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Wer hat Angst vor den Achtzigern? Die goldene Ariola-Zeit, in der sich der 1984-Phobiker in Kaffeehäusern, fragmentarisch mit Neonlicht angeleuchtet, polyesterner Synthiemusik hingab. Genau hier setzt Fraktus an und zieht den Fönfrisurenmenschen nicht nur am dünnen Lederschlips, sondern auch den Zahn, dass die 80er nur Cyndi Lauper und Kalter Krieg waren.

Kurzum: Die drei Herren von Studio Braun – Rocko Schamoni, Heinz Strunk und Jacques Palminger – haben in ihrer Bude an Musik gefrickelt und präsentieren als Fraktus mit ihrem aktuellen Album „WELCOME TO THE INTERNET“ ein irres Kabinettstückchen. Auf insgesamt elf satten Tracks löffeln Dickie Starshine (ehemalig Schubert), Bernd „Bernd“ Wand und Torsten Bage (sprich Bäätsch) dem geneigten Musikfreund mit Stellwerkstörung im Oberstübchen epische Klangopiate, bis dass die Elektroschwarte kracht.

Was dürfen Freunde der Dialektik von Avantgarde und Dilettantismus als Produktionsprinzip von den selbsternannten Erfindern des Technos erwarten, die 2012 mit einer Mockumentary und dem dazugehörigen Album „Millenium Edition“ dem Wahnsinn wieder eine Schüppe mehr aufgelegt haben?

Im Eröffnungsstück „Welcome to the Internet“ bedient sich Dickie Starshine, der ewig gebeutelte des Trios, der Didaktik, macht den Erklärbär und würde damit sogar Angela Merkel die Genese des Internetz (sic!) verklaren. Melodisch getragen wird das Stück von einem Weltraum-Drive, angereichert und abgeschmeckt mit Torsten Bages (Heinz Strunk) jethrotull‘ sche Flöteneinlagen: WestBam trifft auf Jugendmusik- und Schützenverein Hamburg-Harburg.

Psychedelisch setzt sich die Reise fort: Torsten Bages verneigt sich mit verschrobener Syntax (Anleihen an Heinz Strunks „AA-Fingers) vor „Saugtüchern“ und „Maler und Lackierer“ brummt erhellend im Stechschritt voran und warnt militant: „Pause, Feierabend, schnelles Geld / Maler und Lackierer regieren die Welt“

„Schuhe aus Glas“ geht der existentiellen Frage nach der Komposition der Elemente nach, wie es im FRAKTUS-Universum gibt. Da hat der Diskokonsul Beine aus Staub und Knochen aus Holz. Mit „Musik aus Strom“ liefert Fraktus eine Hommage an Kraftwerk in Reinkultur ab.

Besonders hebt sich mit seinem Tagtraumcharakter und den palminger’ischen Metaphern der Track „Mary Poppins“ ab. Ein Optiker im Regenleben entträumt sich seines Regenlebens, will fliegen, mit Mary Poppins Das ist sein Traum, das wäre „Das Wunder von Bernd“.

„Originals“ in seiner Machart entspringt Heinz Strunks Hörspielfrickelbude. Bekannte Stimmen lassen grüßen und deklarieren den Alltagswahnsinn hier anhand der Suche nach einem Ersatzteil – aber original. Genau diese Versatzstückung entspricht auch der Produktionsnatur der drei Herren aus dem Norden. Sample my life!

www.facebook.com/fraktusmusik

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