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Im Blick zurück entstehen die Dinge

Ein Meister der unermesslichen Empathie schlüpft in das grenzenlose Universum eines Kindes und legt uns aus diesen jungen Augen eine Welt dar, die uns bekannt zu sein scheint, jedoch nicht greifbar ist, eine Art unschuldiger Kosmos in dem Elemente wie Impulsivität, Übermütigkeit und Sorglosigkeit unabdingbar sind und uns leicht streifen…ein Hauch Dèjá-vu.

„No Gravity Girls“ – Nicht Kinder passen sich der Welt an, sondern andersrum. Keine Grenzen, nur Möglichkeiten.

Alexander Donat löst mit diesem, seinem dritten Album seines wundervollen und schwer in Schubladen zu steckendes Projekt „Fir Cone Children“, eine Eruption in uns aus, die eine blutjunge und bis heute verschüttet geglaubte Version unseres eigenen Pompeji´s freilegt.

Wer seine ersten beiden Platten „Everything Is Easy“ (´15) & „Firconium“ (´16) kennt, der weiß, das dieser sympathische Kerl etwas erschaffen hat was nur schwierig in die üblich drögen Schubladen unterzubringen ist und die der Seltenheit von Taaffeit gleichkommt.

Mit seiner Fähigkeit Dream-Punk, Noise-Pop, Garage, Shoegaze und Fuzz-Pop in Lo-fi Manier verschmelzen zu lassen, lässt er jeden verdammten Musik-Alchemisten vor Neid erblassen.

Thematisch knüpft „No Gravity Girls“ da an wo das Vorgängeralbum aufgehört hat..es begleitet den Prozess des Heranwachsens seiner beiden jungen Töchter und schält zwei scheinbar konträre Welten heraus, die sich in unserer durchgeplanten, abschweiflosen Welt wiederspiegelt und die, der in Kinderschuhen umhertollenden.

Der Opener Indie Rock Sisters ist ein knackiger, melodiöser, 2 minütiger Track und oszilliert zwischen Indie-Rock Welt und Punk Sphäre, treffend zu den Zeilen „Feed me with Indie Rock/ And when I ride into the sun/ I feel the kicking of the drums/ Guitars are blowing up the sound/ And the voice is keeping it together“.

Run and Stretch und I Care For You folgen und machen einfach Spaß zu hören, Unbefangenheit macht sich breit, Perlen des Dream-Punk eben.

Change My Mind sticht stilistisch ein wenig heraus. Mit gelassen schunkelnder Melodie, ungezwungen verspieltem Klavier und eingängigem Gesang- der doch irgendwie an eine Ode erinnert-, könnte er als eine Art bezaubernde Kinderhymne gelten. Ja, auch Kinder brauchen mal Ruhe. Mehr Wohlbehagen geht nicht innerhalb dieser 135 Sekunden.

Blink Of An Eye wirkt sehr verträumt und lullt einen mit dem gut aufgedrehten Chorus Effekt, seinem Echo beladenen Tambourine und dem nebulösen Gesang ein. Die Kombination des Tambourines und dem sparsam aufkommenden Fuzz gibt dem Song etwas psychedelisches. Beim hören weiß man das Morpheus nicht mehr weit weg zu sein scheint. Die Müdigkeit eines Kindes einfangend.

(Mein Gott, der Mann versteht es wirklich wie man Texte in passende Effekte transponiert !)

Open Hand siedelt sich charakteristisch zweifellos in Wave Gefilde ein, mal wieder ein Beweis dafür dass Herr Donat stilistisch ordentlich auspackt und gekonnt kombiniert ohne den Zuhörer damit zu überfordern.

„No Gravity Girls“ scheint die volle Bandbreite einer Kinderseele wiederzuspiegeln- sorglos tobend, wohlig schlafend, forschend, staunend, verängstigend und besticht durch musikalische Vielseitigkeit, Authentizität, Raffinesse und Seele.

“Die wahren Paradiese sind jene, die man verloren hat“, das wusste schon Marcel Proust, aber sind sie gänzlich abhanden gekommen?

Zumindest ist das hier nicht der Fall, denn Alexander Donat ist es mit grandioser Setzung von Impulsen gelungen Vergangenheit und Gegenwart zusammenzufügen und einen Herzschlag lang die Zeit zeitlos erscheinen zu lassen für einen wertvollen und puren Augenblick zurück. Auch eine Art von wiedergefundener Zeit.

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