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Hauschka dürfte vielen Freunden der experimentellen Musik durchaus ein Begriff sein.

Vö: 08.02.2019Sony ClassicaliTunesLP kaufen

Hauschka ist der Künstlername von Volker Bertelmann. Er definierte mit seinem „Prepared Piano“ den Begriff „Experimentelle Klassik“ und schuf zig Alben die zwischen magisch, experimentell und klassischer Schönheit hin und her wankten. Der Kritikerliebling kreierte sein eigenes Universum und veröffentlichte bei verschiedensten Plattenfirmen seine Werke.

Nun ist er beim Major Sony angekommen und hat mit „A Different Forest“ ein Konzeptalbum zum Thema „Naturerfahrungen und Naturverhältnisse“ aufgenommen. Klingt abgehoben? Eigentlich nicht.

Wälder haben doch immer etwas absolut magisches. Diese Ruhe, ein Kosmos außerhalb des städtischen Trubels mit viel Luft zum atmen. Bäume, deren dichter Blätterwald im Sommer für gedämpftes Licht sorgen und im Winter für seltsame Strukturen und das Gefühl der Einsamkeit verstärken. Die Natur ist unglaublich wandelbar und hat zu jeder Jahres- oder Tageszeit seinen Reiz. Wer dieses Gefühl nicht kennt, hat nie richtig gelebt. Ein einzelner Baum hat so viele verschiedene Verzweigungen – er ist praktisch ein Abbild unseres Lebens. Nichts ist gerade und genormt. Und genau das stellt Hauschka mit „A Different Forest“ auf musikalischem Wege dar.

Das experimentelle Element seines „prepared Pianos“ scheint komplett verschwunden.

Es handelt sich hier um ein Klavieralbum von unglaublicher Schönheit. Der Dynamikbereich seiner Stücke ist einfach nur beeindruckend. Gefühl und Emotionen werden hier in einer Art und Weise zelebriert, wie ich es selten gehört habe. Volker Bertelmann verzichtete bei der Aufnahme komplett auf Partituren sowie auf gängige Strukturen und verließ sich scheinbar nur auf seinen eigenen Instinkt. Man könnte sogar sagen, dass „A Different Forest“ ein Live Album ist, welches mit großem improvisatorischen Talent dargeboten wird.

Der Opener „Hike“ klingt melancholisch und bedrückend. Wie der Beginn einer Reise in unbekannte Gefilde. Wie die Entdeckung eines unbekannten Waldes. „Drew And Spiderwebs“ wirkt so verspielt wie die Struktur eines Waldbodens und vermittelt irgendwie eine positive Stimmung. Der Klang des Klaviers klingt warm und detailliert. „Talking To My Father“ ist ein trauriger Song der fast schon verzweifelt klingt ohne aber auf das letzte Fünkchen Hoffnung zu verzichten. „Urban Forest“ ist etwas experimenteller und trotz seiner getragenen Art und Weise ein virtuoses Meisterwerk. „Curious“ ist mit seiner verträumten Melodie ein echter Ohrwurm der gleichzeitig binnen kürzester Zeit Kultstatus in der Modern Classical Szene erreichen könnte. Schönheit, die mit Leidenschaft und kompositorischer Klasse das Herzstück dieses tollen Albums bildet. Das darauf folgende „Ghosts“ wirkt trotz verspielter Melodie fast schon beklemmend. Die oben angesprochene Dynamik kommt hier besonders zum tragen. „Skating Through The Woods“ ist wieder deutlich experimenteller angehaucht und versprüht dadurch einen besonderen Charme. Fast schon fröhlich klingt hier Volker Bertelmanns Naturerfahrung. „Everyone Sleeps“ ist in seiner Tragik ein guter Soundtrack zu einem Film ohne Happy End. „Another Hike“ schließt das Album mit einer hitverdächtigen Melodie die wirklich unglaublich schön ist.

Hauschka wird mit diesem Album seinen Kultstatus in der Musikszene weiter ausbauen können. „A Different Forest“ sprüht vor Inspiration und Wahnsinn gepaart mit eingängigen Melodien und Harmonien.

Volker Bertelmann beweist wieder einmal, dass er zu den kreativsten Köpfen unserer Zeit gehört. Schönheit hat im Jahre 2019 einen neuen Namen erhalten. Er lautet: A Different Forest. Für Fans und Freunde der klassischen Musik ist dieses Album ein Pflichtkauf. Alle anderen sollten sich dieses Album einfach mal beim nächsten Waldspaziergang auf Kopfhörern geben. Vielleicht versteht der ein oder andere dann, was Hauschka uns sagen möchte. Ich glaube verstanden zu haben. Sicher bin ich mir allerdings nicht.

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