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Seit etwa 10 Jahren begleitet mich Joseph Parsons mit seiner Musik und nach ein paar kurzen Gesprächen in den Pausen bei bisher drei besuchten Konzerten, hatte ich am 22.03.2019 in Neustadt an der Weinstrasse Gelegenheit mich Backstage länger und ausführlich mit Joseph Parsons zu unterhalten.

Digging for Rays (CD) erschien direkt zum Tourstart, so dass kaum jemand Gelegenheit hatte die neuen Songs zu hören. Wie haben deine Fans auf die neuen Stücke reagiert?

Meine Fans haben mir viele E-Mails geschrieben. Üblicherweise bekommen die Künstler von Ihren Promotion-Agenturen nur die positiven Reaktionen übermittelt. Ich bat aber darum alle E-Mails und Album-Besprechungen zu bekommen. Ich wollte sowohl die guten als auch die weniger guten Reaktionen kennen, um daraus zu lernen. Negative Reaktionen werden nicht meine Art Songs zu schreiben verändern, aber ich möchte wissen, was die Menschen bewegt und womit sich Menschen verbunden fühlen.

Nach meinem Gefühl ist das aktuelle Album direkt mit dem 2014-er Album Empire Bridges verbunden. Das dazwischenliegende Album The Field The Forest war nicht so harmonisch. Woran hat das gelegen?

Wenn ich The Field The Forest als CD und nicht als Doppel-EP veröffentlicht und konsequent beschränkt hätte, wäre es sicherlich enger an Empire Bridges gewesen. Aber da ich es nicht gemacht habe, konnte sich dort eine größere Spannbreite an Gefühlen entwickeln. Mein Leben hat sich in den letzten 10 Jahren sehr verändert, das findet da seinen Niederschlag.

Was hat sich in deinem Leben verändert?

Ich lebe in Deutschland. Ich habe mein Heimatland, meine Komfort-Zone verlassen. Dort ist es einfacher überall hinzugehen und alles zu regeln. Hier in einem anderen Land muss ich darüber nachdenken, wie ich etwas mache. Das ist sowohl positiv als auch negativ, wie alles im Leben. Aber ich habe meine Familie, die ist unglaublich. Und ich habe mein Ton-Studio, so dass ich inzwischen sehr entspannt bin in Deutschland.

Wie hat sich dein persönliches Leben verändert seit Du in Deutschland lebst?

Es ist ruhiger geworden und das ist gut so. Als ich nach Deutschland kam war ich 45. Das heißt ich war nicht 25 oder 35 sondern hatte bereits eine Menge an Lebenserfahrung. Und es war an der Zeit einen Wechsel zu machen.

Ist das der Grund, dass du den Song Wide awake in Deutsch (Hellwach) singst?

Ich habe das gemacht, weil ich in Deutschland lebe und mich geehrt fühle hier leben zu können. Ich liebe dieses Land und es ist meine Art mich dafür zu bedanken. Dass ist das Geringste was ich zurückgeben kann. Ich hoffe, dass mein Freund Jockel eine gute Übersetzung gemacht hat.

Das ganze Album Digging for Rays ist ein klares Statement gegen Krieg, Gewalt und Intoleranz.

Das sind die großen Themen meines Lebens. Meine Geschichte und meine Musik waren stets ein Statement für diese wichtigen Themen. Das ist wie ich denke, dass die Menschen miteinander umgehen sollten. Überall in meine Songs spreche ich von Respekt anderen Menschen gegenüber.

Wenn ich an True (aus Emire Bridges) denke, da sprichst du ganz direkt vom Respekt auch dir selbst gegenüber.

Genau das wollte ich ausdrücken. Wir müssen zu uns selbst ehrlich sein, damit wie anderen gegenüber ehrlich sein können.

Du bist in einige Projekte eingebunden. Nicht nur deine Solo-Arbeiten und die Joseph Parsons Band sondern auch Hardpan, US Rail und die Zusammenarbeit mit Todd Thibaud. Was hat sich mit dem Tod von Chris Burroughs verändert und wird es mit Hardpan weitergehen?

Wir haben nach der letzten Tour entschieden, dass das Projekt Hardpan enden soll. Darüber sind wir alle glücklich, denn wir konnten als gute Freunde auseinandergehen. Das war eine wunderbare Erfahrung. Es war ein großes Abenteuer zusammen Musik zu machen, als wir die großen Erfolge gemeinsam hatten.

Ich denke insbesondere die erste Tour war ein großer Erfolg für euch.

