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Girls Names klingen immer anders als zuvor. Das galt für ihr zweites, erfolgreiches Album, „The New Life“, im Vergleich zum Debüt „Dead To Me“. Und das gilt auch für ihr neues, drittes Album „Arms around a Vision“ (erschienen am 2. Oktober bei Tough Love Records), das tiefer, aggressiver und komplexer als die zwei Vorgänger ist.

Düster und atmosphärisch bleiben „Girls Names”, die vier aus Belfast sowieso. Doch wenn „New Life“ etwas Verträumtes evoziert und einen sauberen Sound hatte, geht es jetzt in den zwölf neuen Tracks dreckiger und noisiger zu. Unter anderem trägt zu dieser Stimmung der Sänger Cathal Cully bei. Gleich beim ersten Anhören fällt auf, wie seine Stimme anders klingt: Sie ist weniger lethargisch, „dreamy“, sondern emphatischer und direkter.

Über das Album sagte Cully, die Band habe nach Europa für Inspiration geschaut. Und für Romantik. Und das hört man in jedem Ton heraus. „Arms around a Vision” klingt einfach europäisch. Zwischen treibendem Indie-Rock, Noise, Post Punk und Psychedelic vermittelt die Band eine Atmosphäre wie aus einem schwarz/weißen Bild einer post-industriellen Landschaft. Es hallt nach Joy Divison, The Cure und David Bowie.

„Reticence“ ist die erste Track und zeigt schon wo es langgeht. In dem Song geht es um Liebe, wie oft in den Texten von Cully. Es geht um die Angst und Unsicherheit, wenn man bedingungslos liebt. Dieser Gedanken spiegelt sich in der Musik wider, die einer Spirale ohne Ausgang ähnelt. Zwischen den sehr noisigen Intro und Outro wird die Stimmung etwas leichter – ein guter New-Wave- Song für einen nostalgischen Tanz.

Viel stärkere Gitarren als in „The New Life“ erklingen in „An Artificial Spring“, „Desire Oscillations“ und „Take Out The Hand“. Ein neues Element, die Orgel, kommt in „Desire Oscillations“ zum Einsatz. Es ist ein sehr düsteres Lied, wo gerade diese alte Yamaha-Orgel die Bedrücktheit erleichtert und sich wie eine Ader durch den Song schlängelt.

Die elektronischen Intermezzi „Obsession” und „Convalescence” teilen „Arms around a Vision” in drei Akten und sie dienen als kurze Momente der Ruhe inmitten der Aggression, die mit „Chrome Rose“ direkt nach dem ersten Zwischenspiel zurückkommt. Wieder etwas Neues bildet der Kern des Songs. Ein Streicher-Keyboard hypnotisiert wie ein Schlangenbeschwörer. Parallel kreiseln auch die Bass-Lines und die Beats. „ I hate you all“, singt Cully – ein sehr schön klingender Hass.

80er-Jahre New Wave beeinflusst die sechs-minütige Single „A Hunger Artist“. Robotische Synths und eine rasender, fast industrieller Teil schließen den Song ab, dem ein Höhepunkt des Albums folgt. „Malaga“ ist ein düsterer, sexy und anziehender Song, mit einem Bass, der verführt. Auch hier arbeitet Girls Names mit einem stark verzerrten Outro, der einen Klang-Kontrast zu der Reinheit der Bassline bildet. Diese Verzerrung geht dann weiter in „Dysmorphia“, der aber sie mehr in Richtung Post-Punk entwickelt.

Wieder fasziniert der Bass in „Take Out The Hand“. Hier bleibt man an diesem Instrument kleben, dessen Line durch den Song führt und den Weg durch die verzerrten Gitarren zeigt. Und dann fügt sich alles zusammen, wenn auch die Gitarren sich zum Bass vereinen.

Im Vergleicht zu den anderen Songs erweckt „Take Out The Hand“ die Idee der Vollendung. Girls Names mögen nämlich keine erzählerische Geschlossenheit, fast immer bleiben die Songs offen. Wie Hände, die versuchen, eine Vision anzufassen.

Girls Names sind im November auf Tour in Deutschland:
09/11 – Mainz – Haus Mainusch
10/11 – Leipzig – TANZCAFÉ ILSES ERIKA
11/11 – Berlin – Kantine am Berghain
13/11 – Hamburg – Übel & Gefährlich


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