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Düsterer, intensiver Darkwave/Gothrock – Eine Hommage an die Genregrößen der 80er

EP kaufen Vö: 10.11.2017 Golden Antenna Records

Ryan Patterson (aka R/Pattern), Mastermind von FOTOCRIME, war mir bisher nur als Kopf der Hardcorepunker COLISEUM bekannt, umso überraschter war ich, dass der Gute mit seinem neuen Projekt auch noch eine ganz andere Seite an den Tag (bzw. die Nacht) legt. Das finstere Gemisch aus Wave, Postpunk, EBM, Psychedelic und Gothic Rock sollte Fans von The Sisters Of Mercy, Fields Of The Nephilim oder The Mission (UK) einige, freudige Minuten bescheren. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass wir es hier mit einem angestaubten Plagiat zu tun haben, eher mit einer Verneigung in etwas moderneren Gewand.

„Duplicate Days“ gibt schon in den ersten Takten die Richtung vor, in welche die Reise gehen wird. Ein geiles, melodisches Gitarrenriff mit postpunkigen Zügen, gepaart mit einer tiefen, sonoren Stimme. Das Riff unterliegt einer stetigen, aufbauenden Verfeinerung, leichter Raureif liegt in der Luft. Keyboards schaffen Chorimitate, die Gitarre gewinnt nach und nach an Biss. Vereinzelte Pizzicatotöne erinnern sehr angenehm an frühe The Cure. „At Play In The Night Tide“ knüpft mit direkten Stakkatoriffs an, alles klingt nach dusterem 80s Goth, Patterson singt als hätte er nie andere Musik gemacht. Es passiert nicht besonders viel, aber das muss ja auch nicht immer sein. Dengelnde Gitarren spielen mit Licks, ein Syntheziser wummert permanent im Hintergrund. Die Stimme erhält eine Echo, die Gitarren werden rockiger, die Drums klingen, als hätte man den guten Dr. Avalanche aus dem Keller heraufgeholt. Herrlich!

Mit „In The Trance Of Love“ findet man ein rein elektronisch gehaltenes Stück auf der EP, es wird völlig auf analoge Instrumente verzichtet. Erinnerungen an die guten Zeiten von Depeche Mode werden wach. Der Refrain ist ganz schön mächtig und wird mit der schöne Stimme der Bassistin verziert. „Always Hell“ von der gleichnamigen Debut-Single ist wieder purster Darkwave, mit typischen Riffs und der ebenso typischen Stimmung. Ganz klar die Hitsingle, die sich prima auf der Setlist in jeder Gothdisco machen würde. Patterson singt klarer und druckvoller, auch die ganze Musik hat erheblich mehr Schmiss! Ein Gitarrensolo findet seinen Platz und lässt sich neben den vollen E-Streichern nieder. „Plate Glass Eyes“ ist ein fast schon garstiger Postpunker, schön zerrig und ungestüm, ein rumpelnder Bass geht selbstbewusst vorweg, leider etwas zu kurz für einen Clubhit! Der „Continental Mix“ von „Tectonic Shift“ (ebenfalls auf „Always Hell“) fällt eher unter Ambient/Soundtrack und hat leichte Industrial-Anleihen. Die Drums tropfen träge aus den Boxen, ein etwas schiefes Piano spielt mit und spacige Distortionssounds tragen zum schleppenden, martialischen Unterton bei. Eher langsam, aber dennoch sehr passend zum Gesamtkunstwerk.

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