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Das Erscheinen der neuen Platte „Schwere“ war für uns Grund genug, Matula mit einigen Fragen zu löchern.

Interview: Matula über Schwere, das Altern und zwei Sechserträger Bier

Das Ergebnis ist ein Interview mit ehrlichen Antworten über den Prozess des Schreibens und dem Älterwerden.


Moin und herzlichen Glückwunsch zur neuen Scheibe. Vier Jahre sind seit dem letzten Album vergangen. Nun erscheint Schwere, was ist in der Zwischenzeit passiert?

Wir sind alle ziemlich langweilig noch mehr „erwachsen“ geworden, als wir es ohnehin schon waren und haben es trotzdem geschafft, ein neues Album zu machen, für das wir ziemlich lange gebraucht haben und das sich mit diesem Erwachsenwerden auseinandersetzt, aber dabei ganz und gar nicht langweilig geworden ist.


Bleiben wir bei Schwere. Jeder kennt dieses Gefühl oder zumindest die Meisten. Was ist der Anlass für eine solche Thematik? Die bevorstehende Midlife-Crisis oder die gesellschaftlichen Umstände, die einen Tag um Tag umgeben?

Beides gehört ja zusammen bzw. bedingt sich. Für uns steckt in unserer derzeitigen Lebensphase definitiv etwas Bedrückendes, auch etwas Langweiliges. Jeden morgen Wecker auf 6 Uhr – so ist es mittlerweile bei den meisten von uns – das ist im wahrsten Sinne schwer, da ist sie schon mal sofort da, die alltägliche Schwere. Es kann auch eine Krise sein, oder nur dieses Gefühl, dass man angekommen ist im fertigen Leben. Ab jetzt immer weiter so, Jahr für Jahr… puh. Das kann es doch wohl nicht gewesen sein. Genau darüber haben wir uns Gedanken gemacht und darüber haben wir Texte geschrieben, auf verschiedenen Ebenen. Da ist beispielsweise das sehr persönliche „Brachland Sonnenuntergang“, in dem es vorrangig um den inneren Kampf geht, oder „Dein Platz ist hier“, ein Stück, mit dem wir bemerken, dass man manchmal auch akzeptiert: So ist es jetzt eben einfach. Auch wenn man doch eigentlich etwas ganz anderes will. Es geht viel um Widersprüchlichkeiten.


(c) Daniel Möring

Zehn Lieder, zehn Geschichten, zehn Schicksale. Schwere macht einen unglaublich persönlichen Eindruck und schafft eine bedrückende Atmosphäre. Woher kommen die Geschichten? Wie viel davon ist autobiografisch?

Die Geschichten kommen aus uns und sind größtenteils autobiografisch. Beim Schreiben der Texte, von denen wir übrigens die meisten gemeinsam, zusammen geschrieben haben, sind wir von uns selber ausgegangen und haben uns gefragt, was uns bewegt, worüber wir verstärkt nachdenken, was eigentlich unsere derzeitigen Themen im Leben sind. Ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen, uns selbst zu bedrücken. Es handeln sicher nicht alle Songs von einem von uns, aber in weiten Teilen dann eben doch.


Wie hat sich im Vergleich zu dem Vorgängeralbum „Auf allen Festen“ die Musik, der Matula-Sound, verändert?

Ich finde, der Sound ist noch mehr Matula geworden, hat noch nie besser zu unserer Musik und unserem Stil gepasst. Wir vier sind alle nicht so die superkrassen Soundfreaks, aber zusammen mit Raphael Rasmus, mit dem wir ja auch schon die Auf Allen Festen aufgenommen haben, haben wir den Sound einfach noch besser und matulaesquer gemacht.


Und wieso diese Veränderung?

Weiterentwickeln müssen wir uns, sonst ist es doch langweilig. Natürlich haben wir gesagt, wir wollen unseren Sound wieder etwas anders haben, aber wir haben nicht vorher schon genau gewusst, wie. Das ist dann einfach so passiert.


