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Einst als Projekt des Franzosen Gautier Serre gestartet und mittlerweile mit festen Bandmitgliedern und vielen Gastmusikern agierend, haben die experimentellen Franzosen von Igorrr unlängst ihr aktuelles Album Spirituality and Distortion veröffentlicht und verweigern sich damit aufs Neue irgendwelchen Genrezuweisungen.

Vö: 27.03.2020Metal Blade Records2LP kaufen

Wie schon auf dem Vorgänger Savage Sinusoid (2017), quasi Igorrrs Durchbruch, wird wieder ein musikalisch höchst abwechslungsreicher Bogen über insgesamt 14 Songs gespannt, von denen jeder mit einer Vielzahl musikalischer Einsprengsel aufwartet, die ungeübten Zuhörern schon so einiges abverlangen.

Das Soundgemisch reicht dabei von aggressiven Breakbeat-Electronics über brutale Metal-Riffs mit abstrakten Growls- und Blastbeat-Gewittern bis zu barocker Klassik, orientalischen Elementen und vielen folkloristischen Einflüssen. An Abwechslungsreichtum und Ideen, die teilweise innerhalb eines Songs umgesetzt werden, mangelt es den Franzosen also ganz und gar nicht, was sicherlich auch den größten Reiz des Albums ausmacht. Wenn man zudem auch noch im Hinterkopf hat, welchen produktionstechnischen Aufwand Serre & Co. betreiben, um aus Alltagsgegenständen eigene Soundsamples zu konstruieren und aufzunehmen, dann kann man eigentlich vor Begeisterung nur den Hut ziehen und sich über dieses außergewöhnliche Hörerlebnis mit hohem Wiedererkennungswert freuen. 

Bleibt als einziger Kritikpunkt, dass die Spannungskurve von Spirtuality and Distortion nach mehrmaligem Durchlauf doch leider etwas abflacht und einige Tracks doch immer wieder zum skippen verleiten.

Stücke wie Nervous Waltz, Hollow Tree, Musette Maximum, Overweight Poesy, Barocco Satani sind anfangs noch ganz lustig und vielleicht als Spielerei auch ganz nett, nerven mit ihrem pathetischen Klassik-Kitsch dann irgendwann aber nur noch und haben sich schnell in ihrem Potential erschöpft. In der Metal-Szene, die ja oft auch so’n kleinen Klassik-Dachschaden hat, sollten diese Tracks aber wahrscheinlich doch ganz gut ankommen.

Gegenüber den wirklich starken Songs dieses Albums, wie z.B. dem völlig durchgedrehten Breakbeat-Kracher Very Noise, Parparing (mit Cannibal Corpse-Sänger) oder den herrlich orientalisch angehauchten Downgrade Desert und Camel Dancefloor, bleiben diese Stücke aber weit zurück.

Absolutes Highlight auf Spiritualitiy and Distortion ist das komplexe Himalaya Massive Ritual, welches schon fast ein bisschen wie Magma auf Metal daher kommt. Insofern ist Spirituality and Distortion zwar ein an vielen Stellen erstaunliches aber leider kein All Killer, No Filler-Album geworden, aber was nicht ist, kann beim nächsten Album ja noch werden, vorausgesetzt Igorrr minimieren den Einsatz an nervigen, pathetischen Klassik-Einschlag.

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Zusammenfassung
Spirituality & Distortion ist zwar ein an vielen Stellen erstaunliches aber leider kein All Killer, No Filler-Album geworden.
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