Frisch auf den Tisch kommt heute die neue EP „Helios“ von Inkarna. Die Metaller aus Köln haben zuvor 2013 ihre erste EP veröffentlicht, seitdem einige Shows gespielt und durften 2014 beim Euroblast-Festival auf der Bühne stehen.

Auf „Helios“ findet sich deftiger, ziemlich ausgetüftelter Deathcore. Anlehnungen an Progressive Metal lassen sich nicht verleugenen; immer wieder bearbeiten auch tackernde Djent-Rhythmen die Gehörgänge. Motto: Immer feste druff – störenden Clean-Gesang gibts hier nicht.

Die „Introduction“ beginnt zunächst verhalten und leise, ein bedrohliches Quietschen, das aus der Ferne zu einem herüberhallt, lässt Böses ahnen. „Awakening“ holzt dann auch direkt los und rennt schnellen Schrittes nach vorne, allerdings wird der Schwung immer wieder durch diverse, recht melodische Breaks und eingeschobene krumme Takte etwas herausgenommen. Inkarna passen jedoch den richtigen Zeitpunkt ab und lassen gerade dann, wenn man sich in der Vielfalt der Parts und Stops zu verlieren droht, dann doch noch den finalen Breakdown von der Leine. Aber Moment – auch der wird durchbrochen und dekonstruiert. Puh, nicht ganz leicht zu hören. Was aber bekanntlich selten ein schlechtes Zeichen ist.

„Reflection“ gab es schon vorab zu hören, mit einem netten Proberaumvideo unterlegt. Hier manifestieren sich dann noch deutlichere Djent-Einflüsse, ohne dass man sich allerdings auf ein polymetrisches Riff versteift und dieses totnudelt. Nein, auch in diesem Song betreiben Inkarna wieder ein Songwriting, das bisweilen eher an einen Flickenteppich erinnert, allerdings einen recht kunstvoll gewebten. Klasse ist die Kompromisslosigkeit und Härte, mit der die Kölner hier zu Werke gehen, später gibt es 1A-Deathmetal-Parts zu hören. Auch wird der formelhaft sequenzierte, melodische Leadpart zwischenzeitig sehr herausgestellt, bevor es zum Abschluss wieder einen sehr ausgefeilten Breakdown gibt. Das erinnert von der Machart her ein wenig an Born of Osiris.

„Confession“ dagegen startet mit einem fiesen Deathcore-Riff, das auch von Job for a Cowboy stammen könnte. Aber damit gibt man sich – natürlich – mal wieder nicht zufrieden, sondern durchbricht das Schema an einigen Enden. Trotzdem zeigen sich Inkarna hier zunächst von ihrer eingängigeren Seite und grooven zwischendurch recht ordentlich. Nach etwas über einer Minute hat man schon wieder einige Breaks hinter sich; dafür wird man anschließend von der finsteren Melodiestimme der Leadgitarre abgeholt. Bald darauf folgt ein Tempowechsel, noch mehr Breaks und auch ein, zwei sehr frische Gitarrensounds, die man so noch nicht gehört hat. Es scheint, als platzten Inkarna schier vor Ideen, ein Part jagt den nächsten und ein Breakdown nach dem anderen zerstört die vermeintliche Idylle, wenn man sich gerade eingegroovt hat.

Nun folgt der bis dahin klanglich abwechslungsreichste Track. Das Eingangs-Solo von „Obligation“ knüpft direkt an den Leadpart von „Reflection“ an. Generell lassen die Kölner hier mehr melodische und harmonische Entfaltung zu, es gibt sogar so etwas wie einen Refrain, der gut ins Ohr geht. Es macht Spaß, die Entwicklung der melodischen Parts zu verfolgen. Im Break bekommt man zwischendurch etwas verstörende Sounds zu hören, die an tiefe, verfremdete Streicher erinnern. Am Ende gibts natürlich noch einmal auf die Mütze, hier schaut der Deathcore wieder um die Ecke.

Der letzte Track „Beyond“ setzt an dieser Stelle noch eins drauf. Auf der Leiter der Härtegrade werden höher liegende Sprossen erklommen, das geht schon in Richtung Grind – mit Blasts, Pig Squeals und co. Nach dem anfänglichen Gemetzel geht man allerdings wiederum neue Wege und überrascht mit versierten Melodien und frischen Gitarrenriffs. In diesem letzten und auch längsten Track von „Helios“ fassen Inkarna noch einmal alle ihre Facetten zusammen und brennen ein lichterlohes Riff-Feuerwerk ab. Hier stecken viele gute Parts drin, die man teilweise so auch bei Melodic-Deathmetal-Bands finden würde, nur eben nicht so gnadenlos gebrochen.

Inkarna zeigen mit ihrer zweiten EP „Helios“, dass man im progressiven Metalbereich mit ihnen rechnen muss. In der EP steckt innovatives und abwechslungsreiches Songwriting, das an manchen Stellen vielleicht ein wenig übers Ziel hinausschießt. Man darf allerdings sicher gespannt sein, was es von den Jungs aus Köln noch zu hören geben wird!

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