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2014 ist irgendwie wieder eines der Jahre, in denen ich wahnsinnig viel mit Musik zu tun hatte, aber irgendwie wahnsinnig wenige aktuellen Alben gehört habe. Daher sind die folgenden Alben einerseits diejenigen, die eine herausragende Qualität besitzen, andererseits aber auch überhaupt die wenigen, die ich dieses Jahr gehört habe. Das macht’s aber auch wiederum ein wenig einfacher. Müsste ich eine Konzert-Top-Ten zusammensuchen, wüsste ich nicht, wo ich anfangen müsste. Nur so viel: Amenra wären dreimal auf den ersten vier Plätzen.

Top 10:

10. Royal Blood – Royal Blood
Hier gibt’s nicht viel zu sagen. Fette Musik, interessanteste Zweimannband in den Charts seit den White Stripes.

9. Pink Floyd – The Endless River
Gewinnt definitiv den Preis für „anspruchsvollste, gehypeteste B-Seiten-Compilation des Jahres“. Gute Musik, schöner Rückblick, aber definitiv kein neues Pink Floyd-Studioalbum.

8.     ⃝ – When Plants turn into stone
Ein wunderschönes Album der Aachener, das beim ersten Hören zwar ein wenig unterfordert, den Hörer aber spätestens beim dritten Anlauf in seinen Bann zieht.

7. Old Man Gloom – Ape Of God
Super Publicity-Stunt. Eigentlich nur auf dieser Liste, damit ich bei Platz 1 darauf zurückkommen kann.

6. Fjørt – D’accord
Nicht mal unbedingt auf dieser Liste, weil es musikalisch so großartig ist oder man unbedingt Fan dieser Band sein müsste. Die Leistung, massenkompatiblen und dazu noch deutschsprachigen Post-Hardcore, für den man sich als Hörer nicht schämen muss, unter die Menschen zu bringen, muss aber definitiv honoriert werden.

5. Jack White – Lazaretto
Man kann durchaus anmerken, dass Jack White langweilig wird. Kann sogar stimmen. Der Third Man-Kopf hat aber noch genug Potenzial, dass das, was rauskommt, wenn er sich erneut selbst reproduziert, kurzweilig und anspruchsvoll daherkommt.

4. Dance With The Dead – Send the Signal
Futuresynth wie er (fast) sein muss. Auf „Send the Signal“ nähern sich Dance With The Dead noch stärker an das tanzbare Vorbild Kavinsky (und Daft Punk zur Zeit von „Robot Rock“, nur ohne Vocoder) an und klingen dadurch leider ein wenig beliebig; trotzdem liefert dieses Album ganz großes 80ies-Kino. Muss nur mal einer die ganzen passenden Filme zu diesen Soundtracks drehen.

3. Mogwai – Rave Tapes
Mogwai mal wieder: Schon wieder was ganz anderes, mit mehr als nur einer hochgezogenenen Augenbraue angehört, aber nach mehrfachem Hören und besonders live durchaus überzeugend. Wenige Soundwände, viel Elektronikgespiele. Gut.

2. Mono – The Last Dawn/Mono – Rays Of Darkness
Mono finden den Weg vom eher ‚meh‘-klingenden For My Parents zurück zu alter Größe und beweisen, dass ihnen die Füße noch nicht eingeschlafen sind. Gänsehautmelodien und episch-ausufernde Songstrukturen kehren hier in von Mono gewohnter Klanggewalt zurück – noch dazu auf einem Doppelrelease mit zwei parallel erscheinenden Alben, dessen einzelne Alben für sich genommen schon eine Klasse für sich darstellen.

Doch was kann besser sein als die Könige des Postrockepos?

1. Haftbefehl – Russisch Roulette
Wenn ein Album dieses Jahr den Platz 1 auf einer Jahresbestenliste verdient hat, dann ist es wohl Haftbefehls in jeder Hinsicht bemerkenswertes ›Russisch Roulette‹ – musikalische Qualität hat damit natürlich wenig zu tun. Stattdessen muss gelobt werden, wie unnachgiebig Universal scheinbar bei der Promotion war, dass nicht nur die hip-ironische Musikpresse (Hallo, Noisey!) ein Album in den höchsten Tönen lobte, dem das gesunde menschliche Ohr lieber einen rostigen Nagel in den eigenen Gehörgang gehämmert vorziehen würde, sondern auch das Feuilleton diverser eigentlich ernstzunehmender Zeitungen. Klar, die Beats sind teils nicht von schlechten Eltern, die Texte haben teils ihren stilistischen Reiz – aber alles, was zwischen ›jemand schreibt den Text‹ und ›ich höre und verstehe ihn‹ liegt, ist hart an der Schmerzgrenze. Haftbefehl mag durchaus auch ein guter, authentischer Geschichtenerzähler sein, aber selbst dem begabtesten Märchenonkel hören die Enkel nicht zu, wenn er ihnen gleichzeitig akustisch in den Kakao kotzt. Eigentlich denke ich immer noch, dass auch Haftbefehl einen auf Old Man Gloom macht, den Musikjournalismus verarscht und nach dieser Grütze dann auch irgendwann mal das richtige Album veröffentlicht. Klar, dem übergewichtigen Kind, nein, dem übergewichtigen und nur noch aus einem Torso bestehenden blinden Kind applaudiert man im Sportunterricht auch noch, wenn es beim 200-Meter-Lauf als letzter ins Ziel kommt. ›Achtungserfolg‹, ›er hat es versucht‹, ›dabeisein ist alles‹ und so. Aber wenn dann auf einmal jeder so tut, als wär er als erster ins Ziel gekommen und der Sportteil von FAZ und SZ dem Leser auf einmal weissmachen will, Laufen ginge ohne Arme und Beine weitaus besser, nur weil Mama und Papa dieses Jahr im Förderverein sind, läuft möglicherweise etwas falsch.
http://soundcloud.com/nyzeez/haftbefehl-ich-rolle-mit-meim-besten-feat-marteria

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