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1. Pet Shop Boys – Electric

Tröööt! Nach dem introvertierten „Elysium“ kommt jetzt „Electric“, produziert vom noch jungen Stuart Price, welcher dem Vernehmen nach bei der Arbeit gerne fernsieht und um achtzehn Uhr den Hammer (oder das Achtziger-Keyboard) fallen lässt und der den beiden seit fast dreißig Jahren im Geschäft befindlichen Herren eine ordentliche Frischzellenkur mit unverschämt geiler, zum Tanz verführender und soundmäßig quer durch die Jahrzehnte getriebener Bratz-Elektro-Mucke verpasst hat. Gute, tiefgründige und doppeldeutige Texte sind traditionell mit an Bord. Jeder Track ein Hit, die gleichnamige Tour (Berlin-Festival, siehe auch My Bloody Valentine) ein alle Sinne ansprechender multimedialer Knaller.

 

2. Tocotronic – Wie wir leben wollen

Noch ein Album, bei dem der Produzent (Moses Schneider) sehr wichtig und fast schon ein weiteres Bandmitglied ist. Wenn ein Sabbat-Jahr solche positiven Auswirkungen hat, will ich auch eins machen, um danach im Tempelhofer Rosinenbomber-Studio siebzehn bis zwanzig musikalisch sehr gute, verspielte Lieder mit verspulten, grandiosen Texten aufzunehmen.

http://soundcloud.com/rockotronic/pfad-der-d-mmerung

 

3. Woodkid – The Golden Age

Die beste Coming-of-Age-Platte aller Zeiten. Drama, Liebe, Sex, Sehnsucht, Einsamkeit, Glück, Tod. Wie Yoann Lemoine das alles zusammen mit kunstvollen Videos, perfekter Musik und starker Bühnenpräsenz unter einen Hut bringt, ist buchstäblich einmalig. Thematisch ähnlich wie Hunx and his Punx, künstlerisch aber das genaue Gegenteil.

 

4. Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away

Der disziplinierte Schreibtisch-Meister lässt Instrumente weg, er lässt komplizierte Texte weg, er lässt ausufernde Arrangements weg – und was dabei rauskommt, ist ein Monolith von Stringenz, Schönheit, musikalischer Vitalität und Intimität – sowie seine beste Platte seit wenigstens zwanzig Jahren.

 

5. Turbostaat – Stadt der Angst

Noch eine Moses-Schneider-Produktion: TURBOSTAAT haben das Punk-Rad nicht neu erfunden, aber ordentlich weiter gedreht, was die Komplexität und Schönheit ihrer Lieder und die etwas kafkaesk-verschrobene und gleichzeitig politische Textsammlung angeht.

 

6. My Bloody Valentine – m b v

MBV fielen nicht nur positiv mit ihrem ersten Album seit gefühlten zweitausend Jahren auf (als ich die Gerüchte hörte, war ich sicher, es handelt sich um eine „Ente“), auch ihr Konzert auf dem Berlin-Festival (siehe auch Pet Shop Boys) war laut, laut, laut und intensiv. Zum Glück verzogen die Musikerinnen und Musiker vor der knallbunten, psychedelischen Waber-Film-Kulisse so gut wie keine Miene. Grandezza!

 

7. Spiritual Front – Open Wounds

Die römischen Neofolker mögen neben den üblichen Verdächtigen wie Yukio Mishima auch Pasolini, Fassbinder und Johnny Cash – sowie musikalische Opulenz, Ennio-Morricone-Arrangements, Rock’n’Roll und die Akustische in der Hand. Ergänzt werden sowohl Drama als auch Humor. Besonders das Doppel-Album mit seinen Remixen (oder besser gesagt: Bearbeitungen) überzeugt auf ganzer Länge.

 

8. Hunx and his Punx – Street Punk

Queerness mit Kirmes-Faktor: eine Mischung aus Bubblegum-Pop, Buddy Holly, Riot Grrrl, The Ramones, Blondie und Streetpunk. Das daraus entstehende Gefühl, noch mal fünfzehn sein zu wollen, wird aufgrund der völlig angepissten Texte gleich wieder ausradiert. Das Gegenteil von Woodkid.

 

9. Savages – Silence Yourself

Der Hype ist berechtigt. Selten so ein kraftvolles und spannendes Debut erlebt. Joy Division, The Wire und Siouxsie stehen Pate. Das Beschreiben von Politik, Emanzipation, kaputten Gesellschaften und der daraus resultierenden Probleme und Verhaltensweisen ergeben mit erstklassiger Bühnen-Präsenz einen Soundtrack zum hoffentlich doch noch nicht stattfindenden Untergang.

 

10. Kommando Sonne_nmilch – You pay I fuck

Die nächste Jensen-Band ist zu Grabe getragen und am Schluss gibt es ein Album mit vielen Sachen, die Deutschpunk schön und gut erscheinen lassen: im Himmel hängende Wipers-Gitarren, spannende und leicht kryptische Texte mit Schrei-Gesang und schiefen Ohrwürmern, die sich bei aller Genialität wie zufällig aus dem Ärmel geschüttelt anfühlen.

 

Top 3 Postrock-Alben

1. My Education: A drink for me and all my friends
2. Ef: Ceremonies
3. Sigur Rós: Kveikur
Top 3 Konzerte

1. Pet Shop Boys, Berlin Festival
2. My Bloody Valentine, Berlin Festival
3. A place to bury strangers, Lido

 

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