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Wir trafen Chris und David von Fjørt am Release-Tag im Berliner Michelberger Hotel. Voller Euphorie über den gerade erfolgten Release von Couleur standen die beiden (Drummer Frank konnte aus beruflichen Gründen erst Abends dazu stoßen) prettyinnoise.de gebührend Rede und Antwort.


Ihr habt die Kontakt vor weniger als zwei Jahren veröffentlicht und damals in Interviews gesagt, ihr wärt jetzt leer und ausgelaugt und müsst erst mal spielen. Davor von D’accord zu Kontakt waren es zwei Jahre. Couleur kam jetzt viel schneller. Fingen die Ideen dazu schon auf der Tour an oder erst danach?

Chris: Auf der Tour ist man im Live-Modus, das passiert erst danach, wenn man etwas runter gekommen ist. Das war dann so nach der Herbst-Tour, im November letzten Jahres, das auf einmal schon wieder eine Songidee da war. Wir müssen uns schon bewusst in dieses Mindset begeben: wir schreiben jetzt. Die erste Idee war schon mal direkt ganz gut, dadurch dann kam der Stein ins Rollen.

David: Und wir haben letztes Jahr bewusst mit dem Label gesprochen. Labels und Booking-Agenturen planen immer sehr weit im Vorfeld, damit sie ihre Jahresplanung fertig kriegen. Und dann gab es bei uns schon vor der letzten Tour das Feeling, nicht noch mal im März auf die Straße zu gehen, dann würden wir wieder das selbe zeigen, ein „Repeat“-Knopf quasi. Deswegen haben wir gesagt: es wäre schön, wenn wir 2017, egal für was, Zeit hätten.

Waren es alles neue Ideen als ihr anfingt zu schreiben, oder gab es auch Ideen, die man so mitnimmt und sagt, ok zu der Platte passt das jetzt?

Chris: Wir haben schon immer Riffs, die wir auf Halde gelegt haben. Es passiert aber fast nie.

David: Du bist mehr im Schreibflow, fängst einmal an und dann stellst du irgendwann was fertig. Bei anderen, die man an irgendeinem Punkt liegen gelassen hat, wenn man nicht weiter kam, hat das meistens auch einen Grund, warum man das liegen lässt.

Ihr habt ja dieses Mal mit Philip Koch, Gitarrist von Heisskalt, die Platte produziert, der zum Beispiel auch die letzte Platte von Smile and Burn gemacht hat und gerade viele Bands produziert. Stand das vor der Platte schon fest oder war es zu Beginn so, dass ihr erst mal Songs geschrieben habt und dann auf ihn zu gingt?

David: Während des Songwritings kam der Wunsch bei uns auf, etwas an dem Album-Prozess zu verändern. Anfangs ging es um die Örtlichkeit, wo wir es aufnehmen und die Art und Weise, wie wir es aufnehmen. Und mit Philipp kamen wir nach einer Heisskalt-Show im Gloria (Hamburg) ins Gespräch. Irgendwann sagte er, dass er großen Bock hätte mal eine  Platte zu machen. Bei ihm war so eine Aura voller Elan, er ist ein sehr guter Musiker und totaler Gitarren-Effekte-Frickler. Das passte sofort.

Wie stark war Philip in das Songwriting involviert?

Chris: Wir kamen mit relativ fertigen Songs an. Letzten Endes war es dann aber cool noch mal eine Meinung zu hören von jemandem, der im selben Genre was macht, Heisskalt kann man da schon vergleichen. Letzten Endes war sein Input in der Art, dass er zum Beispiel vorgeschlagen hat, den einen oder anderen Part zu überdenken oder auf links zu drehen. Bei einigen Vorschlägen haben wir das angenommen, bei einigen war es uns dann doch wichtig es so zu machen, wie wir das vorher gedacht hatten. Vor allem die Arbeit im Studio mit ihm war toll, erst dann entsteht ja die eigentliche Aufnahme.

