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Die Vorstellung, dass Inhalte und Emotionen in letzter Konsequenz nur durch (explizite) Lyrics ausgedrückt werden können, ist bisweilen noch weit verbreitet. In den deutschsprachigen Breitengraden gibt es daher als Pendant einer solchen These den weisen Spruch, nach dem ein Bild mehr als 1000 Wörter sagen könne. So weit, so klar.

Vö: 02.11.2018 Ferryhouse Productions iTunes LP kaufen

Der belgische, genauer: flämische Künstler Kevin Imbrechts aka Illuminine wollte es nun aber genauer wissen und hat ein fast ausschließlich instrumentales Album aufgenommen, das zugleich den Versuch unternimmt, autobiographisch zu sein.

Nach eigener Aussage ist das Album Ausdruck seiner Auseinandersetzung mit seiner Asperger-Diagnose.

Im Gegensatz zu seinen isländischen Vorbildern Sigur Ros, die mittels einer fantasierten Sprache noch suggerieren, Inhalte auszudrücken, wird hier bis auf zwei Stücke ganz auf die Klangfarben von Stimmen verzichtet. Die Reduktion des Verbalen und Sagbaren geht auf #3 einher mit einer besonders ausgetüftelten Instrumentierung. Im Vordergrund stehen dabei groß angelegte, flächige Synthiesounds, die bisweilen an Brian Enos erste Versuche aus den späten 70er und frühen 80er Jahren erinnern, Musik wahlweise für „Films“ oder „Airports“ zu kreieren.

Immer wieder werden die breit angelegten Soundflächen durchsetzt mit leise gezupften akustischen Gitarren oder im Hintergrund vor sich hin klimpernden Klavieren.

Dadurch werden einerseits Spannungsbögen aufgebaut, die die Platte davor bewahren, nur eine weitere Synthiematsch-Platte zu werden (oder zumindest als solche wahrgenommen zu werden). Auf der anderen Seite sorgen gerade die gezupften Gitarren in Kombination mit den Synthie-Sounds an ein, zwei Stellen (etwa in It’s Alright“) an eher unangenehme Assoziationen an jene esoterisch aufgeladene Musik, die gemeinhin unter „New Age“ gelabelt wird und insbesondere in den 80er Jahren große Erfolge feierte. Glücklicherweise dominieren diese Elemente nicht auf der Platte, sondern sorgen bloß dafür, die düsteren, manchmal drone-artigen Klangfarben (als Beispiel etwa das schöne „Alas, Orpheus“) zu kontrastieren.

Die instrumentalen Passagen werden sowohl gegen Ende der ersten Hälfte als auch gegen Ende der zweiten Hälfte der Platte von der Stimme der Sängerin Hannah Corinne durchbrochen.

Die engelsgleiche Klangfarbe von Corinne erinnerte Imbrechts an die Stimme von Hope Sandoval (Mazzy Star), sodass er sie schließlich fragte, ob sie zwei der Tracks des neuen Albums einsingen wolle. Beide Songs („Dying Flame“ und „Fright“) sind echte Höhepunkte eines Albums, das alles in allem sehr zu überzeugen weiß, nicht zuletzt aufgrund des fantastischen Artworks von Christopher de Bethune.

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