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Die düstere Stimmung ist verpackt in den typischen Expire Sound. Schneller, drückender, moderner Hardcore. In 24 Minuten zeigt die Band, dass sie absolut nichts verlernt hat.

Erinnert sich noch jemand an 2011? Neben dem arabischen Frühling und der Atomkatastrophe von Fukushima findet eine kleine Band aus Milwaukee zum ersten Mal den Weg nach Europa. Die Rede ist von Expire, die damals noch als Support von Foundation (Was machen die eigentlich im Moment?) unterwegs waren. Zwar damals noch ohne Album, aber irgendwie hatte man das Gefühl, dass diese Band keine von denen ist, die nach einer Tour wieder in der Versenkung verschwinden.

2012 erschütterte die Band um Sänger Joshua Kelting dann die gesamte Hardcoreszene mit ihrem Debütalbum „Pendulum Swings“. Spätestens seit dieser Veröffentlichung gehört die Band zur Sperrspitze des modernen Hardcore. Mit steigendem Erfolg steigen allerdings auch die Erwartungen. Das Nachfolgealbum „Pretty Low“ steht seit kurzer Zeit in den Regalen. Veröffentlicht wurde die neue Scheibe wie schon „Pendulum Swings“ über Bridge Nine Records, dem neben Deathwish zurzeit wohl angesagtesten Hardcore-Label.

„Imagine being at the lowest point of your life, the lowest you’ve ever felt. There’s nowhere to go but up from there.” lautet die Beschreibung zum Titeltrack und gleichzeitig ersten Song des Albums. Harter Tobak, der sich wie ein roter Faden durch das ganze Album zieht. Lyrisch bewegt sich die Band in sehr persönlichen, teils regelrecht erschütternden Bereichen, beispielsweise von nahestehenden Personen, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Sänger Joshua ist dies auch anzumerken. Es wirkt stimmlich noch angepisster als auf den früheren Veröffentlichungen.

Die düstere Stimmung ist verpackt in den typischen Expire Sound. Schneller, drückender, moderner Hardcore. In 24 Minuten zeigt die Band, dass sie absolut nichts verlernt hat. Jeder Breakdown sitzt und es ist jetzt schon klar, dass auch die neuen Songs bei den explosiven Liveshows der Band ihren Platz finden werden. Die typischen Shoutparts sind natürlich auch weiterhin vorhanden. Darüber hinaus kann ich auch nach mehrmaligem Durchhören der Platte keinen Song ausmachen, der qualitativ abfällt. Die Band hat all ihre Probleme in elf extrem wütende Songs gepackt, an denen auch produktionstechnisch nichts auszusetzen ist.

Wenn es eine Sache gibt, die man der Band vorwerfen kann, dann die fehlende Innovation. Die Songs klingen alle sehr ähnlich. Irgendwann ist klar, an welcher Stelle der Singalong oder Breakdown kommt. Überraschungen gibt es höchstens durch die Gastbeiträge, unter anderem vom Bent Life Sänger.

Insgesamt ist der Eindruck aber durchweg positiv. Krachende Riffs und ein Sound, der zum Moshen nur so einlädt werden dafür sorgen, dass Expire auch weiterhin Fans gewinnen, um irgendwann vielleicht einmal in den Bereich der ganz großen Hardcore Bands vorzustoßen. Einen Innovationspreis gewinnen sie mit diesem Album zwar nicht, aber dennoch ist es ein wirklich hörenswertes Album und ich freue mich schon, die Songs im Juli/August zum ersten Mal live zu hören.



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