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Ensemble Economique ist das Soloprojekt des US-Amerikaners Brian Pyle aus Kalifornien, der nach „Interval Signals“ nun mit „Melt Into Nothing“ sein erst zweites Album auf Denovali Records veröffentlicht.

Ich gebe unumwunden zu: Ich habe mich mit dieser Platte anfangs sehr schwer getan. Angesiedelt irgendwo zwischen Les Discrets, Kilimanjaro Darkjazz Ensemble (Dessen Namensähnlichkeit ich als puren Zufall erachte) und MGR vermittelt das Album eine Sperrigkeit und Unnahbarkeit, die es schwer macht vorzeitig Zugang zur Musik zu finden. Kein Wunder also, dass es ein paar Anläufe gebraucht hat. Gute Musik braucht halt Zeit um sich zu entfalten.

„Melt Into Nothing“ ist, wie der Name schon vermuten lässt, zutiefst melancholisch zeitweise sogar etwas psychedelisch, wahrt in seinen wohlklingenden, langsamen Melodien aber stets die Wärme einer schützenden Decke. Umringt Von Nebelschwaden einer Grau-in-Grau-Collage steht man auf der Schwelle zwischen Bleiben und Gehen, dem diesseits und demJenseits, schwarz und weiss. In einem grauen Niemandsland aus dem es scheinbar kein Entfliehen gibt. Und doch: Zwischen all der Schwere lässt sich in diesem musikalischen Film-Noir doch noch ein Stück Hoffnung finden. Hoffnung auf einen Ausweg und Erlösung.

Synthie- und sanfte Gitarrenklänge verleihen dem Album seine Bodenhaftung um nicht in allzu psychedelische Sphären abzugleiten, das sorgt für eine gewisse Konventionalität und einen roten Faden, der sich durch das komplette Album zieht, welches letztendlich 6 Songs beeinhaltet. Gesang gibt es kaum, und wenn dann wirkt er mehr lautmalerisch als wirklich eine tiefere Nachricht überbringen zu wollen, Emotionen und Klangästhetik erhalten ganz klar den Vorzug vor einer Message oder erzählten Geschichte die, ganz nebenbei bemerkt, bei solch einem Album auch Unfug wäre. So bleibt ein düsteres Aquarell, bei dem jeder Ton einen eigenen Pinselstrich im Gesamtkunstwerk bildet.

Und auch in Zeiten von MP3-Downloads und Streaming-Diensten: Ein gutes Artwork rundet das Gesamtpaket ab und kann die Stärken eines Albums noch einmal visuell auf den Punkt bringen. Wie auch in diesem Fall das schlicht aber gut gestaltete Cover des ungarischen schwarz/weiss-Fotografen und Künstlers Tamas Andok.

Produktionstechnisch gibt es nichts zu bemängeln, alles wirkt aus einem Guss und für diese Art von Musik ist es sowieso unbedeutend ob es an der einen Stelle noch ein wenig mehr Bass und an anderer Stelle noch ein paar Höhen mehr hätte vertragen können, ein Kunstwerk lebt nicht von seiner Präzision, sondern vielmehr von seinen Ecken, Kanten und der Liebe für’s Detail. Wem Les Discrets noch zu rockig und Kilimanjaro Darkjazz Ensemble zu jazzig ist, sollte mit dieser Platte goldrichtig liegen. Empfohlene Umgebung um sich perfekt auf dieses Machwerk einzulassen wären entweder ein verschneiter Winterabend bei Kerzenschein mit einem Glas Wein, oder ein nebelverhangener Herbsttag am Strand bei seichtem Wellengang.

01 Your Lips Against Mine (Featuring Sophia Hamadi And Denmother)
02 Make-Out In The Gdr
03 Hey Baby
04 Fade For Miles
05 Never Gonna Die
06 Melt Into Me

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