David: Es war für uns das erste Mal, dass wir mit einem Produzenten zusammen gearbeitet haben. Von Philipp kam dann so: ich finde der Part muss da nicht hin. Und wir haben uns das dann zu Hause angehört und bei vielem dachten wir: fuck you, der muss da hin (lacht), und bei anderen Parts : ok, könnten wir noch mal rausnehmen. Es ging viel mehr um den Vibe der Songs und um einen zweiten Spiegel. Das hat sich wirklich die Waage gehalten und war eine konstruktive Zusammenarbeit.

Hört ihr während dem Schreiben bewusst dann andere Platten für Sound- oder Songideen? Tool haben zu 10.000 days erzählt, dass sie viel Meshuggah gehört haben, um sich Inspiration für den Sound zu holen.

David: Wir können nicht aufhören, Musik zu hören.

Chris: Während dem Songwriting-Prozess, wenn du da acht Songs liegen hast, irgendwann kommt dann schon der Punkt, wo man denkt, jetzt schreibe ich zum neunten mal das selbe. Davon dann auszubrechen ist total wichtig. Es gab einen Song, ich weiß nicht mehr welcher, der uns total auf eine neue Schiene gebracht hat. Es ist wichtig einfach ganz andere Sachen zu hören.

David: Wir sind ja auch Musikhörer. Du vertiefst dich dann in den Tunnel deines Songs, tüftelst an ihm rum, aber wenn dann zum Beispiel beim Mails beantworten zu Hause eine Weakerthans-Platte läuft, dann kann die mich auch total inspirieren. Ich kenne das auch bei Bands, dass die sich total zurück ziehen. Bei einer Band, die ich sehr verehre, Envy aus Japan, hat der Gitarrist mal gesagt, dass er sich komplett abschottet, wenn er eine Platte schreibt. Finde ich bemerkenswert, dass man das schafft, ich könnte das nicht.

Chris: Es gibt ja mittlerweile auch super krass produzierte Serien, wo der Soundtrack einen für die Atmosphäre oder den Sound total inspirieren kann.

David: Chris hat mir da mal was geschickt: Du musst die Trommel bei Fargo hören!

Mir ist beim Durchhören eurer Platten aufgefallen, dass es immer mindestens zwei, drei französische Songtitel gibt. Gibt es da ein System dahinter?

Chris: Wir haben eigentlich immer viel zu viele französische Titel.

David: Einen haben wir gekillt. Mitnichten hieß Chanson. Da haben wir gesagt, jetzt reicht’s. Das ganze kommt einfach durch die Nähe zu Belgien und durch die vielen französischen Vokabeln, die durch die Besatzungszeit der Franzosen einfach unseren alltäglichen Sprachgebrauch gefunden haben.

Chris: Die französische Sprache ist eine sehr wohlklingende. Ich finde auch bei Lyrics die Phonetik total wichtig, du kannst super viel sagen darüber, wie du ein Wort aussprichst, wie ein Wort einfach klingt. Ein Wort wie Schnaiserkitt, das gibt es zwar nicht, es hat aber einfach einen bedrohlichen Klang. Das finde ich bei Französisch super interessant, das es so schön und wohlklingend ist aber im Kontext kann es total auf links gedreht werden.

David: Wir nehmen auch immer Wörter, die man im Sprachgebrauch verwendet und dann aber nie mit Französisch verbinden würde. Zum Beispiel dieses „D’accord gehen“ auf der D’accord, das habe ich hunderte Male gesagt, aber mir war nie so bewusst, dass das ja französischen Ursprung hat.

Und unser Schlagzeuger Frank erzählt, dass damals zu Nachkriegszeiten, als die französische Armee in Aachen stationiert war, die Soldaten immer zu den jungen Mädchen gesagt haben: „visite ma tente“ (besuche mein Zelt). Meine Oma sagte immer zu mir: geh raus zum Spielplatz aber mach mir keine Fisimatenten.

Wie sehr schreibt jeder von euch alleine? Gibt es dann vieles was ihr auch wieder auseinander nehmt, oder auch wirklich zusammen schreibt?

Chris: Es gibt oft ein Skelett oder einen Part, den ich mitbringe oder David. Der meistens schon ein Element enthält, wo ich weiß, die Melodie ist Killer. Oft bleibt dieses Element dann auch drin, aber alles andere drumherum wird auf links gedreht.

