Ein Jahr nach seinem Tod gedenken Musikerkollegen und Freunde Daniel Johnston mit einem rührenden Tribute-Video.

In dem von Electric Lady Studios initiierten, knapp ein-stündigem YouTube-Stream covern u.a. Phoebe Bridgers, Jeff Tweedy (Wilco), Beck, Devandra Banhart und Maya Hawke (Stranger Things) die Songs der am 11.09.2019 an einem Herzinfarkt verstorbenen Indie-Ikone und erinnern in selbstgedrehten DIY-Clips auf Dachböden oder im Homestudio an sein eigenwilliges Schaffen.

„Hello, this is a recorded message. I am Dan Johnston. Though I am not with you physically, I am with you in heart. With all my heart. And I am thinking about you in hope that you are doing fine.” beginnt das songbetitelte Video Honey, Sure I Miss You mit bewegenden Worten von Johnston selbst und endet ebenso mit einer körnigen Videoaufnahme aus dem Jahr 1991, die ihn zeigt, wie er How I Met You am Klavier improvisiert.

Zwei Momentaufnahmen, die symbolhaft für vieles stehen, was Johnston ausmachte und auch für das, was wir in ihm sehen wollten.

Johnstons Talent war vielseitig. Er war Songwriter und Multiinstrumentalist. Zeichnete, stellte aus. Ein Künstler, der Do It Yourself schon lebte als wir das weder übersetzen noch abkürzen konnten. Seine Kassetten, die er ab Anfang der 80er Jahre im Homerecording aufnahm und in Eigenregie vertrieb a.k.a. verschenkte, sind damals wie heute Kult. Das selbst gezeichnete Froschlogo des Hi, how are you-Demotape Shirt gewordene Ikonographie eines Underdogs.

Daniel Johnston

Mitte der 90er, als die Bekanntheit seiner Person und Musik durch die mediale Unterstützung von MTV und namhaften Fans wie Kurt Cobain oder David Bowie seinen Höhepunkt erreichte, hatte die Independent-Szene nicht nur eine neue Galionsfigur des Understatements – mit teils ein bisschen sehr heroisch-romantisierenden Blick auf die Bipolarität des Musikers – sondern Johnston den Lo-Fi-Sound entscheidend mitgeprägt.

Dass der Singer-Songwriter bedeutenden Einfluss auf ganze Generationen von Musikern hatte, spiegelt sich auch in der großen Anzahl an Coverversionen seiner Stücke wider.

So ist 2004 mit The Late Great Daniel Johnston: Discovered Covered (Gammon Records) eine Compilation erschienen, auf der Originalsongs als auch Coverstücke eben dieser mit Beiträgen von Bright Eyes über Eels bis Tom Waits zu hören sind.

Außerdem wurde er filmisch portraitiert: Der Dokumentarfilm The Devil and Daniel Johnston (Jeff Feuerzeig) wurde 2005 auf dem Sundance Filmfestival ausgezeichnet.

All die Reminiszenzen, Ehrungen und Wertschätzungen machen eines heute aber  besonders deutlich: Da wird jemand ganz schön vermisst.

Honey, I sure miss you, die wirklich gelungene, weil liebevolle Hommage an Daniel Johnston gibt es auf dessen offiziellen YouTube-Kanal zu sehen.

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