Ein Album für alle, die den Glauben an gute Popmusik wiederfinden und sich verzaubern lassen wollen.

Sie haben es wieder getan. Seit 2 Wochen ist das neue Album „Get To Heaven“ von Everything Everything zu haben. Und es macht Spaß.

Das schrille Cover vermag schon in die musikalische Richtung zu deuten, die das Quartett aus Manchester seit 2007 beschreitet. Auf „Get To Heaven“ erschafft die Band ihre musikalische Vision vielleicht am konsequentesten. Es erschallt glamouröser, fein ziselierter Pop, der Math-Rhythmik und engelshaft-süßliche Refrains zu einer musikalischen Sprache verbindet, die den Kitsch nicht scheut und gerade damit ihre Stärke ausspielt.

Schon auf den Vorgängeralben „Man Alive“ und „Arc“ haben Everything Everything gezeigt, dass RnB und Steve Reich einfach zusammengehören. Dabei standen sich regelmäßig verkopfte, gern etwas umständlich stolpernd-nerdige Parts und enorm eingängige Refrains gegenüber. Letztere waren wegen der stimmlichen Kapriolen, die Jonathan Higgs mit Leichtigkeit schlägt, trotzdem nicht immer leicht nachzusingen.

„Get To Heaven“ beschwört dagegen vor allem in der ersten Hälfte noch stärker als bislang die Magie des Pop. Die musikalische Substanz der Vorab-Singles „Distant Past“ und vor allem „Regret“ schreit geradezu danach, in Coldplay-Manier ausgewalzt zu werden. Erfreulich ist, dass sich Everything Everything es bei aller Eingängigkeit aber auch nicht nehmen lassen, dieses poppige Gewand aus großen Melodien, cheesy Synth-Flächen und sequenzierten Funk-Grooves immer wieder zu durchbrechen. Die schräge, detailverliebte Herangehensweise lässt dabei stets eines durchblicken: Everything Everything schenken sich bei der Produktion nichts. Die Songs sind minutiös durchgearbeitet und vollgestopft mit kleinen Klang-Elementen, die das Gesamtbild erst zu dem machen, was es ist.

Gerade auf der zweiten Hälfte des Albums trauen sich die Briten weiter aus der Komfortzone und leisten innovative Klangarbeit. Der Sound ist vielleicht noch eine Spur aufgedrehter und überzeichneter als auf den Vorgängeralben: An allen Ecken quietscht und flirrt es, der Sound ist mindestens so bonbonfarben, wie einem das Cover weismachen will. Dabei gerät die hyperaktive Klangästhetik aber nie zum Selbstzweck. Trotz der vielen Klangschichten, die hier aufeinander geklebt werden, schält sich aus dem verdichteten, pulsierenden Etwas stets dann doch ein überraschend nachvollziehbarer Song.

Textlich gibt man sich gewohnt kryptisch und lässt viele Deutungsmöglichkeiten offen. Zeitliche Perspektivierung („Distant Past“, „SpringSunWinterDread“) spielt ebenso eine Rolle wie Gesellschaftskritik („Fortune 500“). Weird wird es allemal wieder, aber das ist ja nichts neues.

Insgesamt hat man sich auf „Get To Heaven“ allerhöchsten Qualitätsansprüchen verschrieben. In nahezu jedem Song steckt das Potential für einen Hit. Vor so viel Songwriter-Talent muss man den Hut ziehen – in der internationalen Presse las man gar von „England’s best pop band“. Ein Album für alle, die den Glauben an gute Popmusik wiederfinden und sich verzaubern lassen wollen.

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