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Haegis Top 12 2019

Meine für diese Auswahl zusammengetragenen und mir selbst auferlegten Doktrinen besagen z.B.,

  • dass ich versuche für die TOPs wirklich nur VÖs in Betracht zu ziehen, die in dem besagten Jahr erschienen sind.
  • es sollten VÖs in entsprechender Länge sein, eine Single oder EP reicht im Grunde genommen nicht aus (ausser sie ist brilliant).
  • genauso gilt es, eine Wiederholung von Künstlern zu vermeiden, um eine breitverzweigtere Möglichkeitsstruktur zu bieten, als immer wieder diesselben tollmusiziernden Tausendsassas zu verbreiten, egal wie gut die sind (ab einem gewissen Level setze ich durchaus schon eine damit koheränte Popularität vorraus)
  • es einen interessanten Querschnitt meiner Hörgewohnheiten bietet, eine ausgewogene Mischung verschiedenster Stilrichtungen erfasst und nicht nur eine Schublade bedient Sicherlich gibt es auch immer Ausnahmen, aber selbstgemacht Regeln sind ja gewisser Weise dazu da, um mit ihnen zu brechen. Eine klare Reihenfolge nach Wettbewerbsmanier gibt es nicht, es ist immer schon schwer genug aus der Masse von Veröffentlichungen das für sich Beste zu destillieren.
  • um mich selbst zu limitieren, gewähre ich nur Alben Zutritt zum Auswahlzirkel, die ich physisch als Vinyl-Veröffentlichung vorliegen habe. Mit denen ich mich direkt, haptisch und soundtechnisch angemessen befassen kann. Keine Mp3s. Keine CDs.

The Black Heart Death Cult – The Black Heart Death Cult

Ein weiteres Jahr ohne schwarze Engel. Zum Glück gibt es diese feine Sekte hier. Nicht die leichteste Aufgabe, mit einem gleich am Anfang des Jahres erscheinenden Album das ganze Jahr über präsent zu bleiben.

Mit ihrem zeitlosen Wave-Surf-Angel-Lahs-Swirl-Psychedelic erhellt und erwärmt dieser Melbourner Todeskult über alle vier Jahreszeiten. So düster der Bandname auch scheinen mag, die Choräle und Gebets-Lieder dieser Glaubensgemeinschaft klingen feinerweise alles andere als würden mordlüsterne Nihilisten mit Todeswunsch musizieren. Mit Setting Sun und She’s a Believer schmilzen Frost und Schnee in der dargebotenen schillernden Psychedelia. Black Rainbow beschwört den verschlagenen, nebelverhangenen, deprimierenden Märzen. Während im Herzen die Magic Lamp den wechselhaften Monat apriliert und auch neue Möglichkeiten offeriert. Plötzlich ist es heiss. Sehr. Backofen. Herzlich Willkommen und ein Aloha from Hell. Kanadier bestaunen die nächste Jahreszeit als Indian Summer. Down Under erfreuen sich die Australier an der Rainbow Machine. Deutsche sagen schlicht Herbst. Ihrem eigenen Kosmos gehorchend erscheinen vor dem Fest der Liebe (We love you) noch sieben Götter, hervorgerufen durch den Traumstrahl des Davidian. Da soll mal noch einer sagen, alternative Religionen hätten keine interessanten Geschichten am Start.

Irgendeine Gemeinsamkeit an Einflüssen, welcher Art auch immer, scheint sich jedoch dort unten am anderen Ende der Weltkugel zu bündeln. Australien, ein hochpsychedelisches Archipel. Immerhin beherbergt diese Insel, die gar ein Kontinent ist, eine königliche High-Five dieser Neo-Psychedelic Schwergewichte. Klingt unglaubwürdig?

King Gizzard & The Lizard Wizard. Psychedelic Porn Crumpets. Tame Impala. The Murlocs. Comacozer

Macht mal fein so weiter da unten. Wir hören gespannt-entspannt zu.

The Cosmonauts – Star 69

Ach ja. Die Cosmonauts. Seit 2010 treiben diese Beiden schon ihr Unwesen.
Spätestens seit 2012 mit der als Inbegriff von Teenage-Angst gestellten Ansage If You Wanna Die Then I Wanna Die haben sich diese Zwei in mein Herz geschrammelt. Noch mächtig hektisch fuzzend und gebiets-absteckend.

2013 erklärten sie sich zur Persona Non Grata, gehüllt in schillerndere Riffs, welche die zukünftige Marschrichtung dank Handclaps und Glam-Spritzern schon erahnen liess. Letztendlich fanden sie mit A-OK! zu ihrer derzeitigen Karnation. Echoes, Fuzz und psychedelic Schmoove haben sie sich weiterhin bewahrt, nun jedoch hörbar entspannter, gelegentlich gar mit subtilen Bläsern im Hintergrund. Ungelenken Hörgewohnheiten erscheint dieser Zirkus als undifferenziert oder gar beliebig. Besonders der geschnodderte Gesang mag Gleichgültigkeit oder Egalität vortäuschen. Doch diese gestrandeten Sternenfahrer haben ihr Exil in der kalifornischen Sonne gewählt. Wie arg angepisst kann man da schon wirklich sein?

„Are we clear, are we crystal. Do you feel me. In your System?“

Daddy Long Legs – Lowdown Ways

Dieses Trio tauchte in meiner facebook-Timeline auf, nachdem ich mich letztes Jahr an meiner Pinnwand darüber beschwerte, daß mir niemand Bescheid gesagt hatte, daß mit The Dead South und ihrem Knaller-Debut Good Company seit 2014 eine formidable Country-Rock-Truppe um die Welt zieht, die es durchaus mit dem Vibe meines heiss-geliebten Oh Brother, Where Art Thou-Soundtracks aufnehmen konnte.

