Cult of Luna
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Kaum ist die Play-Taste betätigt, fühle ich mich zurückversetzt in die beiden letzten, von mir gesehenen, Cult of Luna-Gigs und all die guten Gefühle und klanglichen Erfahrungen dringen wieder in mein Bewusstsein durch.

LP kaufen Vö: 21.04.2017 Sony Music

Der Einstieg, eine Kombination aus The Sweep und Light Chaser, wirkt aufgrund der dominanten Synthies, kombiniert mit Johannes Persson’s lieblichem Organ, noch recht seicht und harmlos, doch spätestens der Auftakt vom Klassiker Owlwood macht klar, wer hier die Instrumente bedient. Eine Wand aus schwedischem Schwermetall schiebt und schiebt und schiebt mit einer Lebendigkeit und Bühnenpräsenz, die keiner Posen oder gar Artistik bedarf, sondern die Intensität und Kraft dieser Musik wundervoll in Szene setzt.

Nach Echoes und gut 27min Gesamtspielzeit scheint dann auch der letzte Gast überzeugt und/oder überwältigt und wird mit I: The Weapon direkt wieder volley genommen. Knapp 10 Minuten massivste Riffs und pure Emotionsausbrüche reißen einfach nur mit. Ich persönlich halte diese Version aufgrund der visuell gelebten Intensität besser, als die von Platte.

Die Analogie aus Laut und Leise hat in Waiting for you definitiv ihren Höhepunkt. Gänsehaut und Schüttelfrost spielen Tischtennis auf dem Niveau des Finales der olympischen Spiele.

Somewhere along the highway hatte zahlreiche Highlights. Zwei davon waren definitiv Marching for the heartbeats und Finland. Jeder, der die Songs kennt weiß, dass diese alles haben zwischen Blumen gießen und Rasen mähen – grandios performed und wundervoll in Szene gesetzt.

Da wir einmal bei der Scheibe von 2006 sind, geht es weiter mit Back to chapel town – vom Flow und Destruktivität her wichtigsten Songs der Band, der die besten Lyrics beinhaltet:

Floating over empty streets. Away from pain, away from everything
Pray that we will survive the night. Buildings falling, the soul vaporised
Watching you sleep, but I know that your heart has grown cold
Let me dream if only for tonight, that we leave together in the first morning light
Alone and forgotten. I bow my head in shame
Before you all answers reveal. So I sink my sorrows in the sea

So tief wie man sinken kann, kann man auch wieder Mut und Kraft fassen. And with her came the birds und Thirtyfour bilden den gefühlen x-ten Neuanfang seit drücken der Play-Taste. Hoffnung, Verzweiflung, Hoffnung. Scott Kelly hätte es nicht besser verfassen können.

Das Finale gibt uns zunächst das wahnsinnig fesselnde Intro von Dim und verkörpert damit erneut die vielfältige Gefühlsduselei. Beinahe in Apathie getrieben kann ich alles um mich herum vergessen. Augen zu, Beine hoch, Ohren und Gefühlssynapsen an.
Dark City and dead man erklärt uns, was es heißt in Umeå, Schweden aufzuwachsen und stolz darauf zu sein von dort zu stammen. Ein gelungener Abschluss für ein Konzert, weit weg von zu Hause.

Wie schnell die fast 2 Stunden Konzert rum sind, ist den vielen Tempi- und Lautstärkewechseln zu verdanken. Generell eine wahnsinnig intelligent zusammengestellte Setlist mit allem, was diese Band kann, ohne dabei übermäßig auf bekannte „Hits“ zurückgreifen zu müssen. Schade, dass die Zuschauer-Schar oftmals sehr viel Stehvermögen und außer ein paar obligatorischen Pommes-Gabeln und Pro-Pfiffen (vermutlich vom Roadburn) wenig zu bieten hat.

Ich empfehle dieses Meisterwerk jedem, der gebiets- oder zeitspezifisch nicht die Möglichkeit hat, ein Cult of Luna-Konzert zu besuchen, oder der gerne einfach mal am Freitagabend spontan seine Stirn am Rand des TV-Boards zerschellen, und den Mond anbeten möchte.

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