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Erst mal, danke. Passiert ja nicht zu häufig, dass vor einem salutiert wird. Auch nicht so häufig passiert es, dass man einen unvollendeten Spagat zwischen mehreren Genres mitanhört. Aber welche Genres eigentlich?

„I Salute“ bewegt sich auf seiner ersten 4-Track-EP irgendwo zwischen deutschsprachigem Hip Hop, Storytelling und den verschiedensten Electronica-Ausläufern. Um tatsächlich als Hip Hop im Sinne von Rap plus Sample-Weiterverarbeitung bezeichnet zu werden, cuttet sich der DJ zu wenig in den Vordergrund. Für eine richtiges Storytelling-Projekt gibt es eindeutig zu viel Musik. Und um als irgendeine Form sturer elektronischer Musik abgestempelt zu werden, sind die Songs von „I Salute“ zu erfrischend unkonventionell, was das Songwriting anbelangt.

Die Beats auf „To Nothing But You“ bringen einen nicht zum Kopfnicken, sondern regen eher an, sich aufmerksam am Kopf zu kratzen. Das ist generell eine gute Sache, aber eine manchmal zwingendere, möglicherweise auch simplere Rhythmik würde dem Zuhörerzugang zur Musik durchaus entgegenkommen. Auch die Texte sind nicht gerade von der Marke, die man beim nächsten Supermarktbesuch beinahe der Kassierin aufsagt, da sie einem nicht aus dem Kopf gehen. Das Stimmorgan hinter „I Salute“ präsentiert sich nicht so charakteristisch, dass man Freudentränen in den Augen hat, ist aber wie bei deutschsprachiger Musik nicht unüblich, auch nicht so penetrant, dass man sich die Sprachbarriere des Englischen zurückwünscht. Am Sound, in dem sich diese irgendwie benebelnde Melange präsentiert wurde jedenfalls getüftelt: Der geht einem als soundaffinem Menschen tatsächlich nicht so schnell aus dem Kopf; vielschichtig tönt es mal dumpf, mal transparent und generell sehr erfrischend. Auch optisch hat man ein sehr schönes Konzept vorzuweisen, sowohl das Artwork der EP als auch das Video zur Single „You“ sind ästhetisch angenehem und positionieren die Band über allem noch in einem Bereich der nörgelnd artsy genannt wird und anerkennend als künstlerisch-anspruchsvoll gilt. „You“ ist neben Opener und Single der EP jedenfalls auch deren Anspieltipp. Im Windschatten von Spraydosengekuller, versprüht man eine Aufbruchsstimmung, die sich gerade erst aus der sinnkriselnden Melancholie gelöst hat.

„To Nothing But You“ ist weder dies noch das, aber jedenfalls ein erstes Lebenszeichen eines Acts, bei dem man gespannt sein kann was folgt. Salutiert man auch in Zukunft vor mehreren Genres ein bisschen oder heftet man sich nur eines auf die frisch-erhobene Fahne?



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