Plötzlich war da dieser Video-Teaser mit Albumankündigung, der simpel-stampfende Prediger-Blues mit schroffer Harp hat mich sofort abgeholt und eine Vorbestellung wurde getätigt.

Was dann im Mai im Briefkasten und kurz darauf auf dem Plattenteller landete, hielt mehr als es versprochen hatte. Im musikalischen Vorgehen deutlich derber als oben Genannte, aber auch umso mitreißender. Die A-Seite reiht Hit an Hit und ist gepflastert mit schmissigen Rhythmen. Musik zum Mitmachen. Howls, Handclaps, Harps and Hounds. Arschwackeln! Ellenbogen raus!

Eine Recherche bezüglich Daddy Long Legs bescheinigt diese mit einer Historie seit 2010 (erste 7”) und einer Diskografie, die fünf Alben aufweist, wovon das erste anscheinend eine Kollaboration mit einem Crooner namens T. Valentine ist, wobei die Truppe eher als Backing-Band agiert. Vinyltechnisch sind die anderen Alben Evil Eye On You, Rides Tonight – Recorded Live! eher moderat zu bekommen. Ich arbeite dran…

Night Beats – Myth of a Man
Night Beats – Night Beats play The Sonics Boom

Ausgefeilte Geschichte. Oha. Danny Lee Blackwell, James Traeger, Tarek Wegner traten erstmals als Night Beats 2010 mit der H-Bomb EP (schwer zu ergattern) in Erhörung und Erscheinung. Legten schnell das Selbstbetitelte Debut 2011 nach und rumpelten sich quer durch die Psychedelic-Garage. Geografisch mit der Ansiedlung in Seattle, Washington zwar weit entfernt von Austin, teilt sich jedoch die Truppe die musikalische Gesinnung mit der Keimzelle der NeoNeoPsychedelic, tief im Herzen von Texas.

Christian Bland von den seit 2006 in Austin beheimateten The Black Angels debütierte 2010 mit seinen Revelators auf dem eigens erschaffenen Label The Reverberation Appreciation Society mit Lost Album. Mittlerweile schreiben wir 2020 und diese Szene hat Ableger in der ganzen Welt und feiert ihre Lieblinge jährlich auf diversen Festivals: Levitation Austin, Levitation France, Levitation Chicago, and Levitation Vancouver. Uhäp. Zurück zum Thema. Mit Ihrem zweiten Album Sonic Bloom (2013) auf TRAS vollzogen sie dann auch den Schulterschluss zu ihren südlichen Musikgenossen. Sinnen. Da gibt es Nugget Compilations, die wirken weniger authentisch. Sowieso geil, wie man diesen nostalgischen Schepper-Sound produzieren kann, aber gleichzeitig hypermoderne Aufnahme-Technik nutzt. Garage war noch nie so klar.

2016 lieferte dann Danny Lee Blackwell Who sold my Generation. Tarek Wegner scheidet aus, an seiner Stelle am Bass: Robert Levon Been, seines Zeichens tiefschwarzer Lederjackenträger beim BRMC, dennoch bereit auszuhelfen. Hier ist schon eine Richtung zur Mythoswerdung zu erhören. Nicht mehr so viel Geschepper, aber viel Ohrenmerk auf die variable, tanzende Stimme, die seit jeher Night Beats ausgemacht hatte.

Dachte wohl auch Danny selbst, trennte sich letztendlich sogar von seinem langjährigen Weggefährten und Schlagzeuger James Traeger und kontaktierte Dan Auerbach.

Wir bekommen: Myth Of A Man. Bam. Weg mit Garage. Weg mit Dreck. Weg mit Psyche-Geschepper. Hier: der Crooner Lee Blackwell, auf dem Cover als Mann im auffällig kolorierten Anzug aber im Dunkeln verschwindendem Gesicht. Dan Auerbach (der hier auch später noch ein weiteres Mal auftaucht, von wegen Popularität und so, jaja) hüllt Blackwell in ein fiebriges Raunen aus Pop ein. Rockig, kitschig. DAS wäre doch mal wirklich tolle Radiomusik. (Vielleicht hatte Alex Turner mit seinen Arctic Monkeys etwas ähnlich Tolles geplant, leider wurde daraus nur gepflegte Langeweile im BARdemantel ;))

Es ist absolut nachvollziehbar, dass die Liebhaber des alten Night Beats-Sounds diesen Schritt nicht mitgehen. Mir gefällt das außerordentlich gut. Sehr.

Auch hatte der Herr Zeit das Album Boom der legendären Sonics mit einer veritablen Backing-Band NeoNeoPsychedelic zu interpretieren. BOY. What a Sause. Auch hier kein Zeichen mehr von seinen ehemaligen Langzeitweggefährten. Tolle Hommage, und natürlich passt die Rolle der Frontsau bestens zu Blackwell und seine Screams stehen denen eines Gerry Roslie in keinster Weise nach.

Psychedelic Porn CrumpetsAnd Now For The Whatchamacallit
Psychedelic Porn Crumpets – High Visceral

Und ein weiterer heisser Export vom 5. Kontinent. Durch Streifzüge und Verknüpfungen landete ich vor einiger Zeit auf einem Video, welches High Visceral in ganzer Länge beinhaltete… was ich da hörte weckte mein Interesse. Sehr. Stark. Das war zeitgenössischer Psychedelic, wie er im Buche stehen sollte. Ein Blick auf die Diskographie dieser vielköpfigen Truppe aus Perth, Australien brachte umgehend Ernüchterung. Die in Kleinstauflagen erschienenen, meist kunterbunten Veröffentlichungen sind rar, begehrt und dementsprechend unlustig hoch bepreist. Verschiedenste Nachpressungen und auch Kompilationen von High Visceral Pt. 1 & 2 können die Nachfrage nicht ausreichend decken. Noch bevor ich erfolgreich kurz vor Redaktionsschluss endlich ein Exemplar ergattere, bzw. ehrlich verdiene, schieben die Australier And now for the Watchmacallit ins Rennen.

