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Vom 05. bis zum 08. März fand dieses Jahr das achte Static Shock Weekend in London statt.

Unser Autor Paul war das erste Mal dort und wohnte dem Festival mit 36 Bands, aufgeteilt auf sechs Veranstaltungen in vier verschiedenen Locations bei. Hier sein Bericht.

Donnerstag, 05.03.2020

Eine Stadt versinkt im Regen und in blühendem Grau. Sicherheitskontrollen, privilegiertes Passvorzeigen, stundenlanges Busfahren, willkommen in London. Nasse Füße nach wenigen Minuten, abgewiesen am Museum aufgrund eines Rollkoffers und am Ende doch irgendwann bei der Unterkunft in Tottenham. Vierbett-Zimmer über einer Kneipe. Geht noch mehr als Bleibe auf einem Festival?

Das erste Event des Static Shock Festivals VIII findet im DIY Space for London statt. Abgelegen in einem Industriegebiet kämpft sich unsere Reisegruppe mit Bahn und Bus bis zur Location, um sich dann im ersten Moment in dieses Festival zu verlieben. An die Getränkepreise hat man sich schnell gewöhnt, an den eher dürftigen Sound an diesem Abend ebenfalls. Nachdem Gimp World (auf Platte ziemlich gut) leider in einem Breigemisch aus den Boxen ins Publikum schallte. Die Australier:innen Nylex hatten da schon etwas mehr Glück und brachten kunstvollen Post-Punk aufs Parkett, der den Leuten sichtlich zu gefallen wusste. Die Mischung aus Wave und Punk ist ja aber schon eine Weile sehr beliebt, das merkt man auch in London.

Powerplant aus London (Heimspiel) machten an der Stelle weiter, wo Nylex aufgehört hatten nur noch sphärischer. Synthie-Punk, Garage, Lo-Fi Mixtur, die irgendwie aber auch dem Sound im DIY Space erliegen musste, das tat der Laune aber keinen Abbruch. Die letzte Band an diesem Abend Special Interest aus New Orleans beendete den Abend mit einer Form von Avantgarde-Punk. Super interessant, sehr unterhaltsam, laut und leicht übersteuert und der perfekte Übergang zur anschließenden Late Show in der Venue Mot Unit 18, die wir an diesem Abend allerdings nach Sichtung der Eintrittsschlange ausfielen lassen mussten. Stattdessen unzählig viele Busstationen und das Erreichen der Unterkunft an der Grenzen zur erträglichen Müdigkeit.

Freitag, 06.03.2020

Der Tag beginnt mit einem Besuch des Highgate Cemetery, auf dem sich das Grab von Karl Marx befindet. Die Konzerte finden an diesem Abend im Ex Fed Warehouse statt, welches unweit der New River Studios liegt und fußläufig von unserer Unterkunft erreichbar ist. Sieben Bands stehen auf dem Programm, drei oder vier schaue ich mir, beeinflusst von Flüssigkeiten, die den Weg in meine Kehle finden, nur an. Aber eigentlich ein guter Schnitt. Die erste Band, die ich mir in der ziemlich großen und ziemlich coolen Lagerhalle anschaue, ist Nekra. Schöne Eineinhalbminuten Songs in einem guten 15 Minuten Set. Die Mathematiker:innen unter uns wissen was dies zu bedeuten hat. Feiner, roher, angepisster Hardcore-Punk. Nachdem Asid aufgrund einer ausgedehnten Raucherpause leider nicht den Weg in mein Gehör fand, war Chubby & The Gang an der Reihe. Absolutes Pflichtprogramm. Allerdings, zumindest wenn ich meiner Erinnerung Glauben schenken darf, war der Sound ziemlich miserabel und die Enttäuschung zumindest phasenweise ziemlich groß. Die Leute feierten es trotzdem, denn eigentlich ist die Band auch wirklich der Hammer. Checkt das Debütalbum Speed Kills, das dieses Jahr erst erschien, aus und hört euch an, wie großartig Punk 2020 klingen kann. Der nächste Slot im Timetable waren Murderer, aus New York City, die ihr erstes Konzert außerhalb New Yorks auf diesem Festival gespielt haben. Auf das Trio scheinen sich sehr viele gefreut zu haben, denn die Stimmung und die Show waren auch bei Murderer der absolute Wahnsinn. Wieder eine Punk-Show, die ihres gleichen sucht. Die kanadische Band S.H.I.T. beendete den zweiten Tag mehr einem energiegeladenem D-Beat-Punk Set. Ausflippen ab Sekunde Eins. Da blieb kein Kleidungsstück trocken.

