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So ein passendes Release-Datum: Am 18. September ist das erste Full-Lenght-Album von Hibou erschienen, „Hibou“. An einemTag am Ende des Sommers – genau die Atmosphäre, die dieses Werk verströmt. Nach der EP „Dunes“ aus 2013 veröffentlicht Peter Michel elf Tracks aus bestem Dream-Pop. Der Ex-Drummer von Craft Spells macht alles (er spielt jedes Instrument und singt jeden Part) und er macht es gut.

„Dissolve“ ist der erste Song und auch die erste Single. Gleich wird man in die Welt von Hibou transportiert. Eine Welt, die aus leichten Kontrasten besteht, eine Harmonie zwischen Nostalgie und Lust zum Tanzen. Was „Dissolve“ ankündigt, hält sich das ganze Album durch. Hier erklingen Sommertage im Park, im Licht des Sonnenuntergangs. Eine leichte Schwermut, die, wie schon erwähnt, mich an das Sommerende denken lässt. Ein Gefühl, das doch warm und nie traurig ist. Wie schafft das der 21-Jährige aus Seattle? Es ist die Kombination der Elemente. Peter Michel singt verträumt, seine Stimme klingt stellenweise fast weiblich, immer dunstig. Sie lädt ein, die Augen zu schließen. Zu diesem Verträumten tragen noch die Synths dazu. Doch die Gitarren, die wollen tanzen. Eine Art tanzbare Nostalgie, die von den schönen Bass-Lines akzentuiert wird.

Hier merkt man den Einfluss von Band wie The Cure, The Smiths und Joy Division – wenige Akkorde, aber mehrere Lines, die sich ineinander melodisches verflechten, und noch besser klingen, wenn die Synths sich dazu gesellen.

Eine sehr dreamy Ballade mit ausgesprochen starken Synths ist „Valium“, der zweite Song auf dem Album. Zusammen mit „Above Us“, „Sunder“ und „In The Sun“ gehört er zu den Tracks von der EP „Dunes“, die Hibou nun in einer neuen Version wieder veröffentlicht.

Einen raschen Wechsel gibt es dann mit dem Track „When the Season Ends“. Bei dem Song kann man nicht still bleiben. Schöne Rhythmik, schöne Synths, einen Refrain, den man schon beim zweiten Hören mitsingt – persönlich mein Lieblingssong des Albums. „When the Season Ends“ hätte auch ein Single werden können. Zweite Single ist aber „Eleanor“, nicht gerade der stärkste Track der Platte, doch interessant für die Struktur und Rhythmik, die sich von denen der anderen Songs differenzieren.

Eine andere Perle ist das leicht aggressivere „Glow“, wo die Synths etwas düster klingen und der Song sich in Richtung Post-Punk bewegt. Eine Art Gewitter im Spätsommertag, nachdem die Sonne mit „In the Sun“ zurückkommt.

Hibou schreibt kurze, einfache Texte. Es gibt oft ein Du, er schreibt von Träumen, Weggehen und Zurückkommen. Die Texte sind zwar nicht die Stärke von Hibou, doch sie passen zur Musik, sie lenken sozusagen von der Gesamtstimmung nicht ab. Doch einige besonders schöne Zeilen hat der 21-Jährige parat, wie „if i could meet you there, i’d rather dream just to be sure“.
„Hibou“ ist ein kompaktes Album, alles gehört zusammen und doch wirkt es nicht langweilig. Dieses Zusammengehören erweckt eine Idee von Zuhause, die für die Entstehung des Albums sehr wichtig ist. „I actually recorded half of the new album at my parents‘ home“, sagt der 21-Jähriger auf der Internet-Seite von Barsuk Records. Die Melodien vieler Songs hat er im Discovery Park in Seattle geschrieben, „ it’s my favorite place in the world“.

Vielleicht sind diese Einfachheit und Bescheidenheit sein Geheimnis. Denn Peter Michel gelingt es, einen leichten 80’s Dreampop zu schaffen, ohne zu „airy“ zu werden, ohne den Boden zu verlieren.


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