Sobald ich erfuhr, daß die Herren auf dem Krach am Bach 2019 sein werden, stellte ich mich als Freelance-Mercher zur Verfügung, mit der Hoffnung nun die begehrten Scheiben durch Arbeit zu bekommen. Näher dran geht nicht. Lediglich Watchmacallit und High Visceral Pt. 2 war mit an Bord. Und ich musste noch bis November und dem zweiten Mal Merchverkauf für die Jungs abwarten um wirklich BEIDE Teile mein Eigen nennen zu können.

Vielleicht darf man dem aktuellen Album vorwerfen allgemein etwas homogener und abgeklärter zu Werke zu gehen, als bei den beiden ungestümeren Vorgängern. Beibehalten wurden jedoch die herrlichen beatleesken Rhythmisierungen und Gesangsmelodien, sowie das eindeutige Händchen für schmissige Riffs und spleenige Verspieltheiten. Manchmal wähnt man sich auch inmitten eines actiongeladenen Trailers für den nächsten Grindhouse-Knaller (Hymn for a Droid). Wär bestimmt ein geiler Streifen. In meinen Ohren verquicken PPC Retro-Riffing mit einem antiquierten 90er-Alternative-Sound ohne dabei auch nur im Entferntesten angestaubt zu klingen.

The Raconteurs – Help us Stranger
The Black Keys – Let’s rock!

Aufgrund der Popularitätsklausel habe ich diese beiden Erscheinungen der Einfachheit halber auf einen Platz gesetzt.

In meinen Ohren pflegen beide Parteien durchaus einen ähnlichen Umgang mit Musik und deren Ausdrucksweise.

Während die Vielveröffentlicher The Black Keys sich eine halbe Dekade Zeit für ein neues Album nahmen (Dan Auerbach nutzte diese unter anderem für ein Solo-Album Waiting on a Song (2017) und Produzenten-Jobs (z.B. Nightbeats – Myth of a Man (2019)), hatten die Raconteurs-Recken eine ganze Dekade in die Welt streichen lassen, in denen sie sich anderen Dingen widmeten. Tausendsassa Mr. White hatte eine Zeitlang noch seine Stripes, zusätzlich The Dead Weather und veröffentlichte drei Solo-Alben, außerdem schmeißt er sein Label Third Man Records. Jack Lawrence auch zugehörig zu TDW und mit eigener Truppe namens The Greenhorns am Start. Brendan Benson fleissig Solo unterwegs.

Das BK-Depri-Debakel Turn Blue (2014), welches optisch so viel von psychdelischer Sause versprach und letztendlich nur eine geballte Ladung Trennungsschmerz auf Tonträger war, ist anscheinend verdaut und verarbeitet. Mit dem Opener Shine a Little Light von Let’s Rock durchbrechen sie frohgemut die Tristessen der Welt und versprühen wieder Lust am Leben und hauen gleich mal ein Megariff auf den Teller. Darüberhinaus beinhaltet der Raconteurs-Release witzigerweise den Song Shine the light on me. Zufall? Leider knickt die A-Seite nach fulminantem Opener und solidem Folgesong in zwar kräftige aber behäbige Nummern, die einen fast befürchten lassen, die schwarzen Schlüssel setzen wieder den El Camino an die Wand. Währenddessen haben die Rennfahrer Jack White & Co. ihre Rockballaden etwas geschickter platziert und gehen im allgemeinen wohlgewollt ruppiger zur Sache und befinden sich in punkto rockiger definitiv auf der Überholspur. Und beim Hören von Don’t Bother me machen auch endlich die Sample-Experimente von Whites Boarding House Reach (2018) irgendwie nachvollziehbarer.

Mit dem passend betitelten Get yourself together zur Selbstmotivation clap-rappeln sich die Keys wieder zusammen und shaken gleich danach das herrliche Sit around and miss you aus der Hüfte (dazu erwähnenswert: Raconteurs-B-Seite, Song 3: Now that You’re gone. Aha?). Dann geben sie auch endlich wieder richtig Gas und hauen Go in die Waagschale. Ooooohh-ooohhh-oohhhh-ooh-oh, was ein Refrain. Der Sommer ist da! Nach einem weiteren verhalteneren und einem auftreibendem positivem Liedchen beschließen sie die LP mit Fire walk with me so fulminant wie sie begonnen hatte. Irgendwie ziemlich clever. Somit hat man die beiden geilsten Songs doch irgendwie hintereinander, wenn man sofort wendet. Die rasanten Raconteurs nehmen lieber gemächlich Song für Song den Fuß vom Gaspedal und beenden hippie- und countryesk (eine ihrer versteckten Stärken, wenn man sie lässt, höre Bluegrass-Version von Top yourself) mit Thoughts & Prayers der leider weitaus trauriger ist, als er gemeinhin klingt.

Viele Worte kurzer Sinn. Am liebsten würde ich mir eine Zusammenstellung generieren, die meine bevorzugten Titel in einer sinnmachenden Reihenfolge kompiliert (auch z.B. die themenverwandten What Your’s Mine (RAC) und Under the Gun (BK) – oder Tell me lies (BK) und Live a Lie (RAC) – Somedays (I don’t feel like trying) (RAC Ende A-Seite) und Get yourself together (BK Anfang B-Seite)) – durch das Gemisch hätte ich dann die ultimative Rock’n Roll-Groove-Scheibe von 2019.

