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Top 10


1. Fjørt – Couleur

Ich habe lange nicht mehr nicht mehr ein Album gehört, bei dem ich eine dermaßen dauerhafte Gänsehaut hatte und bei jedem neuen Anlauf immer wieder bekomme. Alles an diesem Album ist nahezu perfekt. Diese Melodien, die eindringlich vorgetragenen Texte, diese Aktualität, die spielerische Raffinesse (Wir reden von drei Musikern), diese völlige Hingabe. Fjørt sind in meinen Augen das Beste, was es an moderner deutschsprachiger Musik gibt.

2. BOG – Unshriven

Aus einem Ein-Mann-Projekt ist eine Band geworden. Durch Zufall bin ich auf dieses Album gestoßen und wurde von den beiden Geschichten, die hier erzählt werden, völlig mitgerissen. Das Album ist eine Achterbahnfahrt an Emotionen und nach den über 70 Minuten, die nie langweilig werden, war ich völlig fertig. Post Metal kann mit der richtigen Story fordernd, aber auch wunderschön und todtraurig sein.

3. Amenra – Mass VI

Fünf Jahre sind seit dem letzten Album vergangen. Die Wartezeit hat sich gelohnt. Amenra schaffen es erneut eine spirituelle Atmosphäre aufkommen zu lassen, bei der man den Kampf Gut gegen Böse nachfühlen kann. Die Songs sind in sich stimmig und Fronter Colin hat einen unglaublichen Sprung nach Vorne gemacht. Amenra sind krass und leben ihre Art des Post Metal authentisch.

4. Rosetta – Utopioid

Rosetta haben sich als Quintett gefunden und kredenzen mit ihrem neuen, komplett in Eigenregie veröffentlichtem Album eine kleine Lehrstunde in Sachen atmosphärischem Post Metal. Die Melodien verlieren sich in die Unendlichkeit, die Produktion klingt warm und organisch und die Songs machen einfach nur Spaß. Das ist gelebte DIY-Attitüde.

5. Employed To Serve – The Warmth Of A Dying Sun

Unglaublich wie viel Wut in einer Scheibe stecken kann. Employed To Serve gehören zu einer jungen Generation Engländer, die mit dem Brexit irgendwie zurechtkommen müssen und verpacken diese Emotionen in großartigen chaotischen Hardcore, der sich auch Zeit für ruhige Momente lässt, aber nur, um den Hörer wieder an der Kehle zu packen und mit zu reißen. Und auf den Frauenbonus ist geschissen.

6. Cloakroom – Time Well

Schwermut klingt in diesem Jahr genau so. Mit ihrem dritten Album, diesmal auf dem Krachlabel Relapse Records, schaffen es Cloakroom endgültig ihren eigenen Stil zu perfektionieren. Die Songs sind lang, aber reißen einen wirklich mit in diese bitter-süße Melancholie. Toll, was diese drei Menschen mit ihren Instrumenten mit minimalem technischen Aufwand geschaffen haben. „Time Well“ ist eine Scheibe, die optimal bei einer Flasche Wein genossen wird.

7. Slowdive – Slowdive

Auch nach über 20 Jahren seit dem letzten Album zeigen die Engländer, wie man Shoegaze in Perfektion spielt. Die selbstbetitelte Scheibe ist eine gute Kombination aus der eher elektronischen Phase und den Gitarren-orientierten Anfängen. Alles passt, die Gitarren werden bis zum Maximum durch die Effektboards gejagt, die Rhythmusfraktion zeigt sich perfekt auf einander eingespielt und der Gesang harmoniert großartig miteinander. Waren das wirklich so viele Jahre?

8. Der Weg Einer Freiheit – Finisterre

Black Metal, dieser Begriff lässt viele immer noch erschaudern. Klar ist gerade die zweite Welle an Bands Anfang der 90er prägend gewesen. Diese Band aus Würzburg hat mittlerweile des öfteren unter Beweis gestellt, wie man diesen Stil modern interpretieren kann, ohne die Wurzeln zu vernachlässigen. Technisch erhaben dank des atemberaubendem Drummings, atmosphärisch fesselnd und lyrisch mitreißend schaffen es Der Weg einer Freiheit dieses Jahr andere Veröffentlichungen in diesem Genre in den Schatten zu stellen.

