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Godspeed You! Black Emperor, GY!BE, oder generell das kanadische Musikerkollektiv rund um Efrim Menuck und Konsorten haben mittlerweile ein umfangreiches, teils legendäres, musikalisches Gesamtwerk geschaffen, mit dem sich jedes neue Album vergleichen lassen muss. Vorweg sei gesagt: „Asunder, Sweet And Other Distress“ hält dem Vergleich stand.

Für Anhänger der Kultband dürfte sich beim Hören des fünften Albums von GY!BE eine gewisse Vertrautheit einstellen, basieren die vier Kompositionen doch auf dem live bereits öfter dargebotenen Monstertrack „Behemoth“. Dementsprechend sind diese vier Lieder auch wie aus einem Guss. Fließendere Übergänge sind selbst mit ausgeprägtem Vorstellungsvermögen schwer auszumalen. Ähnlich dem letzten Album „‘Allelujah! Don’t bend! Ascend!“ wird im Vergleich zum früheren Werk vermehrt mit Drone kokettiert. War die Anordnung der dronigen Songs beim letzten Album noch suboptimal, so fügen sie sich hier gekonnt ins Gesamtkonzept ein.

„Peasantry or ‚Light! Inside of Light!'“ eröffnet mit einem mächtigen Groove, bevor das Oktett dem geneigten Zuhörer gleich einmal eine druckvolle Soundwall entgegenschmettert, die ihresgleichen sucht. In weiterer Folge bietet der Song von wunderbaren Melodien über geschicktes Arrangement aller acht Bandmitglieder bis hin zur Möglichkeit, absolut in die Musik einzutauchen, so ziemlich alles wofür Anhänger des Kults die Band lieben. „Lamb’s Breath“ betont dann die erwähnten Drone-Elemente, die durchaus als neues Zweitgesicht der Band bezeichnet werden können. Vielleicht versucht man sich so klanglich auch mehr vom Zweitprojekt „Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra“ abzuheben. Schöne Gesänge dort, das absolute Gegenteil hier. Und ebenjenes Gegenteil findet seinen verstörenden Höhepunkt in einem einzelnen, tieffrequentem Noise-Ton, der da einfach so mal ein paar Minuten stehen gelassen wird. Bei der Vinyl-Version des Albums kann man nicht mal mehr von Minuten sprechen, da herrlicher Weise eine Endlosrille in die Platte geritzt ist. Das Störgeräusch wird unendlich. Das ist beinahe Poesie.

„Asunder, Sweet“ führt das geräuschbasierte Konzept dann fort. Typisch für die Kanadier, ist der Sound dreckig und verwaschen, aber es wird trotzdem ein brillanter Raumklang erzeugt. Um eine Metapher zu bemühen: Die beiden mittleren Songs des Albums erzeugen ein bisschen das Gefühl eines Hornissennestes, dessen lästige und unangenehme Bewohner lärmend mal hier hin und mal dort hin fliegen, nur um sich im Endeffekt wieder zu vereintem Übel zu bündeln. Wäre „Piss Crowns Are Trebled“ nicht als eigene Komposition angeführt, man würde den Beginn des nächsten Songs nicht bemerken, so unscheinbar erwächst aus dem beschriebenen Hornissennest der Schlusspunkt des Albums. Eine großartige Melodie wird gegen Ende nach allen Regeln der Kunst kredenzt, bis zuletzt alle acht Musiker zu einer Klangeinheit verschmelzen, die dieses grandiose Album mit einem würdigen Finale beschließen. Man ist verleitet, das verpönte Wort episch zu verwenden.

In Zeiten, in denen man als Freund jener Musik, die mit dem Etikett Postrock behaftet ist, manchmal aufgrund einer gewissen Stagnation des Genres fast den Glauben daran verliert, schaffen es GY!BE dieses Vertrauen wiederherzustellen. Dies geschieht interessanterweise jedoch nicht durch aufdringliche Innovationen in der Musik, sondern durch genretypisches Songwriting nahe an der Perfektion. Plötzlich weiß man wieder, wieso man sich ursprünglich in diese Nischenmusik verliebt hat. Godspeed You! Black Emperor, Meister der Höhepunkte.

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