Desert Sessions 11 + 12

Hier aufgrund einer Popularitätsklausel oder dem Vorwurf Kohle scheffeln zu wollen, eine Berichterstattung zu verweigern wäre Schildbürgerstreichverhalten.

Als die Desert Sessions mit Vol I./II. Im Februar 1998 ihren Anfang nahmen, war alles enthalten, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Die legendäre und überwiegend instrumentale Zusammenkunft von Alfredo Hernadez, Brant Bjork, Ben Shepherd, Dave Catching, John McBain und natürlich Josh Homme (beide letzt genannten auch gerne an Tasteninstrumenten, soso.) wurde lediglich durch Pete Stahl bei zwei Songs mit Gesang bereichert. Mit Joshs Gesangseinlage bei Johnny the Boy haben wir es anscheinend schon mit einem Blueprint zu tun. Doch die Vergangenheit ist noch zu jung, um Kyuss schon abgeschüttelt zu haben.

Vol. III./IV. (Shepherd, Hernandez, McBain, Stahl, Catching, Goss, Lalli, Shepherd, Homme, & more) erschien direkt im Oktober des selben Jahres und schenkte mal voll ein. Aus einer Session im August offerierte Nova/Avon einen Ausblick auf das im September erschienene Debut-Album der Queens of the Stone Age (übrigens der Erzählung nach eine Beleidigung seitens Chris Goss an die Jungs, wenn die bekifften Hippie-Mucker Herrschaften KYUSS im Studio wieder mal zu sehr abspackten). Die durch die klare Namens-Vergabe der einzelnen Jam-Outfits können wir uns schon hier rückblickend über eine Aussicht auf die Eagles of Death Metal freuen, deren Jesse Hughes dort fleissig schrammelt. The Green Monarchs hingegen warfen schon ein Blick in die Kristallkugel, denn deren Monsters in the Parasol erschien erst 2000 auf dem zweiten Album Rated R der Queens.

Vol. V/VI aus September 1999 (Bjork, Lalli, Catching, Troutman, Homme, etc.) enthielt schon Like a Drug, welches erst 2005 auf Lullabies to Paralyze eine Reinkarnation erfuhr (wie ich gerade feststellen musste: krasserweise wirklich nur für Vinylkäufer. Gegenüber der eigentlichen Tracklist befindet sich dieser Track zwischen The Blood is Love und Skin on Skin. Echt anscheinend auf KEINER CD. GEIL.), sowie You Think I Ain’t Worth A Dollar… but I feel like a millionaire – DER Intro-Song vom bis daher stärksten QUOTSA-Output. SONGS FOR THE DEAF. Alter. Da durfte auch Nick Olivieri noch ordentlich mitzwirbeln.

Ich überspringe mal die Details Vol.VII/VIII von 2001, superheftig-gelungene Song-Jam-Sammlung, aber eher ein Highclass-Treffen der Rancho-De-La Luna-Allstars. Definitiv erwähnenswert erstmals dabei: Mark Lanegan und Alain Johannes. Lanegan beliess es bei einem Besuch.

Alain Johannes mischte ein zweites Mal 2003 bei Vol. IX/X mit. Der steigende Bekannt- und Beliebtheitsgrad von Hommes Hauptvehikel bescherte der Rancho auch einen illustreren Besucherkreis. Dean Ween, Twiggy Ramirez, Polly Jean Harvey, Josh Freeze, Joseph Castillo. Naja, wir schreiben ein Jahr nach SFTD. Da hat sogar Dave Grohl mitgemacht. Würd ich auch mal gucken wollen, was auf der Ranch so abgeht. Ging derbe ab, das Duett Homme/Harvey serviert den Schmacht-Rock-Fetzer I wanna make it with you. Königinnen-Klasse. Danach fragt man sich nicht mehr, woher denn plötzlich der Crooner-Style von Like… Clockwork oder Villains herkommt. Abgefahrenerweise erscheint eine Single-Auskopplung aus dieser Desert Session. Das gab es bis dato nicht. Seltsamerweise leider NICHT von eben genannten Indie-Hit sondern von Crawl Home. WÄH?

Die Königin der „Zeit-ins-Landstreichen-lassen“ hätten wir somit gefunden. Satte 16 Jahre später erschien nun im Oktober 2019 Desert Sessions 11/12. Was hat der Josh denn die ganzen Jahre gemacht?

Vier Alben mit QUOTSA (2005, 2007, 2013, 2017), eben mal mit Dave Grohl und John Paul Jones Them Crooked Vultures (2009) fliegen lassen, Karrierestarter für und später Mitmischer bei Jesse Hughes Eagles of Death Metal, Herzstillstand und Depression überstanden. Die Musik hat ihm geholfen, wieder ins Leben zurück zu finden. Schön daß er seine mit uns teilt.

Nun also Vorhang auf für: Billy Gibbons (ZZ Top), Les Claypool (Primus), Stella Mozgawa (Warpaint), Jake Shears (Scissor Sisters), Mike Kerr (Royal Blood), Carla Azar (Autolux, Jack White), Matt Sweeney (Chavez), David Catching (Mitbegründer des Studios Rancho De La Luna), Komiker Matt Berry (What We Do in the Shadows), Töôrnst Hülpft und Newcomerin Libby Grace. Wow.

