Cargo-Vinylaktion

Passend zum herbstlichen Wetterumschwung veröffentlicht Gisbert zu Knyphausen sein neues Album „Das Licht dieser Welt“.

LP kaufen Vö: 27.10.2017 PIAS

Knapp zehn Jahre ist es her, dass Gisbert zu Knyphausen sein Debütalbum veröffentlichte. Mit seiner relativ kitschfreien Melancholie und den typischen detailreichen Alltagsbeobachtungen hat er sich bereits einen Namen gemacht – der Linie bleibt er auch bei seinem neuen Album treu.

Der Berliner Sänger hat sich fünf Jahre Zeit gelassen für dieses Album, war zwischenzeitlich in diverse Projekte eingebunden und musste auch einen herben Verlust hinnehmen: sein Bandkollege Nils Koppruch, mit dem er zusammen Kid Kopphausen gegründet hatte, verstarb 2012 überraschend. Das verarbeitet er auch in dem Song „Etwas besseres als den Tod finden wir überall“, den Koppruch anfing zu schreiben – Gisbert zu Knyphausen vollendete ihn und packte ihn mit auf dieses Album. Dass er sich viel mit dem Ernst des Lebens und auch mal traurigen Weisheiten musikalisch auseinander setzt, ist nichts Neues. Auch auf dieser Platte ist jedoch kein erhobener Zeigefinger zu hören, sondern feine Weisheiten und tragische Beobachtungen wie in „Sonnige Grüße aus Khao Lak, Thailand“, bei dem er sich mit einem einsamen Vater beschäftigt, der sich allein gelassen und auch mal überfordert fühlt. Kein Song drängt sich zu sehr mit einer Botschaft auf, meist ist es die Story selbst die am meisten berührt.

So hangelt sich Gisbert durch die alltagsnahen Tragödien und verpackt sie in poetische Geschichten mit einem sehr offenen musikalischen Gewand – weit offener gegenüber seiner früheren Platten. Oft packt vor allem die emotionale Tragweite seiner Lyrics, wie im Titelsong zum Album, das Anfang diesen Jahres im Rahmen der Timm Thaler Neuverfilmung bereits veröffentlicht wurde. Es passt wunderbar in das Kunstgerüst des Albums, das sich nicht nur um das Leben, sondern auch um den Tod dreht. Erstmals sind auch zwei englischsprachige Songs mit dabei, die er ebenso gekonnt meistert.

Mit seiner warmen Stimme und dem exzellenten Songwriting veröffentlicht Knyphausen eine sehr schöne Platte, auch wenn die Reime manchmal noch holprig sind und manche Bilder vielleicht etwas abgedroschen wirken. Schön, dass Gisbert zu Knyphausen wieder da ist und uns zeigt, dass deutschsprachiger Pop auch lyrisch sein darf und mit einfacher musikalischer Ausstattung auskommt, ganz ohne viel Effekte.

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  • 7/10
    Autorin Jenny Gottstein - 7.0/10
7/10

Kurzfassung

Mit seiner warmen Stimme und dem exzellenten Songwriting veröffentlicht Gisbert zu Knyphausen eine sehr schöne Platte, auch wenn die Reime manchmal noch holprig sind und manche Bilder vielleicht etwas abgedroschen wirken.

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