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Beim Stöbern nach unbekannten Bands stößt man zuweilen auf echte Perlen. So wie Giant Rooks aus dem westfälischen Hamm, die mir 2014 schon mit ihrer ungemein eingängigen Single „Smaland“ aufgefallen sind. Da steckt viel drin – tolle Stimme, starkes Arrangement, dachte ich damals. Eine Recherche ergab, dass die Mitglieder zudem größtenteils noch unter 18 sein sollten. Hier konnte man mit Spannung erwarten, was es noch zu hören geben würde.

Knapp anderthalb Jahre später ist nun endlich die erste EP der Band erschienen. Die CD kommt im schlichten Pappschuber und ist laut Info-Text „hand made by Giant Rooks & Friends“. Das ist sympathisch. Das beigelegte Buntstift-Kunstwerk ist Geschmackssache, aber ein Wiedererkennungswert.

Giant Rooks entwickeln auf „The Times Are Bursting The Lines“ ihren eigenen, distinkten Popsound. Eine Nähe zu großen Vorbildern wird trotzdem manchmal sehr deutlich: Es gibt Gitarren- und Stimmphrasierungen à la Alt-J, sehnsüchtig hallende Geisterstimmen im Stile von James Blake und eine Tom Odell’sche Melancholie zu hören. Diese Aspekte werden geschickt aufgegriffen und stilsicher in ein sehr rundes Gesamtbild integriert.

Offensichtlich wurde viel Zeit darin gesteckt, an Arrangements und Sounds zu feilen. Die Songs haben eine organische Qualität, alles wirkt sehr stimmig, für das Debüt einer so jungen Band eigentlich schon eine Spur zu abgeklärt.

Am besten gefallen mir Giant Rooks, wenn sie sich ein wenig aus den radiotauglichen Pop-Gefilden herauswagen und ihren Sound etwas anschrägen. Im sich aufschaukelnden Outro von „Smaland“ oder in der Strophe des introvertierten „Rituals“, wo die Vocals roboterhaft verfremdet scheinen, zeigt sich eine interessante, unangepasste Facette. Songs wie „Chapels“ sind handwerklich gekonnt komponiert, wären aber mit mehr Ecken und Kanten sicherlich charmanter und individueller.

Es muss jedoch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die Band noch am Anfang ihrer Karriere steht. Für eine Debüt-EP ist „The Times Are Bursting The Lines“ ein beeindruckendes kleines Werk, das viel Respekt verdient. Das offensichtlich vorhandene Potential lässt darauf hoffen, von dieser Band in Zukunft noch mehr zu hören. Mittlerweile werden Giant Rooks übrigens von Four Artists vertreten und haben unter Anderem Support-Shows für Kraftklub und Joris gespielt. Die Aufmerksamkeit haben sie sich verdient.

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