Dogrel ist eins der beeindruckendsten (Neo-)Post-Punk-Alben der vergangenen Jahre und gleichzeitig eine durch und durch romantisch-versiffte Liebeserklärung an die Band-Heimatstadt Dublin.

Die Hype-Welle, die das Fontaines D.C.-Debütalbum in UK und Irland auftürmte, war in Deutschland jedoch nur noch als Schaum am Rhein-Strand zu spüren. Die Schaumkrone: Das knapp 30-minütige Set der Band im vor Fan-Schweiß triefenden Spiegelzelt des Haldern Pop Festivals 2019.

Ausgebrannt und fertig mit der Welt waren die noch jungen Fontaines D.C. Ende des vergangenen Jahres nach den unzähligen Shows, die sich dem umjubelten Debütalbum anschlossen. Negativität, innere Zerrissenheit, (Band-)Konflikte und Hass sind allerdings nicht gerade die schlechtesten Grundzutaten eines gelungenen Post-Punk-Albums, so makaber das auch wirken mag.

Eindrucksvoller als im Opener des Dogrel-Nachfolgers A Hero’s Death kann eine Band das nicht unter Beweis stellen. I Don’t Belong ist eine trotzig-düstere Anti-Social-Hymne. Das dazugehörige Video zeigt wechselnd den notorisch emotionslos wirkenden Sänger Grian Chatten und das tosende Meer, in dem Chatten nach und nach versinkt.

Mit Love Is The Main Thing geht es genauso düster und bedrückend weiter. Der repetitive Schlagzeug-Rhythmus, die schwermütigen Gitarren-Figuren, gepaart mit dem monotonen Gesang Chattens bescheren dem Song einen unprätentiösen Joy Division-Anstrich, der auf dem Album immer mal wieder durchscheint, selbst wenn sich andere Einflüsse von The Velvet Underground, über CAN und Sonic Youth bis zu den Supremes darüber legen. Der nölige Gesang im stampfenden This Is America erinnert teilweise sogar an Liam Gallagher – im besten Sinn!

Oh Such A Spring ist eine wehmütig-melancholische Ballade in der lyrischen Tradition der Pogues, die einem dicke Tränen ins Bierglas treibt, bevor das Strokes-artige Intro des Titeltracks die Hörer:innen aus den Kneipenträumen reißt. Das sprechgesungene Mantra „Life ain’t always empty“ von Grian Chatten, das sich über die Retro-Gitarren von Carlos O’Connell und Conor Curley legt, sorgt für einen weiteren Höhepunkt auf einem an Höhepunkten nicht armen Album.

Was A Hero’s Death von den wütenden Kontrahent:innen um die 2020er Neo-Post-Punk-Krone unterscheidet, ist die Tatsache, dass auch die Balladen fesseln. Das Album ist kein durchgängig atemloser Auf-die-12-Stampfer, wie ihn beispielsweise IDLES perfektioniert haben. Stattdessen ist es der berühmte Mut zur Lücke, Kleinigkeiten wie ein gesäuseltes „La-la-la-la-la-laaa“ am Ende des von den späten Beach Boys inspirierten Sunny oder die gekonnt inszenierte Abwechslung von Laut und Leise, die das Album so reif, fokussiert und erwachsen wirken lassen.

Die Hype-Welle, die A Hero’s Death verursacht, wird sich nicht so schnell in Schaum auflösen und ist groß und mächtig genug, um die Band eine ganze Weile darauf tragen zu können. Hoffentlich ohne sich selbst zu zerfleischen. Die letzten Worte versprechen auch emotional zumindest Licht am Ende des düsteren Tunnels: „Even though you don’t know, even though you don’t, you feel, you feel!“ Na dann…

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