Wer den Blick auf die lokalen und regionalen Musikszenen in Deutschland richtet, wird unter einer Menge an Kieselsteinen so manchen Roh-Diamanten finden. Dass dies im eher unspektakulären Krefeld der Fall sein würde, überrascht dann aber doch sehr.

Vö: 11.05.2019 DIY Download

Das 2012 gegründete Quintett Off My Diary hat sich über die Jahre auf lokalen Bühnen in Krefeld und Umgebung warmgespielt. Hervorzuheben sind die Auftritte beim Hallabalooza Festival in Walbeck und der Tönisvorster Rocknacht sowie die Veröffentlichung der ersten EP Prologue im Jahr 2015. Ansonsten ist mehr oder weniger das Jugendzentrum Funzel das Epizentrum des gemeinsamen musikalischen Schaffens in Sachen Bühnenpräsenz.

Parallel zu den regelmäßigen Liveauftritten sammeln die fünf befreundeten Musiker beharrlich Song-Ideen und probieren sich in Sachen Arrangements aus. 2017 entscheidet man sich endlich die Vorbereitungen für Studio-Aufnahmen zu starten und 2018 geht es in die Beef Audio Studios nach Mönchengladbach, um das lange vorbereitete Debüt-Album Decay einzuspielen. Insgesamt schaffen es final 12 Songs mit einer Laufzeit von 44 Minuten auf das Album. Mit der Veröffentlichung von Decay im Mai 2019 erfolgte zudem die Umbenennung der Band in Echoes of Eris.

Bestehend aus der Sängerin Franziska Lück, den zwei Gitarristen Falk Gräfen und Lukas Schwarz sowie Christian Rischert am Bass und seit 2016 Matthias Lück an den Drums bietet Echoes of Eris klassischen Hardrock mit Postrock-Farb-Tupfern. Meistens geradeaus rockig und hart aber auch mal zart, wie im Song Angel, macht der extrem gitarren-dominierte Sound der Band einfach nur richtig Spaß.

Mit dem Album im Gepäck absolvierte die Band in 2019 ein paar positiv besprochene Auftritte bei den Open Air Festivals in Viersen (Rahser Open Air Festival), Neuss (Backyard Bash Open Air) und Moers (Magnanova Open Air Festival), konzentrierte sich aber ansonsten auf die Vermarktung des Debüt-Albums.  

Los geht es mit dem Opener Reckless, der mit suchenden Gitarren und einer schönen Eröffnung von Franziska Lück beginnt. Die Gitarren bleiben dann auch den ganzen Song hinweg dominant, während Bass und Schlagzeug einen starken Rückhalt bilden. Da weiß jeder, was er wo zu tun hat. Der Gesang ist eher zurückhaltend aber stets deutlich präsent. Ein starker Einstieg.

Becoming beginnt langsam und erinnert in den ersten Tönen an so manche Bonnie Tyler-Ballade aus Jim Steinmans Feder bis die Gitarren den schwebenden Traum zerreißen. Dennoch bleibt der Song in seinen instrumentalen Passagen erstaunlich zurückhaltend. Das macht den Song zu einem sehr clever arrangierten Track. Der nächste Song Sink or Swim ist eine der Band-typischen Balladen mit harten Gitarren-Riffs. Ein unbedingter Anspiel-Tipp für Einsteiger.

Mit Saw you fall ist der Band ein echter Geheimtipp gelungen, den man problemlos in einer Morning-Radio-Show unterbringen könnte. Durch den ruhigen Aufbau unbedingt auch fürs Massenpublikum geeignet. Der Einstieg zu Break Free und die ständigen Gitarren-Attacken machen diesen interessant arrangierten Song zu einem klassischen Head-Banger. Eher nichts für das Radio aber hörenswert.

Der langsame Beginn vom Let you go soll die Hörer in Sicherheit wiegen, bevor die Attacke auf das Trommelfell einsetzt. Der Marschrhythmus des Songs schafft eine schöne Melodie, die positiv im Gedächtnis bleibt. Intersection beginnt mit gesprochenen Textpassagen, die an ein sich erprobendes Mittelstufen-Kunst-Projekt erinnern, was durch das zurückhaltende Einsetzen der Instrumentierung unterstützt wird. Dann aber Erheben sich alle musikalisch Beteiligten – einschließlich des Gesangs – und treiben den Rock-Song mit harten Gitarren-Riffs gnadenlos voran.        

Mit Not worth saving hat sich doch tatsächlich noch ein echter Diamant auf dem Album versteckt. Franziska Lück zeigt hier, dass sich auch mal aus sich heraus gehen kann, wenn sie sich in die Hand der Melodie begibt, was man bei den meisten Songs leider etwas vermisst. Wenn man die Gitarren etwas zurückgenommen hätte, wäre der balladenmäßige Song noch besser geworden. Aber auch so einer der besten Songs auf dem Album.

Der Song Saviour ist wieder eines der Band-typischen Stücke, harte Riffs, ein dreckiges Schlagzeug und eine Sängerin, die sich auf dem Terrain bewegt, dass sie beherrscht. Bloß keine Experimente – lieber noch eine Hard-Rock-Nummer, das freut die Fans. Bei Shine geht der Gesang endlich mal aktiv in den Vordergrund und schafft es das Tempo zu bestimmen. Klasse Song mit einem griffigen Rock- Arrangement.  

Der fast schon folk-lastige Song Angel ist die einzige echte Ballade auf dem Album und beginnt auch gleich mal mit akustischen Gitarren. Sehr schön wie Franziska Lück hier in die Höhen aufsteigt und in die Tiefen abtaucht. Den komplett band-untypischen Sound sollte die Band trotzdem beibehalten und beim nächsten Album ein paar mehr solcher Songs einstreuen. Die Fans werden es Ihr danken.   

Zum Final gibt es dann wieder brachiale Gitarren-Riffs, einen dumpfen Bass und ein treibendes Schlagzeug. Mit Heaven’s Key verabschiedet sich die Krefelder Combo aus dem Debüt-Album und man hat das ganz drängende Gefühl, dass da noch ganz viel Gutes kommen wird.

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