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Autor Paul Schall

Buch kaufenVö: 10.10.2019Heyne Verlag

Die Autobiografie Face It von Debbie Harry ist ein echtes Schmuckstück und den Frauen im Untergrund gewidmet. Sagt diese Widmung nicht schon alles beziehungsweise sehr, sehr viel über den Kopf und den Körper von Blondie aus?

Wundervolle Fotografien,  liebevolle Zeichnungen und weitere künstlerische Darstellungen und dazu jede Menge Geschichten aus dem Sumpf des New York in den 1970er Jahren. Wir treffen auf alte Bekannte wie Patti Smith, David Bowie, Iggy Pop und vielen mehr. Was muss das für eine aufregende Zeit gewesen sein. Es gibt massenweise Anekdoten, die einen mit der Zunge schnalzen und mit offenem Mund über den Zeilen des Buchs verweilen lassen.

Face It ist weit davon entfernt, zu heroisieren. Viel mehr wird ziemlich nüchtern von Drogen- und anderen Exzessen erzählt. Auch spielt Debbie Harry ihre eigene Rolle eher herunter als sich in den Mittelpunkt zu stellen, aber seien wir ehrlich, das tun ja auch die Anderen schon für sie. In der Autobiografie begegnen wir einer Frau, die eine Vision hatte und diese lebendig werden lassen wollte. Das Ergebnis: Vielleicht ihr Leben. Wie viel Debbie Harry wirklich von ihrem Inneren preisgibt und was für immer in ihrer Gedankenwelt verloren geht, weiß man am Ende des Buchs nicht, aber es geht uns auch nichts an. Denn eine Künstlerin ist immer auch ein Mensch und nicht dazu verpflichtet sämtliche persönliche Gefühle zu offenbaren.

Face It nimmt die Leser*innen durch die äußerst angenehme Übersetzung an die Hand, um sich gemeinsam mit Debbie Harry auf eine Zeitreise zu begeben. Eine Zeitreise, die einen nicht so schnell wieder loslässt und von der man sich wünschen würde, es wäre mehr als das.


Autor Julian Schmauch

Buch kaufenVö: 10.10.2019Heyne Verlag

Debbie Harry reiht sich in die Reihe der Punkrockgranden der Siebziger, die so langsam auf ihr bewegtes Leben zurückblicken, die Erzählung an sich reißen, bevor es andere Autor*innen tun, die wieder nur mit dem Umfeld gesprochen haben. Das Buch schafft dabei auch in der Übersetzung das Kunststück, den sehr nüchternen, trockenen Blick Harrys auf die Welt genauso einzufangen, wie ihre chaotische, leidenschaftliche Gefühlswelt. 

So stockt einem der Atmen, wenn sie beiläufig von Stalking und einer Vergewaltigung erzählt, nur um im nächsten Moment in ihre immer wieder kehrenden Lobes- und Liebeshymnen über ihren Bandmitbegründer, lebenslangen besten Freund und Ex-Mann Chris Stein oder Abrechnungen mit ehemaligen Managern oder Bandmitgliedern zu verfallen. Harry macht von Anfang klar, welche Geschichte sie erzählen möchte – „The World according to Debbie Harry“ quasi – und weniger, mit wie vielen Stars sie geschlafen, welche Drogen sie wie lange genommen und welches Hotelzimmer sie demoliert hat. Face It ist damit an vielen Stellen eine angenehme Überraschung, hier geht es weniger um Exzess als Expression. 

Neben ehemaligen Weggefährten und Managern aus den ersten Bandjahren bekommen vor allem die Musikindustrie und die Männerwelt, in der sich die Punkrockikone in den Siebzigern und Achtzigern bewegte, ihr Fett weg. Auf der anderen Seite beschreibt sie sehr detailliert und voller Humor ihren nicht immer geraden Weg zum Erfolg, ihre vielen Freundschaften und Verluste (gerade der Tod Joey Ramones 2001 machte ihr sehr zu schaffen) auf eine Weise, die sie nie abgehoben, weltfremd oder arrogant wirken lässt. 

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Autor Paul Schall
Autor Julian Schmauch
Zusammenfassung
Die Autobiografie Face It von Debbie Harry ist ein echtes Schmuckstück und den Frauen im Untergrund gewidmet.
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