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Nach seiner ersten Veröffentlichung auf Loose Music, dem minimalistisch-intimen durchgehend akustischen 2019er Album In The Shape Of A Storm, präsentiert Damien Jurado den erneut selbst produzierten Nachfolger What’s New, Tomboy? und kehrt zur bekannten Mischung aus Herzschmerz und Lebensfreude zurück.

Vö: 01.05.2020LooseLP kaufen

Bereits der Opener Birds Tricked into the Trees startet schwungvoll mit einem schönen Gitarren- und Basslauf unterlegt von einem stoischen Schlagzeug. Da kommt Freude und Lust auf und die Orgel wimmert sanft im Hintergrund. Abgestreift die Traurigkeit des Vorgängers werden erste Farbtupfer versprüht, während Jurado lyrisch-flehend nach einer Wahrheit in irdischen Unvollkommenheiten sucht.  

Der zweiten Track Ochoa wird zwar schwermütig und mit sehnsuchtsvollem Pathos intoniert aber lange nicht so deprimierend wie so manches Stück aus dem letzten Jahr. Bei Alice Hyatt dreht sich mal wieder alles unprätentiös um Melancholie und Depression, aber es tut nicht weh. Damian Jurado versteht es wie kein anderer kleine Alltags-Geschichten zu erzählen, die scheinbar keinen Inhalt haben aber dennoch haften bleiben.

Geradezu beschwingt und unverkrampft zieht Arthur aware die Hörer:nnen in den Bann, aber wird man wirklich schlau aus dem Text oder ist das erneut eine der mystischen Erzählungen von Liebe und Hoffnung, die kein Happy End hat. Für Damian Jurado eine gelungene Fingerübung.

Der folgende Track Francine hat eine schöne stets präsente Basslinie, an der sich der Song entlang hangelt und die wie selbstverständlich sowohl Richtung als auch Tempo bestimmt. Einfach ein schöner Song. Sobald der Basslauf endet, ist auch der Song zu Ende.

Immer wieder blättert Damian Jurado eine neue leere Seite im Buch seiner Erzählungen auf, um sich mit großer Freude mit Prophezeiungen über Zukunft oder Vergangenheit zu beschäftigen.

„You don’t need to understand“ ist die eine der klassischen Kernbotschaften auch im Song Fool Maria, der stark an Nick Drake erinnert. Wunderbar wie Jurado mit geflüsterter Zusicherung erzählt, dass es wahr sei, er habe Visionen und er würde Stimmen hören, zu einer Wiederholung spielenden Akustik-Gitarre, die ihn begleitet und er abschließend prophezeit: „Wir sind Fiktion, wie sie geschrieben steht // Die blutende Tinte auf Papier“. Dieser Song ist ein gutes Beispiel für die oftmals offenkundige Unerklärlichkeit der Gedankengänge des Lyrikers Damian Jurado und ein rundum gelungener Song, der einfach nur Spaß macht.

Davon ausgehend, dass er wohl niemals wissen will, was seine Lieder ihm sagen sollen, kann es Damian Jurado auch egal sein, wenn andere glauben, sie hätten deren geheime Sprache dann doch besser verstanden als er.

Auch der folgende Song When we were few beginnt mit einem dieser starken imaginären Bilder, wen er singt: „Hold the hands that you loose, when you gonna cut off your arms.“ Kaum ein anderer Singer-/Songwriter schafft es mit so einfachen Mitteln Melancholie und Schmerzen in traumhaft schöne Melodien zu packen. Ein erlesener Dichter, der komplizierte musikalische Szenen malen kann.

Weniger mystisch ist der Track Sandra, der schon fast eine Paul Simon-artigen Aufbau hat und gut in ein Arrangement für Art Garfunkel gepasst hätte. Bezaubernd und fast schon kitschig, wie die Bläser dem Song Tiefe und Harmonie verleihen. Eine schöne kleine Ballade, bei der der Liebreiz mal wieder nicht im Text liegt. Einer der vielen Höhepunkte des Albums.

Wahrlich beschwingt im Walzertakt kommt der Song End of the Road harmlos und scheinbar unbekümmert daher, doch die die Botschaft ist klar. „There will be times, when you face the storm“ und der Refrain „The road is long, I can´t go it alone. I need you, I need you“.

Zum Finale gibt es den Track Frankie, der erst kurz vor Veröffentlichung auf die Trackliste gerutscht ist und den Song Josephine, der in den Promo-Veröffentlichungen noch enthalten war, verdrängt hat.

Beide Songs hätten auch zusammen auf das Album gepasst. Frankie ist der etwas melancholischer Song und beschließt das Album im Moll-Ton. Josephine dagegen ist eine Wanderballade, die deutlich beschwingter daherkommt. Hier dürfen wir uns sicher auf eine Veröffentlichung zu einem späteren Zeitpunkt freuen.

Im Pressetext heißt es zum Album:
„In seiner 25-jährigen Karriere bewegte sich Damien Jurado rastlos zwischen Fiktion und Realität, er verschwand in körperlosen Traumlandschaften und kehrte zurück auf irdischen Boden, nur um festzustellen, dass er kein Stück weiser ist. Auch das neue Werk klingt immer auch ein Stück nach rastloser Suche, strömt aber auch eine beruhigende Wärme aus, die wie ein einsames Veranda-Licht Orientierung in der irreführenden Dunkelheit bietet.“

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Zusammenfassung
Das ausgezeichnet produzierte Album kommt auch wegen der bekannten mystischen und bildgewaltigen Sprache viel großzügiger und offener daher als der Vorgänger und kann mit Sicherheit neben dem 2010er Album Saint Bartlett als Damien Jurados bisher beste Musiksammlung angesehen werden.
4.8
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