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Verständlicherweise waren die medialen Erwartungen hoch, als bekannt wurde, dass sich Larry Beckett, ein bekannter Schriftsteller und Lyriker, der Ende der 60er Jahre mit Tim Buckley an mehreren Songs und Alben, darunter Song to the Siren, zusammengearbeitet hat und der von Peter Buck produzierte Gitarren-Rock und Power-Pop Geheimtipp Eyelids aus Portland für ein Album, zu dem ausschließlich Beckett die Texte liefert, zusammentun.

Vö: 14.02.2020 Décor LP kaufen

Die von Chris Slusarenko und John Moen gegründete Band, bestehend aus 3 Gitarristen (Slusarenko, Moen und Jonathan Drews) sowie Jim Talstra am Bass und Paulie Pulvirenti an den Drums, bündelt in ihrem dynamischen, erdigen und immer sehr gitarrenlastigen Sound der unterschiedlichen Stilrichtungen aller Bands, in denen die Mitglieder gespielt haben, insbesondere von Guided by Voices, The Decemberists, Stephen Malkmus und der Elliott Smith-Band. Beim Gesangsvortrag wechseln sich die beiden Bandgründer ab. Das Ergebnis kann sich tatsächlich problemlos mit den frühen bis mittleren R.E.M. messen und man findet mit Peter Buck an den Reglern einen Pionier aus dieser Zeit.

Das Schöne an dem neuen Album ist zudem, dass Chris Slusarenko seinen Eyelids mehr musikalische Freiheiten gönnt. Es muss nicht immer schnell und laut sein, sondern man traut sich gemeinsam auch leisere Töne einzustreuen. Das tut dem Album insgesamt gut. Veredelt wird das Ganze beim neuen Album durch die griffigen und intimen Texte, die Larry Beckett beisteuert.

Schon der Opener Dream ist eines der langsameren Stücke und könnte mit seinem psychodelischen Einschlag direkt aus der Feder von George Harrison stammen. Ein schöner radiotauglicher Musik-Traum mit leichtem Weihrauch-Duft. Beim folgenden Titeltrack The Accidental Falls geben die Eyelids dann wieder richtig Gas und man fühlt sich wohltuend an The Byrds mit ein paar Extra-Gitarren erinnert.   

Eine schöne Gitarren-Einleitung bringt der Song Insomnia, der wieder gemächlicher daher kommt und R.E.M. pur ist. Ein wunderschöner Track, der zwischen akustisch und elektrisch wechselt und den ersten Höhepunkt des Albums bietet. The Minutes rockt und rollt dann wieder a la Tom Petty. Das macht Spaß und lässt sich gut Hören.

Trotz langsamem Beginn und einem zurückgenommenen Gesang bietet Ceremony im letzten Drittel eine Kakophonie aus kreischenden Gitarren und Drums im Ausnahmezustand. Da hätte Herr Buck auch die Schere ansetzen können. Der psychodelische Song River bietet dann wieder einen Ausflug in die traumwandlerische Sicherheit, mit der Slusarenko und Moen Songs entwerfen. Der nächste Höhepunkt im Paisley-Sound.

Der Track At Sea bringt wieder Rock’n Roll und Power Pop mit einem schön tanzbaren Groove. Die B52’s hätte ihre helle Freude. Schon bei den ersten Tönen von Found at the Scene of a Rendevous that Failed fühlt man sich vom Storytelling sehr stark an A Day in the Life von den Beatles erinnert. Aber der Song hat eine eigene Geschichte und eine gut passende Dynamik. Ein weiterer Höhepunkt auf dem Album, den man gerne auch im Radio hören würde.     

Der Track Starlight (Limelight Machine) ist schwungvoll aber nicht zu sehr Rock, eher flotter Pop und ein schöner Radiosong. Beim folgenden Song Mermaid Blues dominieren die elektrischen Gitarren, wobei es diesmal eher eine zarte und zurückhaltende Dominanz ist. Ein schönes Tanzlied. Der kurze Track Monterey ist ein schöne Eliott Smith-Adaption.

Bei 1,2,3 steigen gleich zu Beginn die jaulenden Gitarren ein und treiben den Song im Stile von XTC voran, bis es zum Finale ein kleines Verstärker-Feuerwerk gibt. Diesen Song hätte man nicht vermisst.     

Zum Ausklang des Albums gibt es den fast akustischen Song Passion, der entfernt an David Bowie erinnert. Ein etwas farbloses Finale für ein ansonsten sehr abwechslungsreiches Album.  

Viele tolle Ideen und reichlich musikalische Einflüsse finden sich auf dem Album, das trotz der zwei Ausfälle (Ceremony und 1,2,3) Spaß macht. Der Band wäre zu wünschen, mal in Europa zu touren und dass sich ihre Musik auch beim Airplay gut platzieren lässt.

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Zusammenfassung
Mit diesem Album sollten Eyelids nicht länger ein Geheim-Tipp von der Westküste bleiben. Das tolle Songwriting, das die Texte von Beckett unterstützt und fast durchgehend eingängige Melodien bestimmen den Sound, der hier logischerweise öfters mal nach R.E.M. klingt, was kein Nachteil ist.
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