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Auf die Frage, wer von den Dreien eigentlich der größte Punkrocker sei, meinte Sänger und Gitarrist Max Rieger mal zu mir, dass es Julian wäre. Er zeigte also auf den unscheinbaren Sunnyboy, Bassisten und Sänger, der wenig sagt und viel rumalbert. Ich habe ihn gefragt, ob er mich verarschen will. Jetzt weiß ich es besser.

LP kaufen iTunes Vö: 08.02.2014 This Charming Man

Fun, so heißt das neue Album der Nerven aus Stuttgart und ich mache jetzt keine schlechten Wortwitze, wie: ‚Ja, HAHAHA, es macht auch wirklich Spaß, das Album zu hören!‘ oder ‚Witzig fand ich die Jungs sowieso schon immer!‘, sondern ich sag es halt, wie es ist: Es macht wirklich Spaß, das Album zu hören und witzig sind die Jungs nach wie vor, hat nur leider nichts mit der Platte zu tun.

Die Rezensionen fliegen nur so durchs Intranetz, ‚Fun‘ ist sogar die Platte der Woche bei N24 und Focus Online, fehlt nur noch, dass sie fälschlicherweise in irgendeine Bild-Liste über deutschsprachigen Punk einsortiert werden. So einfach ist das nicht, lieber Springer-Verlag. Das Album ist zwar griffig und vielleicht sieht es schön aus (das Cover zeigt mal wieder frontal irgendjemanden, vielleicht ’ne Freundin der Band, super stilecht in schwarz-weiß), aber dahinter steckt immer noch ein bisschen mehr.

Produziert klingt das Album schrammeliger als sein Vorgänger und erinnert somit noch mehr an Proberaum und Öttinger trinken, aber was solls? Das ist geil so. Die Drums sind halt immer noch abgefuckt, aber die Gitarre und der Bass geben den nötigen Druck. Passt.

Die Texte hingegen sind, wie beim Vorgänger, ehrlich und ernst. Viel zu ernst, dafür, dass das Album ‚Fun‘ heißt, zum Beispiel und viel zu ernst dafür, dass die Jungs ja eigentlich witzig sind.

Alles wie gehabt, nichts hat sich verändert.

Die zündende neue Wende bringt ‚Fun‘ allerdings nicht. Das Album knüpft nahtlos an ‚Fluidum‘ an, somit haben Die Nerven grundsätzlich etwas richtig gemacht. Sie haben sich mal nicht experimentell ausprobiert oder neu orientiert, wie jede gottverdammte Band, die heute ein wenig rumkommt, das heutzutage so macht. Wer will das schon? Wenn ich, gesetzt dem Fall, dass es das noch gäbe, in einen Laden ginge, um die neue Nerven-Platte zu kaufen, dann will ich Punkrock, schrammelige, aber tighte Gitarren und deutschen Gesang, den man auf Parties besoffen vor seinen Freunden grölen kann, um dabei gleichzeitig noch schlau zu wirken. Geht doch.

Aha-Momente hat das Album natürlich trotzdem: Schöne Dynamik, viele Pausen und immer noch diese Keller-Melancholie. Die interessantesten Parts, die einen kurz aufhorchen und die Kippe fallen lassen, kommen oft unerwartet und werden meistens vom Bass unterstützt. Deswegen ist ‚Eine Minute schweben‘ vielleicht der stärkste Song auf der Platte, deswegen ist das Bassriff vielleicht das Großartigste, das ich seit langem gehört habe und vielleicht ist Sunnyboy Julian ja deswegen auch so Punkrock.

Ist mir auch egal, denn ‚Fun‘ ist gut und das funktioniert, so wie es ist, großartig, nur als Band, mit Max Riegers spuckendem Gesang, Kevin Kuhns Prügelsound und einem großen Mittelfinger.

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