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Schweizer Emopunk mit allerhand Verneigungen an die Großen des Genres.

EP kaufen Vö: 22.09.2017 KROD Records

Das deutsch-französische Label KROD Records zählt zu meinen heißesten Neuentdeckungen. Dort sind allerlei Bands beheimatet, die genau die Art von Musik zaubern, mit der ich meine Sturm- und Drangzeit verbracht habe. Geile, mir bisher völlig unbekannte (überwiegend französische) Kapellen bolzen mit allen Spielarten des melodischen Punks alles um. Eine der neueren Veröffentlichungen ist die „Sojourner“ EP von Cold Reading. Die Schweizer haben bereits vor 2 Jahren mit einem ersten Album („Fractures & Fragments“ 2015) von sich reden gemacht, das allerdings noch vergleichsweise ungeschliffen daherkam.

Der erste Song „Books & Comfort“ macht gleich zu Anfang deutlich, dass das Luzerner Quartett sein melodiöses Handwerk versteht. Ultraeingängig geht das Stück sofort voran und erinnert dabei an feinen Emocore der 1990er Jahre, wie er seinerzeit von Samiam oder den Get Up Kids zelebriert wurde. Das Riff klingelt angenehm in den Ohren, der Chorus ist herrlich druckvoll und melodiös, der Bass pumpt und knarzt. Dazu kommt die feine Gesangsstimme und häufigen Wechsel von laut nach leise und wieder zurück und das ständige Gute-Laune-Gefühl. Das Titelstück startet mit schwebenden Keyboards, Gitarre und Gesang halten sich andächtig zurück, ein Drumcomputer gibt den Takt an. Die Atmosphäre ist immer noch überaus positiv und nachdem die Musik voller, die Stimme direkter und aggressiver wird, erreichen wir den Zenit mit dem geilen, doppelstimmigen Emo-Chorus. Durch das Stimmungs-Auf-Und-Ab kommt hier auch keinerlei Langeweile auf.

Voller schöner und kantiger Imperfektion ist „Roads & Peril“, das etwas vertrackter und durchdachter wirkt als die beiden Vorgänger. Neben dem Einsatz von akustischen Gitarren, Galoppdrums, ausladenden Basssounds, wird hier wieder nach bewährtem Rezept gekocht. Aber das tut dem Gefallen natürlich keinerlei Abbruch. Zum Ende schmiegt sich das melodiöse „Scratches“ sanft ans Gesamtkonzept an, das mich mehr als nur peripher an die guten, alten Jimmy Eat World erinnert. Der Sänger zeigt erstmals, was er mit seiner Stimme alles anstellen kann, so voll und rund wie der Gesang auf einmal klingt. Die Musik steht ohne Aufregung mitten im Kopf des Hörers, die verwendeten Keyboards sind weit davon entfernt, zu nerven. Direkte Drums und verzerrte Noten setzen Akzente, die Gitarre ist brettig, aber übertreibt es in keiner Weise.

Nun, jammerschade, dass es nur vier Songs sind, die sich auf dem feinen Vinylscheibchen in ansehnlichem clear brown befinden. Klanglich gibt das Ding auch keinerlei Grund zur Klage und die Aufmachung ist auch super. Ich empfehle erneut, mal bei KROD Records vorbei zu schauen.

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