Bleiben wir noch einen Moment bei „Schwere“. Erzählt doch mal den schönsten Moment dieser langen Schaffensphase.

Tja, da sprichst du etwas an. Der Prozess, diese Platte aufzunehmen, hat schon echt unglaublich lange gedauert. Da gab es diverse Stolperfallen, die wir mitgenommen haben. Thorbens Ohr war kaputt, Robert konnte plötzlich doch nicht von der Arbeit weg, wir haben superlange für das Schreiben der Texte gebraucht… Ich glaube, der für mich schönste Moment war, als klar wurde, es wird doch tatsächlich etwas. Es WIRD fertig sein, ganz bald.


Was ist eigentlich aus Kuddel geworden?

Der steht zu Hause im Regal und staunt und staunt und staunt, dass wir seit ihm nun schon das dritte Album fertig bekommen haben.


Neues Album, Zeitstrafe Geburtstags-Tour, auf was kann man sich in der Zukunft noch freuen?

Unser erster neuer Song von „Schwere“ namens „Brachland Sonnenuntergang“ ist ja seit kurzem mit dem tollen Video von Fabian Pieper überall hör- und sehbar (YouTube, Spotify etc.).


https://www.youtube.com/watch?v=A0T81WRT2mI

Wenn dieses Interview veröffentlicht wird, kennen die Leute vermutlich schon die zweite Single. Die Platte kommt dann komplett am 24.8. und dann gibt es natürlich das ganze Jahr und darüber hinaus Matula-Konzerte. Alles weitere bleibt eine Überraschung.


https://www.youtube.com/watch?v=FQ0I_pQv0Ss

Habt ihr eigentlich irgendwann mal Kontakt mit Claus Theo Gärtner (Matula) aufgenommen oder er mit euch? Wer ist denn jetzt der echte Matula und warum?

Nein, haben wir nicht. Finden wir auch gut so. Sein Name ist cool, vieles andere, was man so lesen und hören kann, ist ja eher zum abgewöhnen. Aber da müssen wir jetzt nicht einsteigen.


Zum Ende noch drei kurze Fragen. Bestes Matula Konzert aller Zeiten? Eure Top Ten Records aller Zeiten? Was nehmt ihr mit auf eine einsame Insel? Drei Dinge könnt ihr pro Person mitnehmen.

Bestes Konzert: Vielleicht war das die Releaseshow zu Auf allen Festen im Hamburger Nachtasyl. Das war schön, zumal wir Raphael am Klavier dabei hatten.

Top Ten Records: Ich versuche mal eine Top Ten Liste unserer Bus-Platten der letzten Jahre:
NOFX – War on Errorism
Billy Talent – I
Antitainment – Nach der Kippe Pogo
The Gaslight Anthem – Sink or swim
Jimmy Eat World – Clarity
Muff Potter – Heute wird gewonnen, bitte
The Lawrence Arms – The greatest story ever told
Millencolin – Pennybridge pioneers
Iron Chic – Not like this
Jawbreaker – Dear you

Einsame Insel: 2 Sechserträger Bier = 3 Dinge pro Person.

Und ein Schlusswort.

Wir sehen uns im Oktober auf der Zeitstrafe-Tournee!


Matula ist in folgenden Städten zusammen mit Captain Planet, Deutsche Laichen und weiteren hochkarätigen Gästen auf der KEIN GRUND ZUM FEIERN – DIE 15 JAHRE ZEITSTRAFE TOUR zu sehen:

08.10. Berlin – Lido
09.10. München – Hansa 39
10.10. Wien (AT) – Arena
11.10. Wiesbaden – Schlachthof
12.10. Köln – Gebäude 9
13.10. Hamburg – Uebel & Gefährlich

Tickets gibt es hier.

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Titelbild: (c) Daniel Möring

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