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Obwohl die musikalischen Wurzeln weit voneinander entfernt liegen, zeigt sich am Beispiel des Duos City At Dark (ehemals RÁN), dass es ausgesprochen erfrischend und Grenzen überschreitend sein kann, wenn zwei außergewöhnliche Charaktere sich zusammentun, um musikalisches Neuland zu erobern.

Vö: 08.11.2019 Snowhite Records LP kaufen

Die wunderbare Laura Landergott wurde 1986 in Österreich geboren, bekam mit acht Jahren Klavierunterricht und lernte ab ihrem 15. Lebensjahr autodidaktisch Gitarre und Schlagzeug. Mit diesen Fähigkeiten ausgestattet spielte in diversen Bands wie Ja, Panik, Mile Me Deaf und Die Eternias. Nach Abitur und Studium der Kultur- und Sozialanthropologie und Musikwissenschaft an der Universität Wien zog es sie 2013 nach Berlin. Hier arbeitet sie als musikalische Leiterin mit diversen Theaterkollektiven wie Franz von Strolchen und copy & waste zusammen.

2017 gründete sie gemeinsam mit dem Gitarristen Yair Karelic die Band RÁN. Der aus Tel Aviv stammende Gitarrist Yair Karelic hat seine musikalischen Wurzeln in der Berliner Psychodelic- und Post-Rock-Formation Mystical Communication Service, die mit ihrer Trilogie über den fiktiven Charakter Yanez di Mompracem zwischen 2014 und 2016 drei Alben zu füllen wusste.

Noch unter dem Bandnamen RÁN veröffentlichten die zwei Kreativköpfe 2017 ihre erste EP Hunt Like Lions. Angetrieben von nervösen Post-Punk-Einschlägen entfalten die beiden einen Mix aus Art-Pop und Dark-Wave, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Das selbstbetitelte Debütalbum des Duos City At Dark erscheint auf Snowhite Records und hat für fast jeden Geschmack etwas zu bieten.

Der sinnliche Pop-Noir, aus treibenden Beats, pochenden Bässen und knarzenden Gitarren entwickelt in so manchem Soong einen sogartigen Klangteppich angereichert durch die laszive Stimme von Laura Landergott.

Im Opener Tidal Waves klingt Landergott wie Annie Lennox und das Arrangement könnte locker aus der Feder von  David A. Stewart stammen. Eine schöner langsamer vom Schlagzeug und Synthesizer dominierter Tanz-Track, der für den Einstieg ins Album gut ausgesucht ist.

Weiter geht es mit dem als Video vorab veröffentlichten Song One by One. Ein hyper-hektischer Drum-Beat treibt den Song voran und im Video sieht man Landergott mit Karelic und einer anderen Frau durch die Nacht schweifen und einander umgarnen. Verführerische Nachtmusik, die zum Tanzen einlädt. In den gedehnten Gesangspassagen fühlt man sich stimmlich an K.D. Lang erinnert.

Der Track Godess ist das musikalisch am wenigsten stimmige Stück auf dem Album. Man weiß bis zum Schluss nicht wie sich der Song eigentlich entwickeln soll. Hier waren zu viele Ideen und Köche am Werk.

Trash war die erste Auskoppelung aus dem Album und ist eine wunderbare Liebes-Ballade, die sich samtweich durch den Raum schiebt. Laura Landergott zeigt ihre ganze Wandlungsfähigkeit in den wunderbaren Tempowechseln. Ein klarer erster Höhepunkt auf dem Album. Der Song funktioniert zu jeder Tages und Nachtzeit.

Nach diesem Highlight folgen leider zwei weniger gut funktionierende Songs.

Der Track Freeway beginnt langsam wie ein Tango und steigert sich durch die sich wiederholenden psychodelischen Gitarrenpassagen. Das Arrangement klingt teilweise nach Tom Waits zu seinen Rain Dogs-Zeiten und trotzdem fühlt man, dass der Song nicht fertig ist. Genauso unvollkommen ist der Song Disastrous Mistress, für den man durchgehend kein Gefühl entwickelt. Depeche Mode trifft Aldous Harding. Da wäre mehr drin gewesen.

Der Track Thats What You Are ist dann wieder eine gute Dark Wave-Komposition, die sich langsam schlangenhaft dahinschlängelt und die HörerInnen in ihren Bann zu ziehen weiß. Der nächste Song Lucid Dreams ist eine verschachtelte Traumdeutung, die mit treibendem Synthesizer den Ton vorgibt. Im letzten Drittel übernehmen dann die elektrischen Gitarren die Führung.

Bei So Far wird dann wieder aufs Tanzbein gezielt und der Song macht auch Laune, obwohl er gegenüber den Zwei Tracks zu Beginn des Albums deutliche Schwächen hat. Der Track klingt wie Blondie in den 70ern mit viel Gitarrengeschrammel.

Der letzte Track auf dem Album ist Belly Of The Moonlight, der sich im gelungenen Duettgesang präsentiert. Leider hat man das Arrangement deutlich überzogen. Hier wäre etwas weniger an Gitarren und Schlagzeug viel besser gewesen. Insgesamt wirkt der Song musikalisch überfrachtet.  

Wenn der letzte Ton verklungen ist, bleiben von dem Album leider nur wenige richtig gute Stücke in Erinnerung. Sicherlich hätte der Produzent an der einen oder anderen Stelle regulierend eingreifen sollen, um die Ideenflut etwas zu kanalisieren. Was in guter Erinnerung bleibt, ist die Wandlungsfähigkeit der Stimme von Laura Landergott, die man unbedingt wieder hören möchte.

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Zusammenfassung
Hier haben zwei talentierte Künstler ihren Freiraum genutzt. Das ist nicht immer geradeaus und manchmal wurden auch einfach zu viele Ideen in die Songs gepackt. Man darf gespannt sein, was den beiden auf dem nächsten Album einfällt.
3.5
Leser Bewertung 2.36 ( 4 Bewertungen)
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