Zwei Teile, jeweils vier Songs. Erschien die klassische DS-Reihe ausschliesslich in meinem Lieblingsformat 10“, bei Vol. 7/8 und 9/10 sogar als 2×10“-Gatefold. Herrlich. Kommt die neuzeitliche Version als flatsche 12“ daher, beheimatet in einem simplen Single-Sleeve. Ziemlich bunt bedruckt, OK. Die stabile Innenhülle ist ein überdimensionaler bedruckter LSD-Löschpapierbogen. Wenn du jetzt noch die richtige Edition geordert hast, ist Disneyland dein. Das zusätzlich dazugehörige „Mix & Match, Body Swap Booklet“ könnte vielleicht eine Erklärung für den unverschämt hohen Preis darstellen. Das in 7“-Format erstellte Booklet ist zusammengesetzt aus 9 quadratischen 6-seitigen Mini-Booklets, welche sich wild blätternd-durcheinander dann zu verschiedenen, lustigen Darstellungen formt. Wirkt unheimlich aufwändig in der Herstellungsweise, der praktische Nutzen, aus den flipsiflapsigen bedruckten Miniseiten etwas relevantes über den Inhalt des Tonträgers zu erfahren erschliesst sich mir nicht… lediglich die umseitige aufklappbare Rückseite hat wirklich ALLE Informationen parat.

Musikalisch? Jaha. Wer aufgepasst hat, wird nicht sonderlich überrascht sein, was da auf den Teller kommt. Die Hauptzutat Homme manifestiert sich in Riffs oder Strukturen, die für QUOTSA oder sogar die EODM zu weird wären. Und da sind einige klasse Nummern dabei. Außerdem nie zu vergessen: der absurde Humor, der heraufbeschworen wird, wenn man sich ein paar Tage mit einer Schar ausgewählter kreativer Menschen unter ein Dach, oder unter freien Wüstenhimmel um ein wenig Peyote zu mampfen, begibt und dann ausgelassen miteinander musiziert.

Ich sehe hier keine kapitalistischen Intentionen, sondern ein feines Zeitdokument erschaffen von Leuten, die zur richtigen Zeit zusammen am richtigen Ort waren. Ich halte jedenfalls weiter Augen und Ohren offen, um die spannende Geschichte dieser Rancho weiterhin verfolgen zu können.

Dead Sea Apes – Free Territory

Achja, diese armen Kreaturen. Schon mehrmals standen sie auf der Anwärterliste der Jahres-Favoriten, dabei verdienterweise auch auf hochrängigen Plätzen, aber irgendwie wurden ihre Pläne immer durchkreuzt…

2016 sollten sie mit Spectral Domain spektakulär Einzug halten, bis ich endlich bemerkte, daß dieses Album schon 2015 erschienen war… tja. Der Review-Text ist trotzdem ganz schön. *

2017 mussten sie ihr seltsam verhuchtes Sixth Side of the Pentagon dann doch gegen die Music for Monoliths von Harvestman einpacken. Knapp. Aber. Sehr.

2018 brillierten sie leider nur mit einem halbgaren Sampler aus nicht chronologisch dargereichten Archivmaterial, welches aufgrund der bisherigen Soundentwicklung seitens Aufnahme- und Musikerqualität irgendwie unausgegoren und unausgewogen wirkt.

Und nun endlich. Der Norton-Bann ist gebrochen. Die toten Seeaffen sind endlich frei. Selbst wenn bereits in vergangenen Jahren nominierte Schwergewichte auch dieses Jahr ein paar Brocken auf die Teller geschmissen haben (SUNNO))) gar zweifach mit ihrem fulminanten Life Metal (wobei ich auch die zugehörige Live-Rezension hier auf PiN empfehlen kann) und Pyroclasts ihre mitgeschnittenen Fingerübungen für die eigentliche Session… EARTH bringen mit Full upon her burning Lips gleichermaßen gepflegte Entspanntheit mit entschleunigter Weltansicht in die Ohren geneigter Hörerschaften, die selbst nach Carlsons Conquistador (2018) weiterhin liebend gerne die ihnen wohl vertraute leckere Alabama-Limonade schlürfen. Könnte mal wieder ein Eiswürfel rein. Oder ne Horde toter Maritim-Primaten.

In meinem Hörverständnis gelingt dieser Truppe genau das. Sie lassen die dronigen Sounds der tieftönenden Kuttenträger tief in die Strukturen der Erde eintauchen. Die Schnittmenge beider Extreme kulminiert in einer Art Alternative-Effekt. Gitarren-Pop auf Drone-Basis. Als sie sich zuvor im Pentagon rumtrieben, wohnte den verhallten Beat-Strukturen etwas elektronisch-jazziges Inne. Hier fühlen sich die Beats homogen und wirklich an. Während die aufwallenden Gitarrenstrukturen etwas völlig anderes erzählen. Skurrile Gebilde, Gebirge und Landschaften. So weit das Ohr reicht. Welcome to Free Territory. Manchmal denke ich auch: Na toll. Sowas hat DAS BLUUL schon vor zehn Jahren gemacht. Nur wollte es da anscheinend keiner hören.

(Immer wenn ich Kandodo höre – BEBOL LOON)

Hier auch noch der geile Hinweis: das im Februar 2020 kommende Album Night Lands ist in Zusammenarbeit mit Nik Rayne von THE MYRRORS entstanden. Verrückt, oder?

