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Mit ihrem neuen Album „The Wilderness“ zelebrieren Explosions in the Sky ihre Abkehr vom konventionellen Post Rock und schaffen ein Epos, das gut und gerne ein neuer Filmsoundtrack sein könnte.

Trotz steigender Beliebtheit und fortgeschrittenen Alters ist der Post Rock immer noch eine Nische der Rockmusik. Was nun genau konventioneller Post Rock sein soll, das bleibt sicher eine völlig subjektive Definitionssache. Klar ist jedoch, dass man die US-Band Explosions in the Sky ganz guten Gewissens zu den klassischen Vertretern des Instrumental Post Rock zählen darf. Immer wieder fragen Menschen in Internetforen oder Post Rock-Gruppen bei Facebook danach, wie andere Mitglieder zum Post Rock gekommen sind und sehr häufig befindet sich der Name dieser Band unter den Antworten. Explosions in the Sky gehören zu den ganz großen und haben im Laufe ihrer Karriere seit den späten 90er Jahren mit „The Wilderness“ ihr nunmehr siebtes Album veröffentlicht – zählt man Filmsoundtracks und Kollaborationen einmal nicht dazu. Dieses Album, auf das Fans insgesamt fünf Jahre lang gewartet haben – zählt man Filmsoundtracks noch einmal nicht dazu – sticht aus der Masse der übrigen Veröffentlichungen stark heraus und ist ein Tritt in den Arsch all derer, die so gern den Spruch „I discovered a new Post Rock band. Still sounds like Explosions in the Sky“ benutzen.

Schaltet man das Album ein, plätschert der Titeltrack „Wilderness“ ein, sehr ruhig und unaufgeregt. Vom ersten Moment an bemerkt man, dass EITS auf diesem Album eine umfangreiche Synthiearbeit vorgenommen haben. Es gibt viele elektronische Klänge, begleitet von Pianos und anderen klassischen Einschlägen. Wie Einschläge klingt „Wilderness“ auch weiter. Man mag sich vorstellen, wie die Erde zu ihren jüngsten Zeiten im Weltraum ihre Runden um die Sonne dreht und in ihrem friedlichen jugendlichen Dasein einfach existiert, bis sie von Asteroiden beschossen wird. Alles in Zeitlupe wie in einem Film von Stanley Kubrick. Auch der zweite Song „The Ecstatics“ beginnt verklärt, verspielt, kindermelodienhaft. Und leider setzt sich genau dieser Eindruck eine Weile lang weiter fort. Das Songwriting ist schön und speziell, sehr abweichend von den Ursprüngen der Band und von dem, was man im Post Rock in den letzten Jahren zu hören bekommen hat. Aber es fehlt an etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Es scheint kaum ein Song dieses Albums längerfristig im Ohr zu bleiben. Die Ausnahme hierbei bildet der schon vorab veröffentlichte Song „Disintegration Anxiety“, der eine mächtige Klangmauer aufbaut und die Hörer in eine Zerrwelt eintauchen lässt, sowie der längste Song „Colours in Space“. Die Krux an diesen Titeln ist jedoch, dass sie dem konventionellen Post Rock vielleicht schon wieder am nächsten sind.

Eine weitere Besonderheit an „The Wilderness“ ist auch, dass die Stücke vergleichsweise kurze Spielzeiten aufweisen. Fünf von neun Songs knacken die 5 Minuten-Marke – für Post Rock dieser Spielart eher eine Seltenheit, betrachtet man einmal ähnliche Vertreter wie Godspeed You! Black Emperor und auch ältere Alben von EITS. Einige Stücke wirken somit eher wie Teaser für sich selbst. Ein Grund mehr dafür, dass das Album eher den Eindruck eines Soundtracks als eines eigenständigen Langspielers erweckt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Explosions in the Sky sich mit „The Wilderness“ durchaus neu erfunden haben, dass diese neue Art jedoch weiterhin ausbaufähig ist. Das Album weist seine guten Seiten auf – es ist interessant und klingt neuartig, es verbindet Elemente verschiedener musikalischer Gattungen und verknüpft Instrumente und Effekte zu bunten Netzen. Doch auf der Gegenseite ist es zum Teil so verzwickt, dass selbst nach mehrmaligem Anhören nur sehr wenig im Kopf hängen bleibt.

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