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„Wir sind alle Fans von physischer Musik, die man spürt, oder die in gewisser Weise auch brutal ist“ – Interview mit HEIM zum kommenden Album „Palm Beach“.

„Palm Beach“ ist das zweite Album der Gruppe HEIM und erscheint am 23. September auf Tapete Records. Wir haben mit den drei Jungs gesprochen und wissen nun mehr über die Entstehung der Platte.


Hallo, ich bin Paul und das ist mein erstes Interview für prettyinnoise.de. Wer seid ihr?

Mike: Wir sind HEIM und das ist unser erstes Interview!

Denny: Ich bin Denny, ich spiele Gitarre und Bass, und singe hauptsächlich.

Flo: Ich bin Flo, spiele eigentlich Bass, aber auch Gitarre und singe manchmal.

Mike: Ich bin Mike und spiele die Drums.

Das heißt ihr wechselt euch mit Bass und Gitarre ab?

Flo: Ja, aber auf dem ersten Album hat nur Denny Gitarre gespielt.

Woher kommt euer Name? Was bedeutet HEIM?

Mike: Ich glaube, wir konnten uns ewig nicht auf einen Namen einigen und das war dann schon das Angenehmste. Wie war das nochmal?

Flo: Wir haben irgendwie eine Deadline vom Presswerk gehabt, bis zu der wir einen Namen gebraucht haben. Wir hatten diese Liste – das war unmöglich. Es gab tausend Vorschläge und alle waren scheiße. Ich saß dann mit einem Freund in der Vorlesung und meinte, er soll einen Vorschlag machen und das nehmen wir dann auch. Er hat zwei Minuten überlegt und meinte dann, nennt euch halt HEIM, und da waren wir am Ende mit einverstanden. Es gibt aber jetzt keine tiefere Bedeutung dahinter.

Wo kommt ihr denn her? Ihr seid komplett in Deutschland verteilt… und über Facebook habt ihr ja neulich nach einem Proberaum in Hamburg gesucht?

Mike: Ja, wir wohnen in Nürnberg, Hamburg und Bamberg… die Suche war erfolglos. Also wir haben lange in Nürnberg geprobt, weil das einfach am meisten Sinn gemacht hat, dort zu proben. Und wir hatten da echt einen schönen Raum. Aber Denny ist ja dann nach Hamburg gezogen, und dann hat sich das alles nicht mehr so rentiert. Und jetzt müssen wir halt immer schauen, wie wir das mit dem Proben machen.

Denny: Muss halt gut geplant sein… und dann trifft man sich mal ein paar Tage am Stück, die dann intensiv genutzt werden.

Wie kam es dann zu der Verbindung zu Mannheim, beziehungsweise wie seid ihr speziell auf das RAMA-Studio gekommen? In Bamberg, München, Hamburg oder Nürnberg muss es ja etliche Studios geben…

Flo: Wir haben unser erstes Album in der Tonmeisterei in Oldenburg aufgenommen, beim Role. Dort waren wir auch super zufrieden, also das war echt cool und wir wollten mit ihm eigentlich auch das zweite Album aufnehmen. Da hatte er aber keine Zeit, das war dort ziemlich lange im Vorfeld schon ausgebucht. Und er hat uns dann den Christian empfohlen. Das hat dann auch super gut gepasst. Und wir waren davor eigentlich nie in Mannheim.

Mike: Wir kannten bloß die Söhne Mannheims. Die sind schrecklich.

Flo: Es ist auch einfach gut, fürs Studio irgendwo hinzufahren, wo man niemanden kennt. Ich habe sowohl Mannheim als auch Oldenburg sehr genossen, weil man dann auch ein anderes Umfeld hat. Kann mir nicht vorstellen, während der Aufnahmen jeden Tag heimzukommen und in meiner Bude zu pennen. Aber in Nürnberg gibt es sicher auch coole Studios.

Was ist denn mit eurem ersten Album passiert? Das habt ihr ja aus dem Netz genommen? Wieso?