David: Der Kickoff für Fjørt ist wichtig, das müssen wir zusammen machen. Ich zum Beispiel sitze als Nachtaktiver oft bis in die Morgenstunden an Riffs zu Hause, bevor ich die mitbringe. Aber erst in dem Moment, wenn wir sagen, das Ding ist geil, dann kann es damit losgehen.

Wie bei euren vorherigen Platten ist ein Track auch der Titelgebende. Vorher bei Kontakt habt ihr gesagt, dass das Wort als eine Art Überthema beim Writing stand, sobald ihr es hattet. War das bei Couleur auch so?

Chris: Der Song war zuerst da.

David: Der Titel auf jeden Fall. Wir sagen zwar nicht, dass wir Konzeptalben schreiben aber irgendwann hat man dann ein paar Songs geschrieben und überlegt, was wie zusammen passt und bei dieser Platte kam eben das Wort Couleur und seine tiefergehende Bedeutung auf. Viele sagen auch immer noch immer noch in Interviews: das Album heißt jetzt Farbe, was meint ihr denn damit? Aber nee! Für uns kam das Thema Meinung dann im Laufe des Writings immer weiter durch. Wofür soll ich mich eigentlich einsetzen oder wofür nicht, wie stehe ich zu gewissen Themen? Dann schwappte immer wieder dieses Wort rum, was auch wahnsinnig wohlklingend ist. Und dann fällt dann bei uns auch relativ schnell die Schranke: fühlt sich geil an, die Platte heißt so.

Wie lange feilt ihr an der Trackliste eines Albums?

Chris: Wir nehmen uns wie bei allem auch relativ viel Zeit. Du hast immer eine erste Idee, ein erstes Bauchgefühl wenn du das so zusammen baust. Aber du musst eigentlich immer noch mal überlegen. Wir sind schon auch einfach Fans davon wenn das dramaturgisch rund ist, und wirklich von vorne bis hinten einfach eine Geschichte erzählt. Das ist ähnlich wie bei der Setlist einer Show.

David: Es gibt einfach Songs, die passen nicht in die Mitte einer Platte. Manchmal schreibt man auch einen Song und denkt, wie soll man den in einem Liveset unterbringen, dann gibt es so einen outstanding Opener, das hatten wir auf der Kontakt mit „In balance“, der muss einfach an den Anfang.

Chris: Und es gibt auch einfach Songs, die findet man geil und man weiß einfach nicht, wo man die auf der Platte unterbringen soll. Wir hatten den einen oder anderen Song, den wir gefeiert haben, dann aber immer dachten: es gibt keine Stelle auf dem Album wo der Sinn macht. Genauso gibt es auch Songs, wie Karat, bei dem relativ schnell klar war, das wird der letzte Song. Weil der einfach so ein mega krasses Gefühl von so einem Album Closer hatte. Das Feeling war direkt da, da war das eine schnelle Entscheidung.

Der Track Raison ist ähnlich wie vorher schon Parioli, einer, wo ihr euch klar positioniert. Ist das eher Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen, wie jetzt bei der Wahl geschehen oder auch wirklich Reflektion von Dingen aus dem persönlichen Umfeld?

David: Gott sei Dank haben wir jetzt niemanden im Umfeld, der faschistische Gedanken hat. Das würde auch nicht funktionieren. Aber wir kriegen schon sehr viel in Gesprächen so ein unterschwelliges Einfließen mit. Beispielsweise „ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber“, wo ich dann schon die Themen benenne. Das kann schon auch mal im weiteren familiären Umfeld passieren. Da ist es einfach wichtig in diesen Momenten ganz klar Stellung zu beziehen, das auch nicht mit einem Lächeln zu verschönern, sondern zu sagen: Ey Leute das ist brandheiß hier aus den und den Gründen. Und relativ schnell passiert nach so einer Positionierung auf der einen Seite bei der anderen Seite dann ein Denkprozess, das wird dann zwar erst mal so abgetan: das meine ich ja nicht so. Aber genau darüber müssen wir reden! Weil dieses Unterschwellige, wenn das so in den Alltagsjargon Einzug erhält und wir uns gar nicht mehr mit der Tiefe von Dingen befassen, dann geht das ganz schnell.

