Ein überfälliges Lebenszeichen – Indie/Emo mit Herz!

EP kaufen Vö: 26.10.2017 F-Spin

Die Bonner von Fluid To Gas gibt es schon seit 1994, ihr letztes Lebenszeichen, das Album „Lemons For Lunch“ liegt allerdings schon wieder fast 12 Jahre zurück. Fluid To Gas gehören hierzulande zu den seltenen Vertretern des Früh-90er Emos und gehen dabei derart authentisch zu Werk, dass sie zwischen einigen Bands des legendären Dischord-Labels überhaupt nicht auffallen würden.

„We Are Still On Air“ erinnert mich in den ersten Sekunden schon an „Cannonball“ von den Breeders und mein Fuß fängt inständig an zu wippen. Bevor man aber zu tief in die Indierock-Schublade greift, besinnt man sich auf die Genrewurzeln und schießt aufwühlende, klassische Emoriffs ins Geschehen. Der ungeschönte Gesang erinnert etwas an die großartigen Fugazi, die Musik ist melodiös aber anspruchsvoll. Ohne besonders viel Druck oder Distortion baut sich ein treibendes, groovendes Gerüst auf und steht mächtig im Raum. „Dig’n’Duke Cell Constant“ schlägt in die gleiche Kerbe und lässt alles wie aus einem Guss wirken. Relativ unharmonische Chöre, alles dezent schief und noisig, genau wie es in der glorreichen 90ern en vogue war. Zum Ende hin wird mit etwas fetteren Vocals und noch mehr Groove gearbeitet, was dem Ganzen noch mal etwas Aufwind beschert. Das schnellere, superdynamische „State Of Flux“ ist ungefällig und kantig, beinhaltet aber schönen, mehrstimmigen Gesang. Das Schlagzeug klingt noch etwas arg nach Proberaum, aber das soll hier auch die einzige Kritik bleiben. Kerniger Bass und noisige Noten erinnern ein wenig an das, was man vor Jahren mal kurzzeitig als Grunge bezeichnete, aber natürlich nur in Nuancen. „Real Destruction“ ist die Krönung des Werks, das Riff ist ein echter Knaller. Über den gesamten Track zieht sich ein hintergründiges, US-präsidiales Sprachsample und untermalt den geilen Krach sehr passend.

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  • 8/10
    Autor Steffen Eggert - 8.0/10
8/10

Kurzfassung

Fluid To Gas sollten nicht wieder so lange warten mit dem nächsten Output! Die Musik macht Spaß und findet sicherlich ausreichend Fans, sicherlich auch über die Genregrenzen.

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