Flo: Ja, wir stehen da nicht mehr so dahinter…

Denny: Es ist aber auch nicht so, dass man das grundsätzlich niemandem zur Verfügung stellt. Wenn jetzt irgendwelche Veranstaltungen anstehen, dann wollen wir auch nicht unbedingt, dass da die Leute erwarten dass „das“ dann kommt… weil das kommt dann nicht!

Mike: Und außerdem war das ja damals so dieser Zeitgeist und wir haben uns ein bisschen gefunden… also im Zusammenspiel. Und dann ist da auch dieser Sound bei herausgekommen.

Was habt ihr denn jetzt bei „Palm Beach“ anders gemacht?

Denny: Also beim ersten Album war es so, dass Mike und ich viel noch alleine geschrieben haben und Flo dazu kam. Und wir das dann trotzdem aber zu dritt geformt haben und das dann auch so zu dritt entstanden ist. Bei dem Album ist aber von Anfang jeder gleich beteiligt und es ist von vorne bis hinten zu dritt entstanden. Es ist einfach mehr HEIM als das erste Album.

Aber ihr wollt nach der Veröffentlichung von „Palm Beach“ schon irgendwann nochmal damit rausrücken?

Mike: Ja, also es gibt auch noch 22 Platten hier bei mir.

Flo: Für mich steht ein Album immer am Ende eines Prozesses. Ich kann mir das neue jetzt auch nicht mehr anhören. Man ist mit dem Kopf immer schon ein Stück weiter. Wie oft man es probt, bis man es dann aufnimmt, und wie oft man es dann Gegenhören muss… und irgendwann wächst man da einfach raus und hat Lust was neues zu machen. Und so ein Jahr nach dem Album-Release ist immer die schlimmste Zeit, weil man es überhaupt nicht packt, was man da vor nem Jahr gemacht hat. Wenn dann irgendwann ein bisschen Gras über die Sache gewachsen ist und man das aus einer anderen Perspektive sieht, dann kann ich damit vielleicht auch wieder Frieden schließen, aber Momentan kann ich da nur den Kopf drüber schütteln. Das ist zumindest mein Gefühl…

Ja, aber du hast es ja auch schon gehört! Für mich und für alle, die sich dafür interessieren – vielleicht nachdem sie „Palm Beach“ gehört haben – ist es eine andere Perspektive.

Denny: Man muss auch dazu sagen, dass dieses Album auch Marcel Gein gehört hat, und dadurch Tapete Records auf uns aufmerksam wurde.

Dann kann es ja gar nicht so schlecht sein! Zum Aufnahmeprozess bei „Palm Beach“. Ihr habt das ja live und ohne Overdubs aufgenommen…

Mike: Wir hatten auch alle zu wenig Geld für lange Studio-Zeiten, und dementsprechend waren wir auch ein bisschen dazu gezwungen, es in so kurzer Zeit zu machen. Aber generell finde ich live aufnehmen immer besser.

Flo: Also ob wir es live aufnehmen, stand nie in Frage, das war völlig klar. Wir proben ja auch live und es fühlt sich für mich einfach nur richtig an, das dann auf die Art und Weise einzuspielen, wie man es eingeübt hat. Wenn ich jetzt drei Jahre lang Stabhochsprung trainiere, dann trete ich bei den Olympischen Spielen auch nicht als 100-Meter-Läufer an. Deshalb spiele ich mein Album auch am liebsten live ein. Klick und so Zeug war auch niemals unser Ding. Das könnten wir auch gar nicht. Da sind wir einfach viel zu schlecht dazu. Das ist uns aber auch nicht wichtig. Und ich persönlich habe Overdubs von vornherein nicht ausgeschlossen, hatte da auch Lust drauf gehabt die Songs mehr zu produzieren. Aber das ging halt einfach zeitlich nicht. Und dann ist es einfach genau das, was wir machen. Und das passt auch… das ist halt die Band. So wie man es auch live spielt, und damit ist es auch nicht falsch, glaube ich. Aber wir sind da jetzt nicht mit einem großen Konzept rangegangen.

Wollt ihr mir was über eure musikalischen Einflüsse erzählen? Gibt es da etwas, was euch besonders inspiriert?