Für uns ist einfach immer der Grundsatz so wichtig, kein Mensch darf sich über einen anderen Menschen stellen. Ich darf nicht einen über den anderen privilegieren. Diese Gedanken mogeln sich so in die Gesellschaft rein, das ist auch ein Grund, warum so eine AfD so ein Wahlergebnis bekommen hat. Da muss man einfach ganz klar Stellung beziehen. Und das kann jeder als Multiplikator in seinem Umfeld. Manchmal ist es natürlich auch schwer zu sagen: Finde ich nicht cool.

Das ist mir auch mal in einer Kneipe passiert, dass ich zu einem Fremden, der auch ein bisschen größer war als ich, gesagt habe: fand ich nicht cool. Aber im Gespräch danach war es dann ok. Wir als Musiker haben einfach dreimal mehr die Pflicht Stellung zu beziehen. Wir erreichen Leute, sie hören uns zu, viel mehr als auf der Straße, da kann jemand fuck you sagen und geht weiter. Wenn da dann einer im Publikum das mitnimmt, dann haben wir wieder einen kleinen Schritt mehr gewonnen. Natürlich sind wir keine Heilsarmee, aber wir können wo es geht einen Anstoß geben, das zu benennen.

Chris: Wir gehen natürlich nicht davon aus, dass wir Leute im Publikum stehen haben, die sagen: „ich habe nichts gegen Ausländer aber“. Aber selbst wenn du allen Leuten, die da sind, mitgibst, sich in solchen Momenten einfach zu trauen, was zu sagen, dieser kleine Anstoß kann dann schon viel bewirken.

David: Oder auch da zu sein. Mal Netflix auszumachen und auf Gegendemos zu gehen. Das bedeutet viel. Da sein und zeigen: mit mir nicht. Ich hasse das so: diese Facebookposts abends um acht. Noch mal kurz ein Frauke Petry Zitat gepostet, ach wie schlimm das doch alles ist. Ja, wen hast du denn in deiner Freundesliste, der überhaupt so anders denkt? „Ich hab jetzt was gegen den Faschismus getan“. Ich sag auch nicht, dass wir jeden Tag durch die Straßen gehen und Stickern, aber im konkreten Umfeld drauf hinzuwirken, das ist wichtig! Und dann auch so einer Antifa zu danken, die sehr wichtig ist.

Ihr geht jetzt im Januar auf Tour. Wie sieht für euch der Rest 2018 aus?

Chris: Wir wissen noch nichts Konkretes aber wir haben natürlich auch Bock im Sommer unterwegs zu sein. Auch auf die Festivals freuen wir uns.

David: Festivals sind halt auch immer geil, weil man so geile riesengroße Bands umsonst sehen kann (lacht).

Habt ihr für die Tour im Januar, jetzt wo die Bühnen auch etwas größer sind, auch lichttechnisch was geplant?

David: Das spielt eine große Rolle. Wir haben da in Heilbronn so einen völlig kranken Typen kennen gelernt, den Eric und der ist echt ein Künstler am Licht. Das große Umdenken bei uns war einfach: wenn du auf eine Fjørt-Show gehst, zahlst du 17,70 Euro mit Vorverkaufsgebühr, das finden wir viel Geld. Da wollen wir den Leuten auch einfach echt was bieten. Die Clubs sind manchmal nicht so erfreut, wie viel Zeug wir mitbringen, aber es ist doch das Normalste der Welt, dass wenn die Leute extra kommen, man sich auch extra Mühe gibt.

Chris: Das ist eben auch die Möglichkeit der größeren Bühnen. Am Anfang, als wir zum Beispiel in Hamburg im Grünen Jäger gespielt haben, da kannst du nicht zehn Scheinwerfer hinhängen. Und jetzt ist das unsere, ist das Erics Spielwiese.

David: Wir fragen dann immer nur: wo darf ich mich noch auf der Bühne hinstellen?

