Vinyl immer portofrei bei jpc.de

Top Alben


2017 war für mich ein musikalisch etwas reduziertes Jahr, auch weil einige meiner Favoriten 2016 neues Material herausgebracht hatten und nun mal eine etwas ruhigere Kugel schoben. Meine Top-Alben in alphabetischer Reihenfolge:

David Gilmour – Live At Pompeii

David Gilmours Alben spalten die Fangemeinde – die Pink-Floyd-Fangemeinde. Vielen ist Gilmour solo zu konventionell. Aber Pink Floyd sind nun einmal Geschichte und Pink Floyd waren eben mindestens Gilmour, Mason und Wright. Diese Live-Box auf 4 LPs dürfte jedoch versöhnen. Neben dem in mehrfacher Hinsicht geschichtsträchtigen Veranstaltungsort, dessen Atmosphäre zu spüren ist, erfreuen eine hervorragende Leistung aller Beteiligten und eine Maßstäbe setzende Produktion. Neuere Stücke gewinnen deutlich durch die Live-Energie und auch die Klassiker sind frisch. Gänsehaut ist garantiert.

MUCC – Myakuhaku

Was sich mit dem Vorgängeralbum schon ankündigte, führte sich weiter. Nach einigen mehr oder weniger gelungenen elektronischen Spielereien und Ausflügen in den Mainstream besann sich die japanische Band zum 20-jährigen Bestehen wieder mehr auf ihre Wurzeln. Ihr sehr eigener Sound mit einer Mischung aus eher düster-melancholischem (Thrash) Metal, Rock, Punk, Ska, Pop, Rock‘n‘Roll und noch anderen Dingen – gern auch wechselnd oder gemischt im gleichen Stück – mit oft melodischem, hymnischen Gesang hat wieder deutlich mehr Gewicht. Vielen Fans standen die Tränen der Freude in den Augen, manche sprechen vom besten Album seit 2006. Wie auch immer, ich liebe es. Mein Album des Jahres. Schön auch, das es als erstes Album der Band auf Vinyl erhältlich ist.

Scatterwound – 0.0
Vielen kennen die Gitarristen Hellmut Neidhardt und Dirk Serries für Werke aus dem Bereich Ambient und Drone, die eher etwas schwebendes haben. Drone ist das hier auch, aber die beiden lassen es krachen, äh, dröhnen. Meine Güte, war das ein Auftritt beim Moving Noises Festival.

SikTh ‎– The Future in Whose Eyes?

Nach langer Pause von 10 Jahren und einer EP sorgten die Pioniere des Mathcore und Djent für eine Überraschung mit einem neuen Album und neuem zweiten Sänger. Das ist durchgeknallt, aber dank der Kombination von Elementen aus verschiedenen Genres frisch und von äußerst präzisem Zusammenspiel geprägt. Einerseits die volle Breitseite, andererseits hochkomplex. Der SikTh-Neuling leidet erst einmal an Reizüberflutung, aber findet genug Anknüpfungspunkte, um den Faden aufzunehmen oder wiederzufinden und Zugang zu finden. Nein, diese Jungs haben nichts verlernt.

Sóley – Endless Summer

Nach zwei Alben und mehreren Eps, auf denen sich die islandische Künstlerin in einer dunklen, meist karg wirkenden Mischung von Elementen aus Folk, Rock, Electronic und Experimentellem viel mit eigenen und anderen Dämonen beschäftigte, geriet dieses Album deutlich heller. Die Arrangements opulenter, textlich zuversichtlicher mit eher dem Leben als Alpträumen als Zentrum, bleibt es jedoch nicht ohne dunkle Ecken und melancholische Tupfer. Happy-go-lucky ist nicht zu befürchten, der Sommer ist eben ein isländischer.

thisquietarmy – Métamorphose und Democracy Of Dust

Thisquietarmy beglückte die Fans seiner höchst eigenen Mischung aus Ambient, Drone, Post Rock, Shoegaze, Metal und wer weiß noch was dieses Jahr gleich mit zwei Alben, die unterschiedlich ausgerichtet sind. Während Democracy Of Dust stärker offensichtliche Synthesizer-Klänge und auch Beats einsetzt und einen etwas krautigen Charakter annimmt, fließt Métamorphose deutlich mehr auf der Drone-Seite dahin, mal schwebend, mal bedrohlich.

Métamorphose by thisquietarmy


Auch super:

Janek Sprachta ‎– Grow
Irgendwo zwischen Ambient, Modern Classical und Post Rock. Hat mich live als One-Man-Show nicht so mitgerissen, aber das Album ist gut.

Kleefstra|Bakker|Kleefstra – Dize
Ambient / Drone plus Spoken Word auf Friesisch. Härter als bei Piitpsjilling, aber von ähnlicher Faszination.

