2009 lernten sich Ahmir „Questlove“ Thompson und Elvis Costello bei der Jimmy Fallon Latenight Show kennen, bei denen Questlove’s Band The Roots als Backing Band fungieren. Costello bekannt für seinen Mut zum musikalischen Experiment erkannte in Thompson seinen Soulbrother! Nun liegt das Ergebnis in Form einer der ungewöhnlichsten Platten des Jahres vor.

Eines vorweg, Wise Up Ghost ist ganz klar eine Costello Platte, bei dem ausschließlich Questlove von The Roots involviert ist. Black Thought bleibt diesmal außen vor. „Walk us uptown“ beginnt launisch mit zornigen Lyriks. „And we’ll stand in the light of your new killing ground and we won’t make a sound.“ Costello klagt und croont in dieser für ihn typisch brüchigen Art. Eine knochentrockene Produktion und Questlove’s knackige Snare machen den Opener ganz besonders funky. „Keep a red flag flying /Keep a blue flag as well /And a white flag in case it all goes to hell“ singt Costello im Opener und trifft die Stimmung einer ganzen Nation.

Der geniale Single Note Riff in „Sugar won’t work“ und dieser minimalistische Beat machen den Song zu einem der coolsten Neo-Soul Songs der Neuzeit. „Refused to be saved“ groovt wie Hölle und hat diesen leichten Acid Touch mit 70er Jahre Funkl. Killer. Costello spricht so wenig wie möglich und soviel wie nötig. Tariq Trotter aka Black thought vermisst man bisher keine Minute.

„Tripwire“ ist der erste Bruch und auch einer der ergreifendsten Songs auf diesem Album. Eine tieftraurige Soulballade, die Costello in feinen Phrasierungen intoniert.

Im lässigen „Cinco Minutos con vos“ das vom Trip-Hop mit coolem Fingerschnippen über das wunderschöne Duett mit der Sängerin La Marisoul und seiner eindringlichen Intimität lebt und betört. “ Viceroy’s Row“ lässt dann auch zum ersten Mal die jazzige Seite zu Wort kommen. Die Bläsereinsätze sitzen wie des Meister’s Anzug. If i could believe / you were from heaven sent / then just losing you  / would be my punishment wird von Costello mit einer Intensität vorgetragen, welches sein Stimmvolumen so zulässt und das wirkt dann keinesfalls pathetisch. Mit viel Feingefühl und Reduktion ist Thompson und Costello ein Album gelungen das voller Reminizensen, an den Soul, Jazz und Blues steckt und selbst das Artwork ist eine Hommage an Allen Ginsberg’s Gedichtband Howl. Kein Wunder, dass ein Jazzlabel wie Blue Note dieses herausragende Werk veröffentlichen wollte. Die Hoffnung auf ein weitere Kollaboration steht mit Number One unten rechts auf dem Cover.

01 Walk Us Uptown
02 Sugar Won’t Work
03 Refuse To Be Saved
04 Wake Me Up
05 Tripwire
06 Stick Out Your Tongue
07 Come The Meantimes
08 (She Might Be A) Grenade
09 Cinco Minutos Con Vos
10 Viceroy’s Row
11 Wise Up Ghost
12 If I Could Believe

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