Die erste Tour war für uns vom Gefühl her gar nicht so unterschiedlich zur letzten Tour aber die Zeiten hatten sich sehr verändert. Und wir hatte nichts gemacht in den Jahren dazwischen, so dass auch die letzte Tour für die Menschen etwas Besonderes wurde. In den Jahren als wir erfolgreich waren, sind wir von vielen angetrieben worden noch mehr zu machen. Aber das wollten wir selbst entscheiden. Und so haben wir gemeinsam entschieden die Band aufzulösen. Das war ein sehr gesunder Weg das Projekt zu beenden.

Das war lange bevor Chris Burroughs erkrankte?

Ja, sein letztes Konzert hat Chris ein Jahr nach unserem letzten Auftritt bei der Hardpan-Tour gespielt.

Wirst du mit Todd Thibaud neue Projekte angehen?

Ja unbedingt, wir haben darüber gesprochen. Noch sind wir mit unseren eigenen Projekten beschäftigt, aber Todd ist einer meiner besten Freunde und wir sprechen 2-3-mal pro Woche. 

Wenn Du nicht die Möglichkeit hättest, mit Musik deinen Lebensunterhalt zu erzielen. Was würdest du tun?

Ich würde eine Menge tun. Ich könne in die Friedensarbeit gehen, da habe ich schon einige Erfahrungen gesammelt. Und ich bin wirklich sehr gut im Organisieren. Ich weiß, was man tun muss, um ein Geschäft am Laufen zu halten. Ich habe bereits internationale Hilfsarbeit gemacht, was mich immer interessiert hat. Außerdem kenne ich mich ein wenig mit Computern aus und natürlich kann ich Musik produzieren. Selbstverständlich könnte ich auch eine Band managen, da ich eine Plattenfirma und eine Produktionsfirma habe.

Mit welchen Musikern würdest du gerne arbeiten und wer hat dich am meisten beeinflusst?

Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Es gibt eine Menge Künstler, die ich mag. Ich bewundere was sie tun, aber ich wollte nie mit ihnen zusammenspielen. Ich dachte immer, es ist genug Kreativität in mir drin. Wenn man zu viele Einflüsse annimmt, dann entwickelt man nicht seine eigene Einzigartigkeit. Dann klingt man nach diesem oder jenem aber meist nicht mehr nach einem Selbst. Ich hatte daher nie das Verlangen danach zu viele Einflüsse aufzunehmen. Ich bin aufgewachsen mit der Musik von Elton John, Cat Stevens, Jethro Tull, Lynyrd Skynyrd, Jim Croce, und all diesen Künstlern. Alle unterschiedlich und dann entdeckte ich Paco de Lucia. Jeder diese Künstler hatte natürlich einen Einfluss aber ich war sehr vorsichtig, dass die Ideen zu meiner Musik aus mir herauskamen und nicht aus diesen Einflüssen.

Welche 5 Lieblings-Alben würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Aktuell höre ich The Take Off And Landing Of Everything von Elbow. Ich liebe diese Platte. Aber ich würde auch Friday Night in San Francisco von Al Di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucía mitnehmen sowie unbedingt eine Elton John Platte. Wegen der Melodien und der Lyrik. Bernie Taupin ist einer der besten Liedtexter überhaupt. Und dann würde ich noch was Klassisches mitnehmen. Wahrscheinlich Mozart, aber da bin ich nicht so tief drin. Sicherlich ein Stück für Klavier oder Gitarre. Und einen Künstler namens David Baerwald. Der war bei David + David, einer Gruppe aus den 80ern. Und die schrieben Welcome to the Boomtown. Der hat 1992, nach dem ersten Golf-Krieg, ein Album namens Triage veröffentlicht. Das ist für mich ein echtes Meisterwerk wegen der Produktion und den Songs. Und auch etwas von Peter Gabriel.

Aus der Genesis-Zeit oder danach?

Ich entdeckte Peter Gabriel über seine Platte Security. Ich war nie ein großer Freund der Genesis-Sachen. Das war mir zu komplex für meinen Musikgeschmack. Als Security 1982 erschien mixten sich da Technik und andere Sounds. Die Empfindlichkeit ist unglaublich.

Letzte Frage: Welchen deiner Songs spielst du am Liebsten live für deine Fans?

Es gibt einen Song, der repräsentiert am besten, wie ich über verschiedene Dinge denke. Den habe ich zusammen mit Todd geschrieben und er heißt Time is Due aus dem Album Eden. Es ist ein sehr sanfter Song aber für mich ist die Geschichte und die Lyrik sehr interessant. Für mich einer der besten Songs, die ich geschrieben habe.

Und von dem neuen Album?

Von der neuen Platte, mit der ich sehr zufrieden bin, würde ich sagen Beautiful Lie ist ein schöner Song. Living Things ist auch sehr interessant und Wide awake ist ein schöner Rock-Song. Aber am glücklichsten bin ich mit Today

Vielen Dank für das Gespräch.

Titelbild: Joseph Parsons 2017 | Facebook

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