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Das sechste Werk des Geschwisterpaares CocoRosie klingt wie das Lovechild von Feist und James Blake – das so packend und locker daherkommen will wie die Vorbilder, jedoch nicht immer am Ball bleiben kann.

Dabei klingen die Rahmenbedingungen für das neue Album doch so vielversprechend: Nach den Ausflügen ins elektronische Spektrum auf den letzten beiden Alben „Grey Oceans“ und „Tales of a GrassWidow“ beschwor man sich darauf, den Anfängen (genauer gesagt dem Debütalbum „La Maison de Mon Rêve“ von 2004) zu huldigen und die neuen Songs so analog und echt wie möglich klingen zu lassen. Dafür verschanzten sich Bianca „Coco“ und Sierra „Rosie“ Casady auf einer Farm in Südfrankreich und produzierten mit minimalistischen Mitteln, mit Kinderinstrumenten und anderem unüblichen Gerät zehn Songs, die nicht mehr auf sphärische Elektro-Klangteppiche und Samples setzen. Stattdessen gibt es einen organischen Sound, der von lebender Atmosphäre nur so strotzt, der nüchtern und hautnah wirkt, und der dem ganzen Album ein Gefühl von Leichtigkeit und Verträumtheit verleiht, wie das Dahindösen an einem sommerlichen Samstag Nachmittag.

Tatsächlich klingt „Heartache City“ an vielen Stellen, als würden Menschen, die sich schon ihr Leben lang kennen, zusammenkommen und spontan auf Spielzeuginstrumenten spielen und experimentieren: Der Opener „Forget Me Not“ beispielsweise ist eine Vorschau für das, was auf dem Album allgemein passiert und wartet auf mit einem einfachen Beat, über den ein Spielzeugklavier zuckersüße Akkorde legt, während eine sanfte Stimme mal gesprochen, mal gesungen Texte vorträgt, die im ersten Moment wie albernes Witzeln klingen, im nächsten aber auch schon wieder tonnenschwer sein können. Dabei sind im Hintergrund verschiedenste Klänge zu hören, von kurz gespielten Flöten und Trompeten über Glockenspiele bis hin zu eher exotischen Instrumenten aus allen Herrenländern: Fast so als würde man tatsächlich Menschen lauschen, die bei Geschichten über das Leben ein wenig herumklimpern.

Diese Spontaneität zielt natürlich nicht auf Konsistenz oder geregeltes Songwriting ab, macht es dem Hörer damit allerdings nicht immer leicht am Ball zu bleiben. Jetzt kann man natürlich sagen, dass die Platte gerade herausfordernd sein will, dass die unkonventionelle Herangehensweise von CocoRosie zum aufmerksamen Zuhören auffordern möchte, und das wäre auch richtig so: „Heartache City“ ist keinesfalls arm an Ideenreichtum und Kreativität, und bei genauerem Hinhören lässt sich auch nachvollziehen, wie und wieso das nun so klingt. Ein wenig zum Verhängnis wird nur der Ansastz, dass der Fokus gerade auf dem Fehlen von eben jenem liegt. Da zeigen sich auch die größten Unterschiede zu den anfangs erwähnten Künstlern: Feist weiß besser, wann sie sich und ihre Stimme zurücknehmen oder voll einsteigen muss, und James Blake lässt einen Track nur so weit ausufern, dass er nicht zu groß für sich selbst wird. CocoRosie haben mit ihrer Mischung aus Indiefolk und Avantgarde-Pop aber andere Ziele, vor allem aber anscheinend auch andere Wege, mit denen diese Ziele erreicht werden wollen.

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