Erstaunlich reifer Erstling eines Post-Metal Hoffnungsträgers. „Don’t Be Afraid“, She Whispered And Disappeared soll ein Debut sein? Die Band soll es erst seit 2016 geben? Die sind nur zu dritt? Genau diese Fragen stellen sich, wenn man sich das Werk der Baden-Württemberger zum ersten Mal bewusst zu Gemüte führt und sich deren Biografie dazu ansieht.

Man mag es kaum glauben, dass man es bei Codeia mit Newcomern und nicht mit einer seit Jahren etablierten Genreinstitution zu tun hat. Das Album enthält genau drei (!) Songs, die allerdings mit jeweils ungewöhnlich langer Spieldauer aufwarten, aber trotzdem in sich ständig verändernde Einzelparts gegliedert sind.

Wie im Post-Metal nicht ganz unüblich, startet die Platte eher unaufgeregt mit dem fast 22-minütigen, die komplette A-Seite einnehmenden „Lost In Translation“. Jedes Instrument hat seinen Platz im Aufbau, effektbelegte Klampfentöne plätschern, im Hintergrund baut sich eine bis zur Unkenntlichkeit verzerrter Gitarrensound auf, der Bass spielt ein melodisches Muster und die Shouts des Sängers stehen nicht über, sondern eher zwischen allen Dingen. Bevor es eintönig werden kann, wird es kurz still und eine weibliche Erzählstimme bedenkt uns im sexy Britischen Akzent mit kryptischen Lebensweisheiten. Im nächsten Teil geht es wieder heftiger zur Sache, in gleichen Teilen werden Art- und Progrock-Nuancen spürbar und sind eigentlich beim ersten Hören noch gar nicht richtig zu begreifen. Bevor man sich überhaupt richtig einfinden kann, wird man von einem mit Blastbeats unterlegten, melancholisch-stimmigen Riff mitgerissen, bevor eine derbe Noise-Attacke einen letztlich komplett überfährt. Nur, um danach in Stille wieder aufzuerstehen. Verhaltene Floortomschläge und hypnotischer, doppelstimmiger Cleangesang steigert sich ins nächste Riffgewitter. „Shaping Stone“ leitet die B-Seite ein, saubere, unverzerrte Gitarrentöne schweben durch die Peripherie, lupenreiner Postrock steht auf dem Plan. Völlig unvermittelt zerreißt ein hartes, doomiges Riff das Idyll und zwingt uns die Luft einzuhalten. Langsam, ganz langsam atmen wir im Anschluss in einem tief melodischen aus und beruhigen uns. Wieder cleaner Gesang, voller Gefühl und wunderschöner Melodien. Eine Verkettung undurchsichtiger Gitarrensolos führt unweigerlich zu neuer Raserei und über der düsteren Stimmung thronen am Ende die Geier in Form eines langen Feedbacks. „Facing Extinction“ schließt die Platte letztendlich mit den frisch bewährten Trademarks von Codeia. Vor allem der klagende Gesang, der sich zu den spacigen Postrock-Sounds legt, klingt einfach unfassbar gut zu dieser Art von Musik. Nach einem leichte Verzweiflung vermittelnden Ruhepart steigert sich der Song mit einer packenden Dynamik und klingt langsam und endgültig aus.
Die Band behauptet von sich, alles was man auf dem Album zu hören bekommt, live perfekt umzusetzen zu können. Zu dritt. Das glaube ich, dennoch werde ich mich baldmöglichst höchstpersönlich davon überzeugen.

Die Platte selbst ist übrigens von ganz hervorragender Fertigungsqualität, sauber und ohne Pressfehler oder Verformungen. Das noch verhältnismäßig junge, aufstrebende Karlsruher Label „Backbite Records“ hat sich hier wirklich ordentlich ins Zeug gelegt.

Achtung! Wir verlosen exklusiv ein auf 100 Stück limitiertes Exemplar, yellow/red Vinyl, handnummeriert und von der Band signiert. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, besucht bitte die Facebook-Seite von Pretty In Noise, kommentiert den Beitrag und lässt ein „Like“ auf der Codeia-Seite da! Einsendeschluss ist der 07.07.2017, 18:00 Uhr.

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  • 8/10
    Autor Steffen Eggert - 8.0/10
8/10

Kurzfassung

Sehr fesselnder Postmetal-Trip, der trotz der überlangen Songs keine Sekunde langatmig oder austauschbar wirkt. Bravo!

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