Mike: Also das ist ganz witzig, weil es wird gesagt, wir klingen beispielsweise wie Built To Spill, aber die habe ich davor nie gehört. Die kennt keiner von uns. Jetzt habe ich mal reingehört und finde ein paar Sachen eigentlich ganz cool. Ja, und Dinosaur Jr. natürlich, die hören wir schon ewig. Aber es ist jetzt nicht, dass man gezwungenermaßen so klingen wollen würde.

Flo: Ich glaube wir haben alle zur Zeit des Albums mehr Swans als Dinosaur Jr. gehört.

Mike: Es sind so viele musikalische Einflüsse, die auf einen einprasseln… es war nie geplant, dass wir wie etwas Bestimmtes klingen wollen. Das hat sich halt alles so ergeben. Ich denke, wir sind alle Fans von physischer Musik, die man spürt, oder die in gewisser Weise auch brutal ist. Die auf eine gewisse Art ein Gefühl transportiert…

Ihr textet auf Deutsch. Steckt dahinter eine Entscheidung oder war das für euch selbstverständlich?

Denny: Nee, das war ne bewusste Entscheidung.

Flo: Ich meine, wieso sollte man denn nicht Deutsch singen? Wir denken ja auch deutsch.

Gut, es ist aber ja auch keine Seltenheit, dass trotzdem auf Englisch gesungen wird…

Denny: Wir hatten alle schon vorher Bands, wo wir auch mit englischen Texten gesungen haben. Aber das ist halt einfach nichts…

Flo: Für uns ist es nichts…

Mike: Ich meine, wenn sich da wirklich jemand ausdrücken kann und der Sprache mächtig ist, dann finde ich das auch voll in Ordnung. In den Bands vorher hat man halt englischsprachig gesungen, und das war irgendwie immer voll albern. Man hat zwar Texte geschrieben, aber konnte sich nie wirklich richtig ausdrücken…

Denny: Es ist mir jetzt wesentlich wichtiger als vorher, was gesungen wird. Es fällt einem auch wesentlich schwerer, was zu kreieren. Etwas, was wirklich Gewicht für mich hat. Was ehrlich ist, wo man dahinter steht und wo man auch immer was damit anfangen kann.

Flo: Aber ich kann auch nicht mit allem was anfangen, oder? Ist doch immer so. Ich habe immer ein Problem damit zu sagen, Texte haben Gewicht. Ich finde eher, dass man sich beim Englischen hinter irgendeiner kryptischen Scheiße versteckt und irgendwelche Worte aneinander reiht. In der Hoffnung, dass es eh keiner versteht. Weil es eigentlich egal ist. Die Möglichkeit hat man halt im Deutschen nicht mehr so. Deshalb erscheint es uns, beziehungsweise demjenigen, der den Text schreibt, als etwas, was mehr Gewicht hat. Aber unsere Texte haben trotzdem kein Gewicht …

Denny: Wir sind auch alle keine guten Textschreiber… das ist auch teilweise echt eine richtige Höllen-Arbeit. Es macht eigentlich keinen Spaß.

Flo: Den letzten Text vom ersten Album haben wir am letzten Studiotag in der Nacht geschrieben.

Mike: … dementsprechend ist das Resultat.

Aber lassen sich eure Texte auf bestimmte Themen herunterbrechen, die euch irgendwie beschäftigen? Mir kommen die Texte sehr offen vor und vermitteln eher ein bestimmtes Gefühl als spezifische Inhalte…

Mike: Also es geht auf jeden Fall nicht um ein bestimmtes Statement. Es ist eher nebensächlich bei uns, finde ich. Es ist alles sehr offen. Aber letztlich sind schon einfach Impulse dahinter, also oft fällt einem in irgendwelchen Situationen etwas ein. Wir singen auf jeden Fall nicht davon, irgendwelche Drachen zu töten… das gibt mir halt nichts.

Flo: Ja, wir reden da nicht viel darüber… jeder kommt halt mal mit einer Textpassage an oder eben auch nicht. Und man macht halt was draus… aber es ist nicht so, dass wir uns hinsetzen und sagen, wir müssen jetzt das oder das verarbeiten. Es sind halt eher Alltagssachen, die einem durch den Kopf gehen.