9. Set and Setting – Reflectionless

Mittlerweile ist das Genre Post-Rock wirklich übersättigt. Alteinessgene Bands haben diese Richtung in Sphären gebracht, die kaum noch zu toppen sind. Und dann kommen diese Australier, die mit ihrem dritten Album alles umkrempeln. Unglaublich, was zwei Schlagzeuger reißen können. Diese Energie nimmt einen absolut mit. Das Quintett kombiniert wunderschöne Melodien mit treibenden Riffs und klingt dabei auch noch so entspannt wie ein Tag am Strand von Sydney.

10. Converge – The Dusk In Us

Seit Ewigkeiten überraschen Converge immer wieder die Hörer. Mich persönlich hat das aktuelle Werk etwas enttäuscht. Nach der emotionalen Achterbahnfahrt „AWLWLB“ habe ich scheinbar zu viel erwartet. Wo sind die Emotionen? Wo der Nihilismus? Wo diese völlige Hingabe? „The Dusk In Us“ zeigt 95% aller anderen Bands in dem Genre, wo der Hammer hängt, technisch wie immer grandios, aber irgendwie hat es für mich ganz abgeholt.


Erwähnenswert, ohne Reihenfolge:

Antarktis – Illdaante
Toller skandinavischer Post Metal, der immer spannend bleibt.

Dool – Here Now There Then
Anspruchsvolle Post Punk, der düster und perfekt umgesetzt ist…

Glassjaw – Material Control
Die Rückkehr einer der genialsten Post Hardcore-Bands. Dieser Basssound alleine…

Heaven in Her Arms – White Halo
Japanische Melancholie mit Blastbeats, die mitreißt…

Hundredth – Rare
Vom Hardcore zu atmosphärischen Rock… Und es passt…

Idylls – The Barn
Wer auf Converge, aber auch auf den ursprünglichen Sound von Black Flag steht, ist hier genau richtig aufgehoben. Ach ja, und ein Saxophon ist auch dabei…

Kalamata – Disruption
Psychedelischer Stoner-Rock, der immer wieder den Post-Rock streift, aber voll in Wüstensounds verwurzelt ist…

Pissed Jeans – Why Love Now
Erdiger Hardcore Punk, der den Spirit der großen 80er Nihilismus-Front in die Neuzeit bringt und immer ein Augenzwinkern bereit hält…

Spotlights – Seismic
Großartige Mischung aus Sludge und Shoegaze…

The National – Sleep Well Beast
Auf die Dessner-Brüder ist Verlass. Tolles Album…


Festivalbesuch 2017:

Krach am Bach 04.08.17 – 06.08.17 in Beelen, NRW

Es ist immer wieder schön, diesen Acker im Münsterland zu besuchen. Das Festival, welches aus einem karitativen Gedanken entstanden ist, ist ein Granat für außergewöhnliche Bands. Alles passt, die Auswahl an Bands, die Spielzeiten (keine Überschneidungen), die Größe des Festivals (ca. 2000 Besucher), die Preise, der Sound, die Atmosphäre…
Hier kann ich dem Veranstalter Klaus und seinen Helfern (schon genial, wenn man von den Bewohnern des Dorfes Frühstück serviert bekommt) nur mein größtes Kompliment aussprechen…

Bands, die mich dieses Jahr auf dem KramBa umgehauen haben:

King Buffalo aus Rochester, NY, USA
Feiner Psychodelic Stoner Rock…

The Brew aus Grimsby, UK
Vater und Sohn an der Rhythmusfraktion mit einem großartigen Fronter, die den Blues Rock leben…

Glasgow Coma Scale aus Frankfurt, Main, DE
Post-Rock, der nichts vermissen lässt…

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