und irgendwie irgendwie sind?

Chvrches traten auf den Plan mit knallharter 80er-Depeche-Mode-Cindy-Lauper-Kopie, die aber in ihrer Mischung aus Glitzer, Pop und Teenie-Düster ganz hervorragend und Ear-catchy funktionierte. Das war bei allem Kommerz trotzdem ein sehr eigenes Stück Musik, das im Radio genauso funktionierte, wie auf der Bühne.

Zurück zum Promotext. Man habe, so die Band, sich mehr nach außen geöffnet, mehr zusammengeschrieben und – obacht – Super-Über-Producer-of-the-hour Greg Kurstin (Pink, Sia, Tegan and Sara, Sia, Beck, Foo Fighters, Sia, Kelly Clarkson, Sia, Sia) ins Boot geholt. Nachdem die ersten zwei Alben noch selbst produziert wurden. Hm.

Erster Durchlauf. Autotune. Trap-Beats. EDM-Geklimper. Ein Stranger-Things-Synthesizer (Warum gibt es noch keinen Stranger Synth? Hallo Marketing?) ist auch mit dabei. Alles was so „in“ ist. Ok, nagut. Man soll ja Platten öfter hören. Chancen geben, auch mal wirken lassen.

If you don’t have a heart, I can offer you mine“. Boa. Auf Deutsch wär‘ das Schlager. Wo sind die großen Chorusse? „Is this heaven or is this hell?“ Frag ich mich auch.

Man ey, unter dem ganzen Murks ist doch schon irgendwie das Chvrches zu hören, das euch ausmacht! Aber sowas zu besprechen macht wenig Spaß, wenn man die ganze Zeit das Gefühl hat zwischen Tankstellen-Playlist und Kirmestechno zu schwanken. Man will ja nicht nostalgisch werden, weil künstlerische Weiterentwicklung und so, aber geht das auch mit Gefühl? Alles kalt hier. Das dritte Album ist oft eine Zäsur. Wenn Album eins funktioniert, wird das nächste in ganz ähnlicher Machart nachgeschoben. Aber dann muss was passieren. Greg Kurstin könnte ja funktionieren. Tat’s ja ganz passabel bei Tegan and Sara. Aber die „eigensinnige und entschlossene Offenheit der Band“, was auch immer das sein mag, dieses Öffnen und Reinlassen von anderen kreativen Stimmen hat Chvrches nicht gutgetan.

Wenn das Highlight einer 12-Song-Platte ein 1:10 Minuten langes Instrumentalstück ist, wo endlich mal kurz genau das aufblitzt, was an düsterem Pop Platte eins und zwei so herausstechen und funktionieren ließ. Wenn dann im LETZTEN Song (nach dem schönen Instrumental) gerade noch die Kurve gekriegt wird und mit „Wonderland“ zwar alles aus den 80ern zusammengeklaut wird, was nicht bei drei in den Bravo-Hits war, dann ist das Offenheitsexperiment gescheitert. Davor sind dann nämlich 10 Stück Musik, die ganz viel wollen aber leider ganz wenig können.

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