Mike: Also wie du schon sagst, es ist halt sehr offen. Es ist nicht konkret immer ein Thema, das in nem Song angesprochen wird. Man kann halt viel rein interpretieren.

Denny: Ja, also ich selbst weiß schon, was ich damit gemeint habe. Aber ich weiß jetzt auch nicht… was soll ich dazu noch sagen?

In „Nächstes Mal“ singst du „Alles bleibt, wie es schon immer war“, „Das ist alles … es lohnt sich nicht“. Bei „Im Keller“ singst du „Was heute entsteht, ist schon morgen verbraucht “ oder „Irgendwann kommt gar nichts mehr“. Das klingt alles sehr resignativ, oder in der Psychologie würde man vielleicht auf eine Depression schließen… mit der Musik, die doch teilweise sehr positiv klingt, wird das irgendwie kontrastiert… gibt es da keine Entsprechungen nach außen oder thematisch irgendwelche Ursachen?

Denny: Ja, ich habe mir sehr viel Mühe gegeben, dass nicht alles so negativ klingt. Es sind auch viele Texte dabei, die sind tatsächlich positiv… es kommt vielleicht ein bisschen melancholisch rüber. Wir werden auch nie die happy Stammtischlieder machen, aber wie gesagt. Wir sind überhaupt nicht so gesellschaftskritisch oder wollen irgendwelche politischen Sachen aussagen.

Flo: Das stimmt aber, das war das einzige, was uns eigentlich wichtig war. Dass es nicht so negativ ist. Das klingt auch immer so ein bisschen kitschig… und so schlecht geht‘s uns allen nicht. Aber für mich ist auch so etwas wie „Nicht mehr da“ nichts Negatives. Ich habe den Song auch immer positiv empfunden, als was Gutes. Aber ich habe jetzt schon öfter gehört, dass die ganze Platte anscheinend einen sehr negativen Eindruck hinterlässt. Aber die Verbindung habe ich mit den Texten eigentlich nicht.

Mike: Eine Melancholie schwingt auf jeden Fall mit…

Die letzten zwei Stücke sind ja dann deutlich heftiger als der Rest. Fast schon brutal oder abgründig… dazu Zeilen wie „Es ist immer zu viel“, oder das letzte Stück „Nein“ trägt ja schon die Negierung im Titel.

Mike: Ja, es ist schon witzig, wenn man es im Kontrast hört, klar… aber wenn man das Album so am Stück hört, dann wird das auch immer wieder ein bisschen düsterer, oder heavier, brutaler… Dass es irgendwie so eine Steigerung hat, je nachdem wie man es halt sieht.

Denny: Ja, die letzten zwei sind auf jeden Fall nicht positiv.

Flo: Wieso haben wir so unterschiedliche Songs auf dem Album? Weil…

Denny: … man sich nicht immer gleich fühlt.

Flo: Würde das Album nur aus so Songs wie dem letzten bestehen… das würde mich ja fix und fertig machen. Mal entsteht so ein Song, mal entsteht so ein Song. Das hat halt auch immer einen unterschiedlichen Hintergrund. Ich finde auch genau dass es kein Konzept hat, ist halt typisch für HEIM.

Mike: Es ist halt auch eben so, dass wir nicht auf ein Genre fixiert sind, was ich eh voll dämlich finde. Wir gehen rein, ohne darüber zu reden, was da rauskommt, über das Resultat. Da sieht man dann.

Flo: Geredet wird eh ganz wenig.

Denny: So ein Interview ist übrigens für uns die pure Hölle! Dazu zählen auch Fotoshootings und Videodrehs.

Na wir sind ja gleich durch. Was sind denn eure Pläne für die Zukunft, wie geht‘s weiter?

Mike: Jetzt erst mal Konzerte spielen, mit der Band Andalucía, die wir auch durchs RAMA kennengelernt haben, und die wir sehr gerne mögen. Und das erfreut uns natürlich.

Flo: Und dann halt noch Musik machen…

Mike: So oft wie es geht proben, neue Sachen schreiben.

Denny: … weil die alten scheiße sind.

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