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Wenn der Chefredakteur mir ab und zu Review Anfragen schickt, bin ich immer sehr gespannt. Ich liebe es einfach, neu Musik zu entdecken. Und da der Chef meinen Geschmack sehr gut zu kennen scheint, habe ich nun endlich mal wieder etwas aus dem elektronischen Bereich auf den Kopfhörern.

Vö: 08.05.2020DIYBandcamp

Der junge Düsseldorfer Künstler Ellel macht laut eigener Beschreibung „samplebasierte elektronische Musik“. Ich bin bei dem Wort „Sample“ ja immer etwas skeptisch. Ich denke mir dann immer, dass der Künstler seine Musik aus musikalischen Fetzen anderer konstruiert. Ich stelle mir dann immer so einen fiesen Wissenschaftler vor, der aus verschiedenen Leichen einen neuen Körper zusammenfügt. Hier ein Bein von der männlichen Leiche, hier ein Arm von der Leiche dort drüben und so weiter…. Ja, ich weiß. Ist ein kranker Gedanke. Aber ist das eigentlich kreativ? Ich meine jetzt nicht den fiesen Wissenschaftler – ich meine den Künstler Ellel. Wenn dieser sich aus Soundschnippseln von anderen Künstlern bedient und diese einfach nur geschickt zusammenfügt und eventuell noch mit eigenen Sounds und Melodien verfeinert: Ist das kreativ? Kann man hier von einer eigenen musikalischen Kreation sprechen? Die Antwort auf diese Frage bekommt man schnell, wenn man das Album Hold On zu ersten Mal hört.

Der Sound ist mächtig und geprägt von der elektronischen Kultur der letzten 30 Jahre.

Die Elemente der elektronische Szene Englands – Breakbeat und UK-Lofi-House werden hier gekonnt und spielerisch in Szene gesetzt.

Das 6 Minuten lange Stück State entfaltet eine hypnotische Wirkung und beschreibt ganz gut die Marschrichtung des Albums. Da meine Kenntnisse in der Elektro-Szene eher begrenzt sind, erkenne ich kein einziges Sample auch nur im Ansatz. Womöglich bin ich der falsche für diese Rezension. Vielleicht hätte ich gar nicht anfangen sollen mit dem Schreiben. Aber dieses Album zieht mich in seinen Bann.

Das Stück Driftin nimmt mit steigender BPM-Zahl deutlich fahrt auf und wirkt durch seine vielen kleinen Soundeffekte tatsächlich hochmodern und eingängig. Voyager ist ein packender Trip durch die nebeligen Nächte Londons. Das klingt wirklich gut und außerordentlich kreativ. Stop. Bam! Da ist die Antwort die ich eingangs erwähnte. Sample basierte Musik kann also durchaus kreativ sein. Wenn der Künstler es schafft, fremde Einflüsse geschickt mit neuen, eigenen Ideen zu vermischen, dann sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Buyin some time experimentiert mit treibenden Bässen und schnellen Hi-Hats die aus einem rasanten Action-Film stammen könnte. Das macht Spaß. The Fear Of Never Seein You Again ist ein melancholischer Rausschmeisser der aber durch die interessante Programmierung der Hi-Hat einen spannenden Charakter hat. Ich bin wirklich beeindruckt.

Das Album Hold On wird auf Albumlänge niemals langweilig und wirkt durch seinen äußerst klaren und druckvollen Sound absolut professionell. Das Album gibt es als „pay what you want“-Download auch auf Bandcamp. Ich denke, dass wir in Zukunft noch einiges von Ellel hören werden. Sehr schönes Album!

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Zusammenfassung
Der Sound ist mächtig und geprägt von der elektronischen Kultur der letzten 30 Jahre.
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