Chris: Licht ist auch einfach als dramaturgisches Element super wichtig.

Ihr habt von Anfang an sehr viele Konzerte gespielt. Die meisten Bands fangen an mit Konzerten vor 5-10 Leuten und bleiben da erst einmal eine Weile. Wann war der Moment, wo ihr gemerkt habt, es wird mehr und vor allem, dass die Leute direkt wegen euch kommen?

Chris: Es gab auf jeden Fall diese ersten 100 Shows vor drei Leuten. Aber wir haben tendenziell schon gemerkt, dass pro Show eine Person mehr kommt. Und zur Kontakt gab es dann noch mal einen Sprung. Zur Tour im Januar 2016 waren dann auf einmal die ersten Shows einen Monat vorher ausverkauft, zum Beispiel in Berlin. Da war dann schon so ein Gefühl: hier passiert irgendwie was. Das war auch zum Teil einfach der Multiplikator Grand Hotel van Cleef (Label von Fjørt seit Kontakt).

David: Die ersten Indikatoren gab schon in diesen ersten 100 Shows, die wir auch alle selbst gebucht haben. Wo man auch einfach mal Danke sagen muss an richtig viele Jugendzentren, autonome Zentren. Das ist immer noch der Raum, wo Bands, die keiner kennt,willkommen sind, das macht kein kommerzieller Veranstalter. Es ist wahrscheinlich auch der Sache geschuldet, dass damit Geld verdient werden muss. Und dann gab es nach Shows schon einzelne, die kamen und uns sagten: ich habe die Demontage (Erste EP von Fjørt) von euch, die lässt mich nicht los, bitte hört nicht auf. Das hat sehr früh angesetzt, wo dann auch nur fünf Leute waren und einer dann vorbei gekommen ist. Dieses Feedback auf ganz kurzem Wege. Wo wir dann gesagt haben, wenn ich in einem Jahr wieder komme, dann kommt der wieder.

Chris: Und der kam wirklich wieder und hatte dann auch seinen besten Kumpel mitgebracht.

David: Wir haben schon gemerkt, dass diese Musik, die uns so wichtig ist, das schönste der Welt ist und man anderen Leuten was mitgeben kann. Jetzt ist es halt krass. Wir machen eine relativ anstrengende Musik, wir brüllen rum, es sind harte Gitarrenwände, es ist absolut nicht radiotauglich, Spartenmusik. Wenn man dann so sieht, dass wir in manchen Städten 500er Sääle buchen können und was schon jetzt im Vorverkauf abgeht, das ist schon irre. Und dass dann vielleicht die ein oder andere kleine Band, die vielleicht wie Fjørt klingt, sagt, wir machen weiter und dann eben auch gehört wird. Dass wir auch so ein bisschen so ein Aufleben in dieser Schreimusikszene haben, dass so härtere, spartigere Bands auf einmal Gehör finden.

Für kleine Bands ist es vielleicht wichtig zu hören: wie weit geht es, dass ihr von der Musik leben könnt?

David: Auf einem ganz kleinen Level ginge das. Kommt natürlich drauf an, was für einen Lebensstandard du hast. Du könntest dir ein Wg Zimmer für 200 Euro buchen und Weißbrot fressen. Wir drücken aber einfach jeden Cent der reinkommt in das Projekt Fjørt. Dazu gehört vor allem auch technische Ausstattung, wie In-ear-Monitoring und Gitarren-Funkstrecken. Wir jobben alle und leben auf sehr kleinem Fuß. Es muss so gehen, weil wenn ich jetzt Chris sage, zahl mir 600 Euro aus, dann ist seine Funkstrecke Geschichte, was dann wieder bedeute, dass, wenn wir eine Show spielen, etwas ausfallen kann.

Chris: Wir sind sehr froh, dass wir uns durch andere Dinge über Wasser halten, aber dann bei Fjørt die Freiheit haben zu sagen: wir können alles realisieren, alle technischen und künstlerische Ideen umsetzen.

