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Shoegaze kann schon sehr schneidend und abrasiv sein. Doch nicht der Shoegaze von „I Have No Mouth and I Must Scream“. Die Berliner Band schafft es, etwas Weiches und Sanftes hinzuzufügen und kreiert damit einen Sound, der eher umarmend als schleifend ist und in die 90-Jahre zurückversetzt.

Man stelle sich eine Schnittstelle zwischen The Jesus And Mary Chain und The Cure vor. Die elf Tracks ihres ersten selbstbetitelten Full-Lenght-Albums stellen eine dicht beschichtete Klang-Landschaft vor, wo starke, schimmernde Gitarren, melodische Basslines und ein sanfter, gedämpfter Gesang Merkmale sind.

„Paint“ öffnet das Album und zeigt gleich, wie sehr die Band instrumentelle Teile mag, die oft als Outros dienen. Der Song hat einen sehr schönen, kettenartigen Rhythmus, der zusammen mit der verträumten, melancholischen Stimme in die Welt von I Have No Mouth and I Must Scream entführt. Stark ist es, wie der Song fast wortwörtlich mit eingängigen und strammen Gitarrenriffs „explodiert“.

Am besten klingt die Band bei emotionalen, melancholischen Songs. Sehr stimmungsvoll ist „Drowing“, wo wieder besonders der Gesang zu einer intimen und zart-traurigen Atmosphäre beiträgt. Manchmal erinnert die Stimme an Dream-Pop-Bands wie DIIV und Parks, Square and Alleys. Unterschwellig bedrohlich klingt hier der Bass, als ob man wirklich in dieser wässerigen dunklen Atmosphäre ertrinken könnte. Intim und dunkel klingt auch „Shadow“, ein sehr ruhiger Song. Das Lied erweckt das Bild eines warmen Zimmers in Halbdunkelheit, wo nur das schimmernde Mondlicht durch die Gardinen hereinfließt. Diese Ruhe strahlt auch „Careless Talk“ aus. Hier verlangsamt sich der Rhythmus von den vorherigen „Bridges Behind“ und „Fourth Wall“, die von schreienden Shoegaze-Gitarren, treibenden Drums und pulsierenden, melodischen Bass-Lines gekennzeichnet sind. Dunkel und weich ist auch „Void“, die erste Single des Albums. Das Video dazu fängt die Stimmung des Tracks mit Farben und Lichterspielen perfekt ein. Dunkelblau und lila, verschwommen, mit schimmernden, glänzenden Momenten fließt der Song geschmeidig wie Seide.

Etwas überraschend wirkt die akustische Gitarre in „PKD“, die zusammen mit dem weniger hallenden Gesang dem Lied einen Hauch 90-Jahre Alternative-Rock verleihen. Auch im letzten Song des Albums sind sie zu hören. „YLT“ schließt langsam und mit einem nostalgischen Klavier-Outro das Album ab.

Die Konturen verlieren ihre Schärfe in diesem Werk. I Have No Mouth and I Must Scream gelingt es, mit ihrem Sound eine geschlossen Welt zu schaffen, eine Seifenblase, die funkelnd Farben und Glanz reflektiert und delikat und melancholisch schwebt.

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