Driftoff nehmen den Hörer mit auf eine Reise durch die eigene musikalische Sozialisation und kreieren eine EP, die mit vier Songs in knapp 20 Minuten absolut keine Langeweile aufkommen lässt.

Was bedeutet eigentlich der Begriff „Supergroup“, der des öfteren in der Musikgeschichte auftaucht? Es handelt sich offenbar meist um Musiker aus verschiedenen, bekannten und großen Bands, die sich im Studio zusammen finden um gemeinsam etwas richtig großes aufzunehmen. Das praktische für die Plattenfirma ist dann, dass sie einfach einen schicken, auffälligen Sticker auf das betreffende Medium kleben kann (Featuring Members of…) und damit ein verkaufsförderndes „Supergroup“ Argument in der Tasche hat. Große Namen zählen dabei umso mehr.

Bei der neu formierten Band Driftoff aus den USA haben wir es mit einer solchen „Supergroup“ zu tun – versammeln sich hier doch gestandene Musiker aus dem Post-Metal und Post-Hardcore Umfeld. Die Plattenfirma müsste in dem hier vorliegenden Fall „Featuring Members of ROSETTA, JUNIUS, CITY OF SHIPS und SUPERBLONDE“ auf den Sticker drauf schreiben und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das auch genau so passieren wird.

Driftoff verstehen es, auf ihrer 4-Song EP die Stärken ihrer eigenen „Hauptbands“ zu integrieren und gleichzeitig im Post-Hardcore der End-90er zu wildern. Das machen die Herren mit einer solchen Hingabe und Perfektion das einem ganz warm ums Herz wird. Eingängig und ausgestattet mit einem mächtigen Sound, triumphiert besonders Sänger Eric Jernigan (CITY OF SHIPS), der mit seinem leidenschaftliches Organ diesen Songs hier das i-Tüpfelchen aufsetzt. Man fühlt sich an QUICKSAND, RIVAL SCHOOLS, HELMET, HANDSOME und natürlich CITY OF SHIPS erinnert, ohne das einen diese offensichtlichen Zitate auch nur einen Moment stören könnten. Das hier ist sehr gut produzierte Musik von Musikern, die genau wissen was sie erreichen wollen und ihr Ziel auch locker erreichen.

„Dying Light“ beginnt mit einem eingängigen Gitarrenriff bevor es wenig später mit einem Uptempo Beat mächtig nach vorne drückt. Der Gesang ist vertonte Verzweiflung und dennoch so unfassbar eingängig, das man hier schon von einem echten Post-Hardcore Hit sprechen kann. Erinnerungen an die leider viel zu früh aufgelösten HANDSOME werden wach und erfüllen mich mit einem seligen Grinsen. Ich fühle mich, als würden Driftoff meine musikalische Vergangenheit ins Jahr 2015 zurückholen.

Das darauf folgende „Ghosts of Hart Island“ geht fast in die selbe Richtung, wirkt durch den vertrackten Songaufbau aber weniger eingängig. Dennoch folgt man der Band gerne durch diesen unglaublich aggressiven Ritt durch die Post-Hardcore Geschichte. Der instrumental Part gegen Ende dieses tollen Songs führt einem sofort ROSETTA ins Gedächtnis und macht einmal mehr deutlich, welchen Einfluss ROSETTA auf das Post-Metal Genre haben und hatten.

„Black Heat“ ist ein Hit sondergleichen und ich wette, alle Beteiligten saßen mit leuchtenden Augen im Studio, als sie das Ergebnis ihrer Arbeit das erste Mal begutachten konnten. Diese Riffs und der eingängige Refrain machen diesen Song zu einem Pflichttitel in der Playlist der städtischen Post-Metal Diskothek. Das hat Klasse und Stil. Einfach nur groß!

Der letzte Song „Straphanger“ ist der Titel, den QUICKSAND oder die DEFTONES damals gerne geschrieben hätten. Nur leider kam keiner auf die Idee. Driftoff geben hier den perfekten Rausschmeißer und lassen den geneigten Hörer mit offenem Mund und Tränen in den Augen zurück. Selten klang ein Mix aus Post-Hardcore und Metal so catchy.

Driftoff nehmen den Hörer mit auf eine Reise durch die eigene musikalische Sozialisation und kreieren eine EP, die mit vier Songs in knapp 20 Minuten absolut keine Langeweile aufkommen lässt. Das hier ist Musik mit Köpfchen und dennoch so ohrwurmverdächtig, dass einem nur die Hoffnung auf einen Longplayer und die Repeat Taste übrig bleibt.

Wer mit oben genannten Bands etwas anfangen kann, der sollte sich diese EP sofort und ohne Umwege bestellen. Allen anderen kann ich „Modern Fear“ nur wärmstens and Herz legen. Wer druckvoll produzierte Rock Musik mag und nichts gegen ein paar Ohrwürmer einzuwenden hat, der ist hier genau richtig.

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