David: Nochmal für junge Bands: Das aller Wichtigste ist der Bock und das Bewusstsein, ich mache das Ding und Kohle ist vollkommen irrelevant. Natürlich ist das Musikbusiness nicht leicht, aber wenn du Bock hast, dann macht dich das doch so glücklich, dann ist dir alles andere dann auch sowas von scheißegal! Du schlägst sonst auch einen falschen Weg ein. Wir hätten auch mit Couleur den falschen Weg eingeschlagen, wenn wir gesagt hätten, ok dann fangen wir an zu singen. Das können wir zwar aber es passt halt nicht. Und wahrscheinlich hätte es sogar einige gegeben, die das gut gefunden hätten. Vielleicht kommt das ja irgendwann.

Aber: Bands, macht euer Ding! Das hört man auch sehr schnell. Ist das jetzt was, das extra gemacht wurde für Erfolg? Mit Musik Geld zu verdienen, ist ok, wenn es so kommt. Wie bei Turbostaat zum Beispiel, das kam so über die Jahre, die haben aber nicht gesagt: her mit der Kohle und dem Erfolg. Irgendwann klappt es und dann kannst du sagen: geil, ich brauch jetzt nicht mehr jobben gehen. Ich habe viel mehr Zeit für Songs. Aber nicht so dieses Ding: lass uns diesen Song weglassen, der wird sich nicht verkaufen.

Habt ihr die Videos zu den Songs Couleur und Magnifique auch in der gleichen Location gedreht, wie das Hotelvideo? Inwieweit sind diese Ideen von Iconographic oder von euch? Wie viel Input habt ihr da?

Chris: Der Michi von Iconographic ist da schon ein krasses Brain. Das passt voll gut, weil was die Musik angeht sind wir so ein bisschen verrückt, und Michi ist genauso irre, was das Visuelle angeht. Er hat bisher alle Videos für uns gedreht. Da ist einfach 150% Vertrauen. Und als er die Location, das Hotel gesehen hat, war er total begeistert. Das ist dann auch sein Handwerkszeug, da kann er dann ausrasten und auf seiner Spielwiese spielen, genau wie Eric mit dem Licht. Bei den Geschichten für die Videos war es dann so, dass er einmal durch das Hotel gelaufen ist, zu uns ankam und dann die Geschichte von diesem demenzkranken jungen Mann und seiner Freundin erzählte. Wir waren total begeistert und haben direkt gesagt: Michi, go for it..

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David: Das ganze Projekt, was wir da mit Iconographic gemacht haben, das war für eine Band unserer Größe eigentlich vollkommen überdimensioniert. Was wir an Budget hatten und was wir aber sehen wollten, das lag weit auseinander. Das ist für die jungen Bands auch immer die Frage, wie man es schaffen kann, sich so darzustellen, wie man es sich vorstellt, aber dann finanziell echt auch Einschränkungen hat. Wir haben eben diese Idee von dieser Livesession entwickelt. Und dann hat Malek, unser Manager von Grand Hotel van Cleef, eben mit unserer Crew geredet und gesagt, dass wir quasi kein Budget haben und es aber eine geile Zeit wird . Es haben einfach alle sofort zugesagt. Und dann sind wir da mit drei Sprintern voller Equipment hin und alle haben sich total ins Zeug gelegt.

Chris: Wir hatten halt auch einfach eine begrenzte Zeit, und dadurch immensen Zeitdruck.

David: Wir haben quasi nicht gepennt, drei Tage und drei Nächte gearbeitet, für die Livesessions und drei Videos, die wir da gedreht haben. Big thumbs-up an die Crew! Wir sind da teilweise in die Settings einfach reingekommen, Götz, der unsere Produktionen macht, hat zusammen mit Yannick und Michi alles aufgebaut. Michi ist mit zwei, drei Stunden Schlaf zum Set gekommen und hat einfach nicht aufgehört zu arbeiten. Einfach irre. Und ich arbeite gerne mit irren Leuten.

Das heißt es kommt noch ein drittes Video. Könnt ihr dazu was verraten?

David: Wir haben die Geschichte aus Couleur und Magnifique zu Ende erzählt. Aber das soll eine Überraschung bleiben.

Danke für das Gespräch!

Titelbild: © Andreas Hornoff

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