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Auch nach fast 30 Jahren harter Arbeit an der Front einer progressiven und sich ständig weiterentwickelnden Hardcore Szene macht ein neues Converge Album immer noch keinen Hehl daraus, stets zu einer verfluchten Tour de Force mutieren zu wollen.

LP kaufen Vö: 03.11.2017 Epitaph Records

Bostons legendärste Formation will nicht leicht verdaulich und berechenbar klingen und fordert auch mit „ The Dusk in Us“ seine Zuhörer mit irrwitzigen Breaks, überraschend eruptiven Parts und dieser eigentümlichen und ureigenen Melancholie, die sich selbst durch schwerstes Riffgewitter fräst. Sich tief im Gemüt des Opfers andockt, um den Schmerz in uns anzusteuern. Dieses Album bereitet mentale sowie physische Schmerzen und klingt wie die berstenden Knochen, die sich Jacob Bannon bereits in den drei Dekaden wahnwitziger Bühnenpräsenz gebrochen hat. Und trotzdem zeugt dieses Album auch wie keines ihrer bisherigen Alben zuvor von der seelischen Zerbrechlichkeit. Von der Traurigkeit, die zum Beispiel im furiosen Finale vom Opener „A Single Tear“ vehement aus den Boxen quillt und diesen ersten Song zu einem der intensivsten Songs ihres Schaffens macht. Ruppig, roh, undurchsichtig und vehement geht es weiter durch die Stadien menschlichen Schmerzes, und erst wenn in der Hälfte des Albums der Titeltrack von beschwörerisch gesprochenen Vocals eingeläutet wird, findet dieser Kraftakt eine kurze Atempause in den wunderschönen Leads des griffigsten Refrains dieser fulminanten Karriere. Converge haben sich noch nie so lange Zeit gelassen mit einem neuen Album und machen dennoch unmissverständlich klar, wer weiterhin der Meister ihrer Zunft ist. Es gibt keine Barrieren für diese Band und so mogelt uns das Quartett ganz neue Facetten einfach in einem furiosen und kompakt klingenden Album unter, ohne dass es wirklich auffallen würde. Ja, Converge haben den Blues und der schwebt wie ein ruheloser Geist durch „The Dusk in Us“ als sei er immer selbstverständlicher Faktor des eigenen Klangspektrums gewesen. Nicht nur das ist die große Kunst an den dreizehn Tracks ihres zehnten Studioalbums. Es bleibt weiterhin eine fassungslos zu bestaunende Gabe, mit der es die Amerikaner schaffen Anerkennung aus allen musikalischen Lagern einzufahren, ohne sich auch nur einen Zentimeter dafür verbiegen zu müssen oder gar in der Wiederholung eigener Muster zu erstarren. Ein Meisterwerk. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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