MMTH – Paternoster
Laut Band instrumentaler Post Rock, der aber stark von Einflüssen aus Alternative und Progressive Rock geprägt ist und viele Post-Rock-Standards vermeidet.

Tangerine Dream – Quantum Gate
Gelungene Nachlassverwaltung mit eigener Identität. Der alte Meister Froese dürfte zufrieden lächeln.

The Star Pillow – Invisible Summer
Sehr fließende Ambient- und Drone-Sounds aus Italien. Auch live sehr zu empfehlen!

Vlimmer – IIIIIIII & IIIIIIIII (8 & 9)
Multi-instrumentalist mit eklektischer Stilmischung aus Gothic, Shoegaze, Drone, Wave und was weiß ich noch. Meist mit sehr gedehnten Gesangsmelodien und sehr kühl, aber auf jeder EP der Serie wieder anders. Diese Male auch mal tanzbar oder fast poppig.


Nachzügler aus 2016:

Dakota Suite & Vampillia – The Sea Is Never Full
Elegisches Modern Classical Werk der beiden Bands unter dem Eindruck der Tsunamikatastrophe. Eine Reise durch verwüstete Lande und Emotionen. Hervorragend.

Paul Roland – White Zombie
Schickes Album des englischen Singer/Songwriter, den manche auch den Godfather of Steampunk nennen. Wie üblich geht es in seinen Geschichten nicht so ganz mit rechten Dingen zu.


Enttäuschung des Jahres:

Blackfield – V
Was hatte ich mich gefreut, als dieses Album angekündigt wurde und es hieß, Steven Wilson sei nun wieder maßgeblich mit beteiligt. Die Erwartungen waren zugegebenermaßen sehr hoch. Das Ergebnis ist produktionstechnisch hervorragend, reißt die Latte inhaltlich aber leider und ist sehr durchwachsen. Einigen schönen Tracks stehen auch eher belanglose und sogar kitschige gegenüber, und vieles wirkt zu kurz. Schade.


Starker Abgang:

Deep Purple – Infinite
Deep Purple ist bis auf eine überschaubare Anzahl von Stücken wie Child In Time nie so meins gewesen. Auch kann man sich darüber streiten, ob es so gut war, Bob Ezrin bis an den Rand der Selbstaufgabe so viel Macht zu übertragen. Dennoch: Mit diesem Album liefern die alten Recken einen starken Abgang ab. Dieser ist musikalisch geschlossen, mit einem schönen Verhältnis zwischen Gitarre und Orgel. Textlich zelebriert man genüsslich Rock-Klischees und wird auch mal ernst.


Top Konzert:

Moving Noises Festival, Christuskirche Bochum, 04.02.2017
Sieben Interpreten in sieben Stunden. Zur Neuauflage ihres Moving Noises Festivals trommelten Midira Records aus Essen Aidan Baker & Karen Willems, [ B O L T ], Nadja, Scatterwound, Janek Sprachta, Unland und Zenjungle zusammen. Die letzte Ausgabe des Festivals war für mich eine Art Erweckungserlebnis im Hinblick auf diese Art von Musik. Diese Ausgabe war gewiss nicht schlechter und einen Freund, der mitgekommen war, hat es nun auch erwischt. Insbesondere [ B O L T ] (Jungs, ihr solltet eure Schreibweise vereinfachen!), Scatterwound und Unland waren überragend. Nadja hatten etwas mit der Akustik zu kämpfen und Zenjungle hat meine Abneigung gegen das Saxophon deutlich abgebaut. Beim nächsten Mal werde ich wieder dabei sein.


Hab ich noch nicht, will ich aber:

  • Grift – Arvet: Folk-lastiger Black Metal mit toller Stimmung. Leider nur etwas kurz.
  • Heaven In Her Arms – White Halo: Mix aus Hardcore, Black Metal und Post Rock mit Gebrülle auf Japanisch. Wer Envy mag, dem könnte das gefallen.
  • Himmelsrandt – 4 Moments & Rain: Mit Klassik stehe ich eigentlich eher auf Kriegsfuß, aber diese zeitgenössische Variante ist großartig. Hier geht aber auch nicht um maximale Ziselierung, sondern um Stimmungen.
  • The Tear Garden – The Brown Acid Caveat: Erstes vollständiges Album seit langem.
  • World’s End Girlfriend – Last Waltz: Glitch, Modern Classical, Post Rock, Abstract, Experimental aus Japan. Dieses Jahr auch auf Vinyl.
Lade mehr von Christian Hennecke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Auch Interessant

Man gab mir soeben das Geschenk meines Lebens! – ARD hat sämtliche Rockpalast-Mitschnitte der Tocos online gestellt

Passend zum 25-jährigen der Tocos pflegt die ARD Rockpalast Live-Mitschnitte aus 10 Jahren…