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Der Herbst-Soundtrack 2017 – Ein traumhaftes Neo-Klassik/Ambient Album.

LP kaufen Vö: 27.10.2017 Unperceived Records

Himmelsrandt ist das aktuelle Projekt des Koblenzer Musikhochschulabsolventen Peter Honsalek, der auch alle Tasten und Streichinstrumente bedient. Vorher vor allem Teil einiger (Black-) Metalformationen, beschränkt er sich aktuell allein auf die klassischen Elemente seiner Musik und bereichert sie ganz dezent mit modernen Klängen. Das neue Album ist in zwei Teile geteilt, wobei in den ersten vier Stücken, wie der Titel es bereits verrät einzelne „Momente“, in den restlichen ein Regenguss thematisch beschrieben und musikalisch untermalt wird. Es gelingt hier eine Art Soundtrack ohne Film zu schaffen, der die Bilder vor dem geistigen Auge zu generieren vermag und sie allein durch die Musik lebendig erscheinen lässt. Es empfiehlt sich deshalb, das Album in Ruhe und mit Kopfhörer zu genießen, jedwede Störgeräusche von Außerhalb könnten das Hörerlebnis trüben.

So beginnt das wahrlich treffend betitelte „Autumn Rain“ mit einem melancholischen Klavier, das nach einer Weile von einem Cello unterstützt wird. Die wunderschöne Melodie ist durchdringend, prägnant, wirkt schicksalhaft, aber nicht depressiv. Die Streicherdichte erhöht sich nach und nach, das Klavier wird lauter, direkter und emotionaler. Nachdem der Zenit erreicht ist, ziehen sich die Instrumente der Reihe nach zurück, werden zum Teil von einer sanften Orgel abgelöst und klingen aus. „End Of All Life“ ist trotz des Titels etwas beschwingter und positiver, das Instrumentarium bleibt größtenteils gleich. Hier wird zusätzlich mit wirklich sehr sanften Elektrobeats und Steamsounds gearbeitet, die sich sehr gut zur Untermalung der klassischen Musik eignen. Gegen Ende erhält das Stück eine dramatische Wendung, die die Spannung steigert und für echte Lebendigkeit sorgt.

Thematisch befinden wir uns anschließend wieder im Herbst. „Autumn Winds“ besticht vor allem durch die aufwühlenden, völlig nüchternen, ohne unnötige Effekte aufgebauschten Streicher. Ein Klavier übernimmt nach einiger Zeit die Schicht und bringt wieder kleinere, positive Tupfer mit. Die Streicher kommen zurück und machen das Stück voller und kräftiger. Schließt man die Augen, kann man die ergreifende Stimmung erst richtig in sich aufnehmen, obwohl auf den ersten Blick überhaupt nicht viel zu passieren scheint. „Levitating“, der vierte „Moment“ des ersten Teils, empfängt uns mit Meeresrauschen, die Streicher scheinen förmlich über dem Piano zu schweben. Wir werden zum Träumen eingeladen und wir folgen der Offerte völlig ohne Nachdruck und schwelgen in wohliger Dämmerung. Die Instrumente werden während des Stücks immer satter und lauter, bilden sich aber letztendlich wieder zurück und verschwinden in einem nebligen Rauschen.

Der Regenzyklus, die zweite Hälfte des Albums beginnt mit „Clouds I“. Streicher, die klingen als hätten sie sich selbst noch nicht richtig gefunden, verkörpern das Aufziehen der Regenwolken. Immer harmonischer und voller werdende Harmonien fügen sich letztlich wie Wassertröpfchen zusammen und werden zum Cumulonimbus. Mit „Drops“ beginnen die ersten Tropfen in Form von einzelnen Pianonoten auf uns herunter zu regnen. Das Gefühl, dass bald ein ergiebiger Guss auf uns herabfällt nimmt mit dem Einsatz der Streicher deutlich zu. Leicht traurig und dramatisch wirkt die Melodie, gewinnt nach und nach an Intensität, bis sich die Saiteninstrumente langsam wieder zurückziehen und das Pianothema wieder freigeben.

In „Rain“ regnet es und man empfindet diesen Umstand nach den vorhergegangenen Stücken gewissermaßen als Erlösung. Eine gestrichene Melodie singt über die Klänge von Regentropfen die auf ein Dach fallen und genau dieser beruhigende Effekt bei Niederschlag, auf den die Bewohner von Dachwohnungen schwören, wird hier dem Hörer zuteil. Die Streicher mehren sich, ziehen aber bald wieder weiter. „Clouds II“ verkörpert das Ende des Regens, die Wolken brechen auf und die Sonne kommt langsam zum Vorschein. Man könnte meinen, diesen moosigen, frischen Geruch in der Nase zu spüren, der aufkommt, sobald sich ein Unwetter verzogen hat. Das positivste, befreiendste Stück macht hier den Abschluss und somit die Sache rund.

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