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Hemm Rohm machen mit Olympic Shades ziemlich deutlich, genau zu wissen, was sie mit ihrer Musik vorhaben und dennoch wirkt sie rau, skizzenhaft und ein wenig geheimnisvoll. Aber das ist gerade das sympathische und interessante an den Berlinern, denn es macht neugierig, inwieweit sich diese Band noch entwickeln und ihr Konzept weiter treiben wird. Es lebe der Sport.

Tss Tss Tss Tschak Tsch Scht – so beginnt es. So beginnt der musikalische Einstand der Berliner Band Hemm Rohm. Erst seit 2014 aktiv und schon mit der 4-Track-EP Shade Olympics am Start, die schon jetzt zeigt, dass die fünf Männer schon eine ziemlich genaue Idee davon haben, wohin sie mit ihrer Musik gehen möchten. Die Umsetzung ist ebenso konsequent. Das könnte jetzt ein bisschen streberhaft rüberkommen, tut es aber nicht. Denn Hemm Rohm bleiben geheimnisvoll. Ein Name, der bedeutungsleer und eher Klang ist und ein Pressetext, der die Personen hinter der Musik verschwinden lässt. Und wenn dadurch irgendwie alle Körperlichkeit und alles Greifbare abhanden kommt, ist es ausgerechnet der Sport, der die rote Linie vorgibt, der alles thematisch zusammen hält.

Shade Olympics – Eine Olympiade im Dunkeln. Kein Licht im Stadion. Hemm Rohm haben ihre musikalische Arena irgendwo zwischen noisigem Ambient, Post Rock, kühlem Pop und grandiosem Soundtrack für ein Sci-Fi-B-Movie der Achtziger, das nie gedreht wurde, gefunden.

Das Schlagzeug spielt repetitiv und teils minimalistisch. Die Unterscheidung, ob hier ein Schlagzeuger wie eine Loop-Maschine spielt oder andersherum, fällt schwer, aber Verwirrung in Musik ist ja immer willkommen. Kühle und atmosphärische Synthesizerflächen bauen den Spannungsbogen Spur für Spur durch eindringliche und eingängige Motive auf, ohne dabei in der Kitsch- oder Pathosfalle zu landen, denn trotz der Tendenz auch mal auf die Kacke zu hauen, bleiben Hemm Rohm beim Understatement. Die Gitarren helfen mit dem nötigen Krach und Feedback dabei.

XXVI, der Opener, zieht einen hinein in die nächste Viertelstunde instrumentaler Musik. Das Schlagzeug ohne Bassdrum, dafür aber mit einem Bass, der die Marschrichtung vorgibt. Das Feedback der Gitarre greift die Tastenmelodie an, die Erinnerungen zu alten Atari- oder sei es auch NES-Klassikern hervorruft. Mittendrin eine kurze Verschnaufpause: Tss Tss Tss Tschak Tsch Scht – weiter geht’s. Der wohltuende Krach wird hochgefahren, die Gitarre setzt zum Schlussakt an. Wenn XXVI der Soundtrack zum imaginären Bergsteigen war, so wird jetzt bei Running mit wackeligen Beinen die Aussicht genossen. Das Schlagzeug spielt synkopiert, fast an Afro-Beat erinnernd, der Bass bleibt im Hintergrund, die Gitarre nimmt eine größere Rolle ein, sie sägt, fiept und erinnert in der Melodieführung mal an Sonic Youth mal an Twin Peaks.

Wenn eine Band einen Song Arena nennt, dann erwartet man natürlich irgendwie großes kraftstrotzendes Kino. Russel Crowe und Vin Diesel, Gladiator und Space-Marine. Hemm Rohm finden die genaue Schnittstelle. Hier kommt der Endgegner. Das Schlagzeug könnte auf jeder Galeere eingesetzt werden, Bass und Gitarre machen ordentlich Drama, die Tasten werden zu Hörnern. Spielt die Fanfare, Brot und Spiele, der Zieleinlauf des Helden begleitet von Tränen zu Hause an den Bildschirmen. In einer gerechten und humorvollen Welt würden hierzu zukünftige Jahrgänge ihre Abiturzeugnisse entgegennehmen oder Judoka zum Ring marschieren. Das ist irgendwie over the top, das ist heavy, das macht Spaß.

The Athlete bildet den melancholischen Abschluss. Es ist irgendwie der ruhigste Song, obwohl das Schlagzeug hier am beweglichsten spielt. Erschöpft und schwerfällig Wechseln die Akkorde und Harmonien, bis die Gitarre plötzlich doch noch einmal den Versuch wagt, den Noise-Gipfel zu stürmen, aber es kann keine neue Kraft mobilisiert werden, niemand zieht mit, alles kommt zum Stillstand. Hat der Endgegner doch gesiegt?

Hemm Rohm machen mit Olympic Shades ziemlich deutlich, genau zu wissen, was sie mit ihrer Musik vorhaben und dennoch wirkt sie rau, skizzenhaft und ein wenig geheimnisvoll. Aber das ist gerade das sympathische und interessante an den Berlinern, denn es macht neugierig, inwieweit sich diese Band noch entwickeln und ihr Konzept weiter treiben wird. Es lebe der Sport.

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