* Dead Sea Apes – Spectral Domain
„die Vertreter für den tollsten Dronescape/Ambient Rock stellen dieses Jahr eine Horde toter See Affen. Die Dungeon Stufen hinunter zur tentakelbewachten Crypta. Und während die Drone-Doom-Schleichen immer näher wabern und drohend ihre Gebisse präsentieren, beginnt in den Gefilden weiter unten der Kampf.“

Der Irrwitz ist, das diese schleppende Doomigkeit nicht nur durch stimmige Slo-MoRiffs und Tribal-Drums sondern auch durch flirrende Synthies und filigrane Gitarrenspielereien erschaffen wird. Universal Interrogator beschwört gleich zu Anfang eine monstermagnetische Spine of God-Stimmung herauf, die gut zu einem düsteren Celluloidmachwerk passen würde, indem Bourroughs Conan finsterdreinblickend durch eine sumpfige Lavalandschaft stapft und dabei die Vergangenheit Revue passieren lässt, die ihn an diesen Punkt der Geschichte gebracht haben. Direkt an die Stufen des Tempels.

The Myrrors – Black Sand: Live in London & Curved Entrances
Birth – Live in Tucson

Diese ausgefeilten Psychonauten haben uns unlängst nicht nur mit Re-Issues aus ihren erst vor kurzem vergangenen Tagen beschenkt (Solar Collector, Archives Vol.I – Lunar Halo), sondern fanden durchaus Zeit, uns ein weiteres Album aufzutischen, sowie eine superb aufgezeichnete Live-Performance auf Vinyl zu pressen.

Zwar schon 2015 aufgenommen bietet diese 2LP einen tollen Querschnitt durch die bis dato Albenhistorie von The Myrrors. Arena Negra & Forward Path (Arena Negra), El Aleph (Borderlands), Warpainting (Burning Cycles…), sowie mit Danza Perdida und International Front zwei neue Stücke, die bisher nirgendwo zu hören waren. Abgefahren ist auf jeden Fall der immens gute Sound und daß es quasi keinen Unterschied zwischen live und Studio gibt… die spielen anscheinend immer mit diesem unvergleichlichem relaxtem Vibe.

Mit dem Studio-Album Curved Entrances, welches auf Cardinal Fuzz erschienen ist, verhält es sich etwas schwieriger. Da ist etwas in Bewegung. Noch vor VÖ firmierten die besagten Aufnahmen noch unter dem Myrrors-Banner, was sich am Download-Code und der Betitelung auf der Label-Seite selbst ablesen lässt. Bei Discogs findet man den Output jedoch unter Curved Entrances – Curved Entrances. Der Titel zählt in Augen der Erschaffer nicht zu den Errungenschaften von The Myrrors. Nachdem ich den Discogs-Eintrag nach meinen Ansichten korrigiert hatte, bekam ich den Hinweis, mich doch mal auf der Bandcamp-Seite schlau zu lesen.

„Debut release from The Myrrors side-project Curved Entrances, a heavy free-improv noise/psych trio featuring guitarists Nik Rayne and Connor Gallaher and drummer Grant Beyschau. Born out of after-hours rehearsals soon after Rayne and Beyschau hooked up with Gallaher’s own Tucson project The Night Collectors, this album features the first two improvisations ever laid down by the formation, and despite the relative age of the recordings is hopefully a teaser for more material to come!
Dave Cambridge over at the label Cardinal Fuzz writes that „whatever spiritual incantations were placed before this rehearsal no-one can no longer remember but these two recordings stand as a testament that something very special was happening that night. This is psychedelia of the cosmic/koummune vibe as the trio strike up from an earthy hypnotic opening refrain until they hit a shamanistic ecstatic state that is both spellbinding and enrapturing. A band playing in their own space and caught under their own spell of improvisation that takes both band and the listener on a sonic nirvana as [they] open your mind via the power of amplification and elevation. So please open up your mind and let everything come through – [they] may just have found the key to the kingdom of heaven.“

Schon auf dem Vorgänger Borderlands (2018) gab es ein paar noisigere Passagen als bisher üblich in dem eher meditativen und beruhigend Klangvibe der Myrrors. Mit CE wird dieses Novum maximiert.

Eine weitere Aufnahme mit dem arbeitseifrigen Kern-Duo Rayne/Beyschau erhalten wir mit BIRTH – Live in Tucson. Eine per Handrekorder mitgeschnittene Performance bei der sich die Zwei auf ihre Stärke besinnen: nämlich hallizunierende Drone-Swirl-Sufi-Klangschalen-Sonics herbeizuderelieren, um damit den Hörer sanft davonschweben zu lassen. Ist natürlich doof, in der Mitte der Meditation die LP umdrehen zu müssen 😛

So, jetzt kommt es aber nochmal dick. Witzigerweise dieses Jahr auch endlich in der Top 12, obwohl sie schon mehrfach auf der Anwärterliste standen: DEAD SEA APES. Und gerade noch zum Ende des Jahres hatte Nik Rayne im Dezember Zeit mit der Affenbande gemeinsame Sache zu machen und das Album Night Lands mitzugestalten, welches im Februar 2020 erscheint. Natürlich auf Cardinal Fuzz 😀 – BAM. Wenn Herr Rayne seine Meditations-Gitarren ins entsprechende Fuzz getunkt hat, weirds schon schön werden XD.

Motorpsycho – The Crucible
Motorpsycho – The Light Fantastic

Weiterhin ungemein produktiv zimmerten unsere Lieblings-Norweger kurzerhand einen feinen Turmanbau.

Die Wörter „Stagnation“, geschweige denn „Stillstand“ scheint es im Universum dieser umtriebigen Nordlichter nicht zu geben. Noch nicht allzu lange ist es her, als die Motorpsycho-Urgesteine Hans Magnus Ryan und Bent Sæther mit ihrem neuen Schlagstockschwinger Tomas Järmyr gen Ende 2017 ihren musikalisch wohlstrukturierten Turm im Longplayergewand erbaut haben. Das Artwork dazu rief Assoziationen zum Turmbau zu Babel hervor, ein klares Statement, wenn man so versiert, durchdacht und klar definiert ans musikalische Schaffen geht wie unsere Motorpsychos.

