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Post-Rock: Die Kunst, ohne Worte viel zu sagen. Auch Flies Are Spies From Hell lassen die Musik für sich sprechen und vertrauen dabei auf die gängigen Trademarks wie filigrane Melodien, behutsames Aufbauen und kraftvolle Ausbrüche.

Vö: 04.05.2020Voice Of The UnheardLP kaufen

Da das Genre seine erste Hochphase bereits vor gut zehn Jahren erlebte, wirkt das alles natürlich nicht mehr wahnsinnig neu oder innovativ. So bedarf es schon einer eignen Note oder besonderer Ideen, um aus der breiten Masse herauszustechen. Im Falle der Briten von Flies Are Spies From Hell kommt diese Rolle einem dominanten Piano zu. Bei Genrefans klingelt es jetzt natürlich, denn die Landsmänner von Maybeshewill haben das sehr ähnlich bis zu ihrer Auflösung vor vier Jahren schon erfolgreich vorgemacht. Dabei sind Flies Are Spies From Hell alles andere als Nachahmer oder bloße Epigonen: Bereits 2004 gegründet, sind sie schon eine gefühlte Ewigkeit im britischen Untergrund unterwegs und blicken auf zwei Alben, eine Handvoll EPs und Auftritten mit namhaften Genregrößen wie And So I Watch You From Afar, This Town Needs Guns oder eben Maybeshewill zurück.

Mit ihrem dritten Album Final Quiet will das Quintett aus Leeds nun ihre über Jahre gewachsene Fanbasis weiter ausbauen.

Das könnte durchaus gelingen, denn handwerklich wird das große Einmaleins des Post-Rock fehlerfrei durchexerziert: Wie filigran sich der Opener Nearly Saw A Light zunächst aufbaut, mit seinen molligen Pianoakkorden und den schwebenden Gitarren, dann von rollenden Drums angestachelt immer lauter wird, einen Moment lang in sich geht, nur um dann, getragen von einer umwerfend schönen Klaviermelodie, in den finalen Aufbau geleitet zu werden – das ist schon nahe an der Perfektion und spielt in einer ähnlichen Liga wie beispielsweise Glósóli der Isländer Sigur Rós.

Das folgende Last Hour ist etwas dunkler gefärbt und geht druckvoller zu Werke und klingt dabei so, als hätte sich mit Ludovico Einaudi ein Großmeister der Neo-Klassikin den Proberaum von Russian Circles verirrt.

Ein wesentliches Merkmal von Final Quiet ist die gelungene Dramaturgie: Afloat Apart bildet als nachdenklich gestimmtes Interlude den Übergang von der hellen Stimmung der ersten zwei Songs hin zu dunkleren Tönen.

Das zentrale, beinahe zehnminütige Always Bereaved beginnt tieftraurig: Die zwei Gitarren und das Klavier verlieren sich zunächst in so viel Schwermut, als würde sich hier alles Leid der Welt vereinen, stacheln sich dann gegenseitig in ihrem Wehklagen an und schlagen dann, angetrieben von einer bollernden Doublebass, in eine bedrohliche, angriffslustige, fast aggressive Stimmung um. So geht großes Gefühlskino abseits von reinem Schönklang. Der in diesem Zusammenhang gern genutzte Begriff „cineastisch“ trifft es in dem Fall hervorragend.

All The Smiles At Night gibt sich im Anschluss zwar wieder etwas versöhnlicher, ist aber noch weit entfernt von der euphorischen Stimmung, die das Album zu Beginn versprühte. Stattdessen legt der Song viel Wert auf und Rhythmus und Groove, wobei das schleppende Finale einen schönen Übergang bildet zum anschließenden Lost By Morning, in dem das Piano mit sich selbst Walzer tanzt und damit Final Quiet andächtig beschließt. 

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Zusammenfassung
So sehr Flies Are Spies From Hell handwerklich und dramaturgisch zu überzeugen wissen, so sehr laufen sie auch Gefahr, im weiten Meer des Post-Rock unterzugehen. Das dominante Piano sorgt allerdings für ein gewisses Alleinstellungsmerkmal und ist als meist zentraler Fixpunkt mehr als nur schmückendes Beiwerk. Final Quiet bewegt sich insgesamt auf der schmalen Linie zwischen Genrestandard und Juwel – auf welcher Seite es landet, hängt wohl sehr vom individuellen Sättigungsgrad ab.
3.5
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