Erstes Fazit: Ahhhhhh, dieses Festival ist so großartig.

Samstag, 07.03.2020

Tag Drei in London. Es geht sehr früh mit den Matinee Shows in den New River Studios los. Sechs Konzerte in 3,5 Stunden stehen für den ersten Teil an. Wir essen zunächst leckere vegane Pizza und trinken Kaffee, der Tag hat ja erst angefangen. Die erste Band, die ich dann bewusst sehe und höre, sind Obsessio. Hardcore-Punk irgendwo von Barcelona bis Athen. Maximale Geschwindigkeit, minimaler Schnickschnack. So kann ein Nachmittag beginnen. Weiter ging es mit Strong Boys aus Dublin mit ihrer einzigen UK Show. Gay Hardcore-Punk mit kurzen, schnellen Liedern und klaren Botschaften. Die Matinee Show schließen durften Permission, die für meinen Geschmack etwas später besser platziert gewesen wären. Extrem schneller Hardcore-Punk, hinter dem, aufgrund der Vollgas-Attitüde nur eine Staubwolke zu sehen ist. Und cut.

New River Studios

Im fliegenden Wechsel geht es 150 Meter die Einfahrt runter ins Ex Fed Warehouse, wo quasi kurz nach Beendigung des Permission Sets Sniffany And The Nits anfangen zu spielen. Eines meiner Festival Highlights. Völlig verrückte Punk-Show mit einer Sängerin die wie eine Silent Hill Krankenschwester aus den 60er Jahren gekleidet ist und fies ins Mikrofon schreit. Der Abend kann beginnen. Weiter geht es mit zwei spanischen Bands. Irreal und Minima. So viel ich weiß, habe ich mir keine davon angesehen. Schade eigentlich. So langsam nähern wir uns dem großen Finale des Abends und gleichzeitig auch des Festivals. Nachdem Idiota Civilizzatio leider mit Loose Nukes (die hätten am Sonntag gespielt) ihre Flüge verpasst haben, beginnt der Abend mit den wundervollen Dark Thoughts (zweites Highlight). Einfach nur Punk, einfach nur unfassbar toll. Endlich mal klassischer Punk, nach so viel Hardcore-Punk. Disguise aus Irland folgten und legten eine grandiose Abschiedsshow aufs Parkett. Eine Dampfwalze die in den letzten Minuten ihres Bandbestehens nochmal alles aus sich herausholte, um Spuren zu hinterlassen. Mission geglückt, würde ich sagen. Aus Bogota (Kolumbien) kommen Muro und setzten das i-Tüpfelchen auf den völlig verrückten Samstag. Abriss, Abriss, Abriss. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Dreckiger Hardcore Punk bei dem die Wut zu jeder Sekunde spürbar ist. Chapeau.

Sonntag, 08.03.2020

Nach dem mich bereits am Samstag Fieber und körperliche Schlappheit schwer mitgenommen hatten, war mein Zustand natürlich Sonntags nicht viel besser. Im Gegenteil. Für die Abschluss Matinee Shows waren sechs Bands angedacht, die alle in den New River Studios auftraten. An Salvia, Astral Rites und Imposter kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Koma waren großartig (jedenfalls habe ich mir ein Tape gekauft) und Game haben auch total Spaß gemacht. Loose Nukes sind dann improvisiert mit Dark Thoughts Leuten aufgetreten und haben das Festival somit beendet.

Fazit: Ab sofort gehört das Static Shock Weekend zu meinem jährlichen Pflichtprogramm. Tolle Organisation (außer die Aftershow Partys), mega gute Bands, super Ambiente, leckere Pizza und guter Kaffee. Herzlichen Dank an alle Menschen, die dieses Festival möglich machen. Bis hoffentlich nächstes Jahr.

Titelbild: Static Shock Weekend VIII | (c) Paul Schall

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