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Was kommt dabei raus, wenn sich vier Hardcore-Legenden zusammentun? Natürlich: Sonniger Power-Pop direkt aus den späten 70ern.

Vö: 08.05.2020Epitaph RecordsLP kaufen

Wer sich jetzt fragt, was diese dämliche Pointe soll, der hat vielleicht noch nicht von Fake Names gehört.

Die DNA der neusten aller Supergroups ist bis zum Kragen gefüllt mit den ganz großen Namen: Minor Threat, Dag Nasty, Bad Religion, Refused, Embrace – da darf man schonmal kurz staunen.

Dem Kenner fällt vielleicht auf, dass hier rein geografisch (mit Ausnahme von Bad Religion) Washington, D.C. auf das schwedische Umeå trifft. Der Grund ist recht einfach und erklärt sich gemäß der Gründungslegende so: Brian Baker (Gitarre, u.a. Minor Threat, Dag Nasty, Bad Religion) und Michael Hampton (Gitarre, u.a. S.O.A., Embrace) sind schon seit Grundschulzeiten in Washington befreundet und trafen sich vor vier Jahren bei Hampton’s zu Hause, um gemeinsam und nur zum Spaß zu musizieren. Das Ergebnis war dann allerdings so überzeugend, dass sie prompt beschlossen, eine Band zu gründen und in Person von Johnny Temple (Bass, u.a. Girls Against Boys) einen weiteren alten Schulfreund und ebenfalls verdienten Veteranen der Washingtoner Hardcoreszene zu rekrutierten.

Als kurze Zeit später Bad Religion, Girls Against Boys und Refused auf dem Riot Fest in Chicago aufeinandertrafen, waren Baker und Temple so sehr vom Auftritt des Schweden rund um Entertainer Dennis Lyxzén begeistert, dass sie ihn kurzerhand zum Sänger ihrer frisch gegründeten Band ernannten. Lyxzén, absoluter Musiknerd, erkannte sofort, mit wem er es hier zu tun hatte und zögerte nicht, sein OK zu geben. Fake Names waren geboren und nahmen in New York zehn Song auf, die eigentlich als Demo für Epitaph-Gründer Brett Gurewitz dienen sollten. Dieser war jedoch so begeistert, dass er darauf bestand, die Aufnahmen exakt so veröffentlichen.

Und so klingt Fake Names auf sympathische Weise aus der Zeit gefallen: Komplett analog und direkt auf Band aufgenommen, lautete die Devise, einen direkten Sound frei von Effekten zu erschaffen, der live eins zu eins reproduzierbar sein sollte. Das Eröffnungsduo aus All For Sale und Driver zeigt mit nur leicht verzerrten Retroriffs die Richtung auf und hält direkt zwei gutgelaunte Ohrwürmer irgendwo zwischen Power-Pop und Proto-Punk bereit. Soundtechnisch bewegen sich Fake Names also weder in Washington noch in Schweden, sondern mitten im sonnigen Kalifornien.

Die Formel ist dabei so einfach wie effektiv: Baker und Hampton beschmeißen sich gegenseitig mit simplen, aber eingängigen Riffs und Lyxzén zaubert ohrschmeichelnde Hooklines dazu. Das geht meistens hervorragend auf, wie die punkige Single Brick oder This Is Nothing mit dem gelungenen Wechselspiel zwischen aggressiver Strophe und mitreißendem Chorus beweisen. Das Konzept bewährt sich leider nicht auf voller Albumlänge: Weder das monotone Darkest Days noch das mit Quietsch-Synthies unterlegte Heavy Feathers wissen wirklich zu überzeugen. Diese kleinen Durchhänger sind aber durchaus zu verschmerzen, weil die Form ansonsten stimmt und der Hitfaktor entsprechend hoch ist. Wie im Rausschmeißer Lost Cause, der durchweg hohes Tempo vorlegt und sich mit großartigen Melodien direkt ins Herz rumpelt.

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Zusammenfassung
Wenn sich die geballte Hardcoregeschichte aus Washington, D.C. und Schweden vereint und dabei sonniger Retro-Pop-Punk kalifornischer Prägung entsteht, sollte man das einfach so hinnehmen und sich an den vielen kurzen Hits erfreuen, die Fake Names zu bieten hat. Durch den Charme der angenehm anachronistischen Herangehensweise verzeiht man dabei auch den einen oder anderen Durchhänger.
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