Zumindest die drei sprechen eine gemeinsame Sprache. In ihrem Turm verschaffen sie uns nun Zutritt zu drei weiteren Turmzimmern. Klar erhörbar als Zusatzquest zu ihrem The Tower und auch die visuelle Aufmachung knüpft augenscheinlich daran an.

Seit The Death Defying Unicorn sollte klar sein, wie übermächtig das Gespann Ryan/Sæther im Schreiben von Konzeptalben ist, die auch trotz Mitwirkung von zusätzlichen Künstlern mit durchsetzungsstarkem Instrumentarium, einfach eindeutig als Motorpsycho identifiziert werden können.

Toll ist auch, daß die vielen über die Jahre gegangenen Wege nicht in Vergessenheit geraten sind, sondern im Gesamtbild eine immer größere Karte bilden. Auf der unsere Heroen kontinuierlich umherreisen und stets genau wissen, wo sie sich befinden. Unter anderem beinhaltet der vielseitige Klangkosmos von Motorpsycho spätestens seit Phanerothyme/It’s a Love Cult auch eine starke sgt.peppereske Schwingung in den Gesangsharmonien/Melodiebögen, welche schwer zu verneinen ist.

Obwohl lediglich drei Stücke auf dem Tracklisting aufgeführt sind, enthält dieser Release fast 40 Minuten Musik. Der Opener Supertzar wird transportiert von einem wohligen Tieftonvehikel mit 70s Flair das von wuchtigen Riffs angetrieben wird, inklusive mit gerade erwähnten Gesangsharmonien. Sicherlich ist der Dreck aus den Anfangstagen längst herausgefiltert und passé, doch die Heavyness wurde geschickterweise bewahrt.

Was nun die drei in der Mitte von Lux Aeterna, das mal eben die 10-Minuten-Grenze knackt, zu dieser kurzen Free-Jazz-Abfahrt geritten hat kann uns vielleicht Tomas Järmyr verraten. Immerhin tourten alle zusammen nach den ersten gemeinsamen Aufnahmen lustig durch die Weltgeschichte und vollbrachten ihre Musikwunderwerke live und ungezähmt auf zahlreichen Bühnen. Bewährungsprobe bestanden, gemeinsam gewachsen, mutig wie ein Motorpsychonaut mit seinen beiden Kollegen den kreativen Schulterschluss wagend und sich auf titanische Augenhöhe begeben.

Das Herzstück The Crucible nimmt die gesamte B-Seite in Anspruch und bietet wirklich erneut einen herrlichen Progzirkus mit allem was das Psychonauten-Herz begehrt.

Besonders bei einer langlebigen Band wie dieser steht man als Anhänger bei jedem neuen Album vor der Entscheidung, die eventuell mitgebrachte musikalische Weiterentwicklung mitzugehen oder nicht. Manche heißverliebte Psychonauten haben vielleicht schon nach Soothe nicht mehr die Demon Box angerührt, da ihre Motornauten plötzlich mehr trällerten als so schön schrien wie zuvor. Spätestens bei den Country-Eskapaden der The International Tussler Society war bestimmt für einige der Ofen der aufmerksam-begeisterten Neugier aus. Damalige Hipster-Alben der Alternative-Szene fanden sich mit Blissard und Trust Us, die wiederum herrlich flirrenden Gitarrenharmonien dans moderne machten und in aller Ohren brachten. Unterhält man sich in der Psychnonauten-Szene, so gibt es tatsächlich altverliebte Piloten, die erst beim Namen Heavy Metal Fruit aufgeweckt wurden und die Hippie-Pop-Zuckersüße Aera um oben schon erwähnte Phanerothyme, It’s a Love Cult und Let them Eat Cake schlichtweg überhört haben. Schade.

Somit haben diese armen Seelen auch das ultracoole Barracuda verpasst, auf dem das ureigenste Bedürfnis „es mal so richtig trocken krachen zu lassen“ aufs schönste zelebriert wird. Eventuell auch vorgespult wurde dann die Stoner-Prog-Phase mit Black Hole / Blank Canvas, Little Lucid Moments und Child Of The Future. Welche musikalisch gehört irgendwie logischerweise zur darauf folgenden Schwermetallfrucht führen musste.
Wieder angelockt durch den versprochenen und servierten (versierten?) Metalcrunch im Spacerockgewand stellten sie gerade zurückgewonnene Seelen auf eine abenteuerliche Probe. Motorpsycho and Ståle Storløkken – The Death Defying Unicorn. Und hier sind wir nun. Auch Ich habe etwas vorgespult und möchte noch Still Life With Eggplant, Behind the Sun und Here Be Monsters näher in Ohrenschein nehmen, immerhin die Abschlusstriade von Drummer Kenneth Kapstad. In dieser Zeit beschäftigte ich mich jedoch nicht nicht mit Motorpsycho, sondern kümmerte mich um erwähntes Einhorn, En Konsert For Folk Flest und Begynnelser. Aus der Rezension vom vorletzt genannten noch ein Zitat zum Abschluss.

„Ein Konzept-Album in Progressive-Rock-Rein-Kultur von schier unglaublichen Ausmaßen. Rein von der Beschreibung her müsst ich eigentlich brechen.“

ABER HÖR DIR DAS MAL AN. HAMMER KNALLER BAM BAM BAM.

Und dann kam spät im Jahr noch The Light Fantastic. Eine so unglaublich toll aufgemachte und mit Liebe zum Detail zusammengestellte Sammlung von Songs die nicht auf den regulären Veröffentlichungen zu finden sind, sondern sich auf den zahlreichen Liebhaberveröffentlichungen dieser wahrhaft großartigen Band verstecken. Unveröffentlichte Songs der Crucible Sessions eröffnen jeweils die A und B Seite. Rare Songs von Singles (The Visitant (2010), Bonny Lee (2006) bisher nur auf CD, The California EP 2×7“ (2017)) oder aus 7“-Boxen (Motorpnakotic Fragment 4×7“ (2014)), deren Anschaffung teilweise durchaus Herausforderungen für den Geldbeutel wären. Zur Ausstattung gehört auch ein hochwertiges 64-seitiges Coverbuch, das wie ein Katalog gestaltet ist und bei dem sich anscheinend eine ganze Horde Grafikdesigner ausgetobt hat. Man wähnt sich fast in einem Universum, in dem all die dort präsentierten Alben existieren. Opulent. Wahn. Sinn.

Nazca Space Fox – Pi

So dieses Jahr also kein dreckiger Spaze Fuzz.

Dennoch kosmisch mächtig fuchsig. Heiko, Matze und Stefan debütierten 2017 mit dem Bandnamen betitelten Album auf Tonzonen Records und legen knappe zwei Jahre später ihr Folgealbum Pi nach.

Nach wie vor verdingen sie sich dabei tief im Psychedelic-Stoner-Post-Rock und nachvollziehbaren der Marterie verpflichtenden Songtiteln. Lauflängentechnisch läuft hier nichts unter sechs Minuten, hat drei Achter parat und einen lässigen 10-minütigen Drift zwischendurch, der die A-Seite beschliesst. Während sich die drei also genügend Zeit einberaumen, um mit ihren geschickt eingesetzten Stilmitteln diese auch sinnvoll zu bereichern, wird man am Ende der wilden Fahrt, wenn der letzte Ton verklingt, im Showdown auch mit hundertachtzig Sachen ins Nichts katapultiert.

Zugute kommt dem Trio die im Labelnamen enthaltene gemeinsame Tonzone mit anderen Akteuren, die dort veröffentlichen. Wie es historisch betrachtet bei erfolgreichen und relevanten Labels in der Geschichte zu beobachten ist, kann ein Name für eine bestimmte Art von Sound stehen. Dieser erleichtert es gewonnenen Hörerherrschaften und Damen neue Publikationen mit offenen Ohren zu empfangen. Das Tolle daran ist: man kann sich darauf verlassen, dass man es mit guter Musik zu tun bekommt.
Was bei aller Wuchtigkeit der eingesetzten Riffs vielerorts vielleicht vermisst wird, ist der Schmutz, Staub, Dreck der ansonsten bei dieser Ausprägung nur allzu leichtfertig erwartet wird. Ist aber auch prima, mal in einem auf Hochglanz polierten Raumkreuzer durch die Schallmauer zu brechen, bevor dieser ganze Rotz aufs Universum hereingebrochen ist. Wer mittlerweile auch gelangweilt ist um blökenden Halbwerwölfen from outta Space weiterhin Zeit zu schenken, der nehme gerne Platz.

Dieser Fuchs hat einige frisch gefangene Weltraum-Riffs parat. Gefauche exklusive. Ein weiteres ein Zonen-Merkmal. Gerne mal instrumental. Oder im Falle von New Sounds of Soma sogar meditativ. Im Ganzen: schnapp dir den Fuchs und wenn dir der Sound gefällt, folge ihm weiter in den Fuchsbau hinein. Da sind noch so einige Wohlfühl-TonZonen zu entdecken.

Folge dem Fuchs, er hat so einiges in seinem Bau parat –
nur um dich am Ende der wilden Fahrt,
wenn der letzte Ton verklingt,
auch mit hundertachtzig Sachen ins Nichts katapultiert.

V.A. – Sixties Girl Group Classics

Auslöser war ein harmloser Tatort am Sonntagabend mit dem Titel „Lakritz“. Wörne schwelgte in Erinnerung an seine Jugendliebe und dem ersten ihm gewahren Kriminal-Fall irgendwo in den Sixties rum. In einer Szene untermalte dann ein von mir vor Jahren heißgeliebter Song, den ich ewig nicht mehr gehört hatte, die Szenerie: „I’m Blue” von den Ikettes. Diesen hatte ich um die Jahrtausendwende bei meiner Arbeit als Telefonverkäufer bei daMusic auf der hauseigenen, legendären Rock File-Reihe erstöbert. Wahnsinns-Rock’n Roll-Nummer mit Tina Turner als Oberröhre. Nach kurzer Recherche fand ich diesen tollen gerade erschienenen Sampler. Der Smash-Hit versteckt sich erst als dritter Song der B-Seite von LP 3 der Compilation. Diese bietet einen versierten Überblick mit 48 Songs, teilweise sind erfreulicherweise einige Teilnehmerinnen auch mehrfach vertreten. Diese Ansammlung von unschuldig swingendem R’n’R & BeeBop funktioniert wie eine kleine Zeitmaschine. Glücklicherweise verlangt meine Tochter (2 ½) häufiger nach „Den Frauen” und wir tanzen uns den Tag schön mit I’m Blue, Remember (Shangri Las) oder Beachwood 4-5789 (The Marvelettes). Shake Your Hips. Welcome 2020.

Interessant zu erwähnen ist auch die 4CD-Ausgabe, welche stattliche hundert Songs beinhaltet. Wowie. Und gen Ende ist auch Schluss mit Schlaraffenland, wenn die Dark Side der scheinbaren heilen Welt bloß gestellt wird (He Hit Me (And It Felt Like A Kiss)The Crystals (1962). Entertainment Industrie. Gesternwieheute. Weisste Bescheid, ne?

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